Für die Veranstaltung „Zeit-Geschichte(n) – Ausstellung – Impressionen – Events“ in Schonach baut das Team eine kleine Nachbildung des legendären Schönwälder Waldpeters auf.
Es ist nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören. Im Haus des Gastes in der Schonacher Ortsmitte tut sich einiges. Es wuselt im und vor dem Gebäude immer wieder an umtriebig werkelnden Frauen und Männern. Sie legen an vielen Stellen Hand an. Mal alleine, mal im Team. Es wird gesägt, gehämmert, geschraubt, gestrichen, zwischendurch auch mal ein kurzes Schwätzchen gehalten und gelacht. Dann geht es gleich wieder weiter.
Kacheln von einem mühevoll an anderer Stelle abgebauten alten Ofen werden aus den Kofferräumen von zwei Autos in den Garderobenbereich getragen und abgelegt, wo der Ofen wieder aufgebaut werden soll. Auch verstaubte Stühle, Fenster und weitere Gegenstände werden abgewischt und falls nötig repariert. Ein paar Meter weiter wird auf der Empore ein Metallgestänge zusammengeschraubt.
Ein Gemeinschaftsprojekt
Den fleißigen Helfern ist anzusehen, dass ihnen das Mitwirken beim großen Gemeinschaftsprojekt „Zeit-Geschichte(n) – Ausstellung – Impressionen – Events“ im Zuge der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Schonach gefällt.
Von Anfang an dabei
„Wir helfen seit dem vergangenen Jahr, je nachdem, wie wir Zeit haben“, plaudert Margarete Schmidt aus dem Nähkästchen. Die Schonacherin und ihr Mann Gerhard packen gerne mit an, wo sie gerade gebraucht werden. „Ich mache hier Dinge, für die ich manchmal wie ein Lehrling eine Anleitung brauche“, erzählt die 72-Jährige und lacht: „Das macht mir aber nichts aus. Gerade in unserem Alter ist diese Arbeit eine schöne Abwechslung. Zudem bin ich Umtrieb gewöhnt und die Gruppe, die hier tätig ist, harmoniert wunderbar.“ Das bestätigen auch weitere Helferinnen aus Schonach wie Elisabeth Wehrle, Barbara Ruf, Jutta Hör und Ilse Fehrenbach sowie Andrea Berchtold aus Schönwald im Gespräch mit unserer Redaktion.
Einige Ausstellungen kreiert
Einige Helfer sind von Anfang an dabei. Berchtold ergänzt schmunzelnd: „Hier kann man fürs Leben lernen.“ Sie half auch schon 1998 mit, als unter der künstlerischen Leitung von Silvia Hettich die unvergessliche Ausstellung „Träume, Mythen und Planeten“ im Haus des Gastes veranstaltet wurde. Die „Schonacher Kulturwochen“ im alten Rathaus 2010 und die Ausstellung „Uff em Holzweg“ 2013 im Haus des Gastes unter Hettichs Federführung sind den Schonachern, den Bürgern der Raumschaft und weit darüber hinaus ebenso noch in guter Erinnerung.
Geschichte hautnah
Nun ist es erneut Silvia Hettich, die mit ihrem engagierten Team von 26. September bis 5. Oktober zur Ausstellung „Zeitgeschichte(n)“ einlädt. „Mit dieser wird die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lebendig, können die Besucher die Geschichte der Gemeinde hautnah erleben“, kündigen die Organisatoren an. Damit ihr Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann, würden sie sich nach wie vor über weitere, tatkräftige Unterstützung freuen. „Wer sich kreativ einbringen und aktiv mitgestalten oder bei der Organisation mitwirken möchte, ist jederzeit bei uns willkommen“, betonen Hettich und ihre Mitstreiter.
Das rührige Team ist bereits seit Monaten mit der Umsetzung der Ausstellung beschäftigt. Mit der Planung wurde Mitte 2023 im Bauhof begonnen. In verschiedenen Projektgruppen wurde und wird immer noch gebaut, gemalt, geschrieben und mit vielfältigen Materialien experimentiert.
Weitere Helfer willkommen
Die Treffen fanden meist dienstags und mittwochs ab 14 Uhr im Werkhof im Schonacher Untertal und nun verstärkt im Haus des Gastes statt. „Wir sind stets zwölf bis 15 Leute, und am Spätnachmittag gibt es zur Stärkung Kaffee und Kuchen“, berichten die Helfer und betonen: „Wer Lust hat dabei zu sein oder auch neue Ideen einbringen möchte, kann einfach vorbeikommen und reinschnuppern oder sich vorab unter der E-Mail-Adresse 750jahre@schonach.de melden.“
Erinnerungen leben auf
Hettich und ihr Team haben mit großer Leidenschaft und Kreativität bereits etwas Besonderes im Konferenzraum im Haus des Gastes geschaffen. Wer diesen betritt, traut seinen Augen kaum – hat ein Déjà-vu-Erlebnis. Schon die hölzerne Theke am Eingang fällt auf. Sie kommt dem Besucher bekannt vor. Und nach ein paar weiteren Schritten fühlt sich so mancher sicherlich in seine Jugend zurückversetzt. Man steht vor der Tanzfläche des ehemaligen Waldpeters.
Rückkehr einer Legende
Die Legende wird anlässlich des Jubiläums wieder zum Leben erweckt. Nach Jahren des Fast-Zerfalls und der Unsicherheit über den Abriss wurde die Inneneinrichtung der Diskothek, die unvergessliche Nächte erlebt hat, von ehrenamtlichen Helfern abgebaut, entstaubt, geputzt, geschliffen und lackiert. Die kleinere Nachbildung der legendären Schönwälder Diskothek mit Originalteilen versetzt den Betrachter sofort in die Vergangenheit zurück. Erinnerungen werden wach, lebendig. Im Kopf läuft ein Film ab, wie man vor Jahren mit der Clique, mit Freunden an der Holztheke stand und auf die Tanzfläche schaute oder selbst zu den Klängen mehr oder weniger bekannter Livebands das Tanzbein schwang.
Sofort fällt einem eine Geschichte ein, wenn man die Discokugeln und alten Event-Plakate von früher sieht. „Genau das ist es, was wir mit unserer Ausstellung auch erreichen wollen“, sagt Hettich, lächelt und kommt selbst aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, wenn sie auf das „Waldpeterle“, wie sie das Herzstück der Ausstellung liebevoll nennt, zeigt.
Mit viel Geschick ans Werk
Dieses so authentisch von Schönwald nach Schonach zu versetzten, erforderte viel handwerkliches und gestalterisches Geschick. Wie Hettich schildert, wurden die historischen Materialien und Teile im Schonacher Werkhof sorgfältig restauriert, um dieses generationsübergreifende Kultobjekt für Besucher wieder erlebbar zu machen. Großer Dank gebühre Waldpeter-Besitzer Kai-Uwe Bitsch, der das Vorhaben letztendlich ermöglicht habe und alles gratis zur Verfügung stelle. Auch die Zusammenarbeit mit den Hausmeistern des Haus des Gastes und Mitarbeitern des Werkhofs funktioniere „super gut“.
Treffpunkt für Jung und Alt
80 bis 90 Besucher sollen etwa im „Waldpeterle“ Platz haben. „Er soll ein Treffpunkt für Jung und Alt aus der Region werden, denn die jungen Leute kennen den Waldpeter ja nur aus Erzählungen“, schildert Hettich ihre Vision. „Ehemalige Mitarbeiter und eventuell auch DJs des Waldpeters werden vor Ort sein“, kündigt die Initiatorin voller Vorfreude an.
Auch Discobetrieb geplant
Angedacht seien neben Besichtigungen während der Ausstellung auch Veranstaltungen mit Discobetrieb an den Samstagen und unterschiedlichen Themen, wie es im Waldpeter üblich war. „Doch bis es so weit ist, muss erst noch ein Sicherheitskonzept mit dem Ortsbaumeister und der Feuerwehr erstellt und vom Landratsamt abgesegnet werden“, gibt Hettich zu bedenken.
Arbeiten gehen weiter
Die voller Ideen steckende Initiatorin weist während des Gesprächs auch auf die ersten Arbeiten zur Terrassengestaltung zum Thema Sommerzeit hin. In den kommenden Wochen wird zudem der Aufbau im Haus des Gastes fortgesetzt und weitere Arbeiten für den Außenbereich getätigt.
Zeit schenken – Lebenszeit schenken – Mach mit. Trau dich und hilf!“
Kurse und Vorträge
Im Rahmen der Veranstaltung „Zeit-Geschichte(n) – Ausstellung – Impressionen – Events“ werden auch vor der Ausstellung mehrere Kurse und Vorträge angeboten. Immer unter dem Motto „Zeit schenken – Lebenszeit schenken – Mach mit. Trau dich und hilf!“
Was tun im Brandfall?
Dieser Lehrgang mit Georg Schilli und der Feuerwehr Schonach findet am Samstag, 7. Juni, von 9 bis 12 Uhr statt. Theorie und Praxis im Feuerwehrgerätehaus. Kosten: auf Spendenbasis.
Notfälle erkennen und handeln
Eine Erste-Hilfe-Auffrischung mit Karl-Heinz Weißhaar steht am Dienstag, 17. Juni, ab 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses an. Kursdauer: zweieinhalb bis drei Stunden. Kosten: auf Spendenbasis.
Erste-Hilfe-Kurs am Kind
Dieses Angebot leitet Thomas Blum am Samstag, 21. Juni, 8.30 bis 16.30 Uhr, inklusive 45 Minuten Pause, im Sitzungssaal des Rathauses. Kosten: 50 Euro pro Person. Anmeldung unter Telefon 07722/96 48 10 oder E-Mail 750jahre@schonach.de.
Organspende schenkt leben
Diesen Vortrag hält Mathias Reyher, Transplantationsbeauftragter Oberarzt im Schwarzwald-Baar-Klinikum, am Montag, 29. September, ab 19.30 Uhr im Saal im Haus des Gastes. Der Eintritt ist frei.
Ich ticke anders – na und!
Traumatisierung ist weit verbreitet und unterschätzt. Ein Tabuthema – am Mittwoch, 1. Oktober, 19.30 Uhr, wird im Haus des Gastes darüber geredet. Referentin ist Therapeutin Antina Beutel. Der Eintritt ist frei.