Luxa Mart*in Schüttler hat eine Professur für Komposition an der Stuttgarter Musikhochschule inne. Foto: Seth Mooner Abdelati

Queeres Komponieren – genau das versucht die queere Persönlichkeit Luxa Mart*in Schüttler. Wie sich das anhört, hat ein Porträtkonzert im Stuttgarter Theaterhaus gezeigt.

Der Flyer zum Konzert: poppig wie ein Plattencover, pink, mit Blümchen drauf, Rosen und knallgrünen Wasserpistolen. Im Kitsch schlummert liebliche Aggression. Poppig auch der Titels des Abends im Theaterhaus: „I need you love“. Die Musik, die dann erklingt, ist dagegen komplex. Denn die queere Person Luxa Mart*in Schüttler sucht nach einer disparaten Klangsprache – als Versuch eines queeren Komponierens. Schüttler hat seit 2014 eine Professur für Komposition an der Stuttgarter Musikhochschule inne und ist gerade 50 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass veranstaltete Musik der Jahrhunderte in der Reihe „Südseite nachts“ jetzt im Theaterhaus ein Porträtkonzert. Mit an Bord: das Ensemble Manufaktur für aktuelle Musik.

 

Queerer Vielklang

Musikalisch zeigte sich das Wollen Schüttlers am eindrücklichsten in „Ich bin dein Boy“ für gender-fluide Stimme, Ensemble und Live-Elektronik. Vertont werden darin Worte aus dem Munde Octavians, dem Strauss’schen „Rosenkavalier“ – in Sachen Gender, Identitätsfindung und Erotik die perfekte Projektionsfigur. Schüttler lässt darin einen Frauensopran (Rachel Fenlon) operesk singen. Ihre Gesangslinien werden aber immer wieder von einer zugespielten Männerstimme und synthetischen Computerstimmen überlagert – mal in polyfoner Setzung, mal verschmelzend.

Drumherum ein Netz instrumentaler Attacken und elektronischen Raunens. Einmal findet man im Zusammenklang zu überraschender Euphorie. Ein schillerndes, schönes und auch witziges Stück. Luxa Mart*in Schüttler hat eben etwas zu sagen. Im Gespräch mit der Moderatorin Leonie Reineke ging es um Unterschiede zwischen dem klassischen, „disziplinierten“ Klang und dem Sound „als unverwechselbaren Fingerabdruck“, um „Heterosonie“ (Vielklang) als Mittel queeren Komponierens, das sich aus der Diversität verschiedener Soundquellen nährt – ein Komponieren „zwischen Popmusik-Resten, elektronischen Sounds und Oper“.

Gender-fluide Stimme

Gender-fluid artikulierte sich auch die Stimme, die das Stück „I need you love“ für Ensemble und Live-Elektronik sanft und säuselnd in die Wiederholungsschleife überführte. Auch die als Video gezeigte Performance des Saxofonisten Mark Lorenz Kysela, der virtuos Saxofontöne, Geräuschhaftes und die Klanglichkeit eines Fußkeyboards in ein formal schlüssiges Konstrukt bringt, zeigten, wie unterhaltsam und inspirierend zeitgenössische Musik heute sein kann.