Martin Fritsche (rechts) zeigt Regierungspräsident Carsten Gabbert das Innenleben eines neuen „Erkunders“. Foto: Ralf Decker/t

Feuerwehren in Südbaden erhalten neue Erkunder. Diese sind technisch hochkarätig ausgerüstet für Messungen in Katastrophengebieten.

Die Feuerwehr sei immer ein spannendes Thema, findet der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Freiburg Carsten Gabbert (Grüne): Feuerwehrleute gehen in die Gefahr hinein, wenn andere eher herauslaufen. Sie sorgen für Sicherheit und „halten den Laden zusammen“, und nicht zuletzt deshalb, so Gabbert, müsse die Blaulichtfamilie gut ausgerüstet sein.

 

Im Regierungspräsidium (RP) Freiburg wurde am Montag nun ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan: Gabbert konnte die ersten sieben von insgesamt zehn neuen sogenannten CBRN-Erkundungswagen übergeben, die nun in den neun Landkreisen im Regierungsbezirk sowie im Stadtkreis Freiburg stationiert werden. Im Feuerwehrjargon heißen die Fahrzeuge schlicht Erkunder, erklärt Gruppenführer Thomas Meier von der Freiwilligen Feuerwehr in Kenzingen (Kreis Emmendingen).

„Viele Stunden Fortbildung und Einarbeitung“

Mit ihren Messefühlern können die Erkunder biologische, radiologische oder nukleare Gefahren erfassen und beispielsweise auf dieser Grundlage Sperrzonen einrichten, zum Beispiel im Kriegsfall, nach einem Unfall mit Strahlenbelastung in einem Kernkraftwerk oder bei Umweltschäden nach einem Großbrand.

Die Fahrzeuge sind technisch auf dem neusten Stand. Foto: Ralf Deckert

„Bei Bedarf können wir in so einem Fahrzeug mit Atemschutz unabhängig von der Außenluft fahren“, berichtet Oberfeuerwehrmann Martin Fritsche von der Freiwilligen Feuerwehr in Schopfheim (Kreis Lörrach). An Bord können sich die Feuerwehrleute über ein internes Interface auch im Schutzanzug noch untereinander verständigen. Vom Messröhrchen für die Probenentnahme bis zum Drucker für den Einsatzbericht ist der Erkunder bis unters Dach mit Hightech vollgestopft. „Das bedeutet für die Besatzungen in der Fläche auch viele Stunden Fortbildung und Einarbeitung“, sagt Thomas Meier.

Zehn neue „Erkunder“ stellt das Regierungspräsidium Freiburg den Stadt- und Landkreises bereit. Foto: Ralf Deckert

Die neuen Erkunder ersetzen die erste Generation dieser Fahrzeuge. „Technisch liegen da Welten dazwischen. Etwa wie zwischen einem alten Nokia-Handy von damals und einem aktuellen Smartphone“, so Meier. „Nach 23 oder 24 Jahren waren aber auch die Fahrzeuge selbst und nicht nur die EDV an Bord nicht mehr auf dem aktuellen Stand“, ergänzt Daniela Mösch, Katastrophenschutzreferentin beim RP Freiburg.

Pro Landkreis wird der Erkunder bei einer Feuerwehr fest stationiert, wo auch entsprechend ausgebildete Feuerwehrleute für das Fahrzeug verantwortlich sind, die im Notfall dann innerhalb der betroffenen Region angefordert werden können.

Bund koordiniert die Anschaffung

Angeschafft werden die Fahrzeuge bundesweit – koordiniert vom Bund, der derzeit mehr als 160 Millionen Euro in die Beschaffung von mehr als 500 Erkundern investiert, die dann auf Landesebene zur Verfügung gestellt und im Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz eingesetzt werden können, so Mösch.

Gebraucht werden sie dringend, wie Regierungspräsident Gabbert betont: „Katastrophen- und Zivilschutz beschäftigen uns immer mehr. Und anhand der aktuellen internationalen Konflikte stellen sich uns auch darüber hinaus immer neue Sicherheitsfragen.“