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"Zeige, wo der Barthle de Moscht holt!" Kommt Redensart aus Oberwolfach?

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Der Spottname für die Schapbacher hat in einer Narrenfigur seinen Niederschlag gefunden. Foto: Haas

"Zeige, wo der Barthle de Moscht holt!" – Eigentlich möchte man dieses alte Sprichwort den Oberwolfachern zuschreiben. Doch ist es sogar international und in Varianten zu weitbekannt, um es sprachkundlich für die Wolftäler vereinnahmen zu können.

Oberwolfach - Immerhin gibt es einige Argumente für einen besonderen Bezug zum Wolftal. Nicht nur, dass die sprichwörtliche Redensart unter den Älteren dort noch außergewöhnlich oft Anwendung findet. Vielmehr gibt es noch zwei weitere Argumente, die insbesondere auf die Oberwolfacher als die Erfinder von "Barthles Moscht" hinweisen mögen.

Da ist es zunächst einmal der Kirchenpatron Bartholomäus, im Volksmund "Barthle" genannt. Bei einem Blick in die Kirchenbücher fällt auf, dass alle Knaben so um den "Barthlestag", den 24. August also, auf den Namen des heiligen Bartholomäus getauft wurden. Die Vorliebe für diesen Namen strahlte über Jahrhunderte sogar noch bis in den Oktober und Juni aus.

Ein oder zwei Mostfässer gehörten in jedem Haus zum Inventar

Allerdings sind seit dem Tod des "Roßkopfer-Barthle", Bartholomäus Schrempp vom Schwarzenbruch, im Juli 1976 keine "Barthle" mehr in der Gemeinde anzutreffen. Mit ihm ging sozusagen eine namenkundliche Ära zu Ende.

Eine besondere Verbindung zu Most und Äpfeln ist im Wolftal ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Da sei zunächst einmal ein Hinweis auf die Ortsneckereien zu beachten, die zwischen den Oberwolfachern und Schapbachern seit Menschengedenken "ausgetauscht" werden.

Während die Oberwolfacher im Blick auf das einladende Puben für das Dörren der Apfelschnitze "Schnitzpuber" genannt werden, fällt beim Erwidern an die Schapbacher sogleich der Spottname "Käfzgeschneller". Diese Ortsneckerein haben inzwischen ihren Niederschlag in entsprechenden Narrenfiguren gefunden und somit eine deutliche "Entschärfung" erfahren. Früher hatten solche Spötteleien meist eine handfeste Rauferei zur Folge.

Tatsache ist, dass der Apfelmost einst als wichtigere Beigabe zum Vesper galt als jedes andere Getränk. Und ein oder zwei Mostfässer gehörten zum festen Inventar eines jeden Oberwolfacher Kellers. Beredten Beweis für die Wichtigkeit und Beliebtheit von Äpfeln und Birnen liefern auch alte Fotoaufnahmen. Hochstämmige Apfelbäume standen bei jedem Haus und in jedem Garten.

Sie schenkten als "Hofstetterle" oder andere alte Apfelsorten insbesondere der Ansiedlung Grünach die Atmosphäre einer reizvollen Parklandschaft. Heute wäre eine solche Ansiedlung museumsreif. Übrigens hatte der Begründer des Vogtsbauern-Freilichtmuseums in Gutach, Hermann Schilli, den Ortsteil Grünach tatsächlich als interessantes Modellobjekt im Auge. All das ist Geschichte. Was bleibt ist das Sprichwort. "Wissen oder zeigen, wo der Barthle de Moscht holt!" Wäre dies aktuell nicht sehr viel wert, um etwa bei dem Woher und Wohin in diesem Pandemie-Chaos eine hilfreiche Etappe voran zu kommen?

Käfzgeschneller und Schnitzpuber: Mit "Käfzge" ist das Kernhaus von Äpfeln und Birnen gemeint, das man ausschneidet, um beim Essen nicht mit den "Butzge" und "Spelseme" in Konflikt zu geraten.

"Schnitzpuber" wurden die Oberwolfacher genannt, weil sie nach dem Brotbacken in ihren im Dorf verstreut liegenden Backhäuschen mit den Pubhörnern ein Signal gaben, dass man nun die Schnitze bringen möge, um die Restwärme für das Dörren zu nutzen.

Noch bis in die neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Oberwolfacher noch von den Alt-Eingesessenen in den Orten der Umgebung mit den Worten verabschiedet: "Kumme guet heim in d‘ Schnitz!"

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