Zwölf Bonus-Märkte gibt es alleine in Stuttgart. Foto: Peter-Michael Petsch

Zehn Jahre Bonus-Markt heißt zehn Jahre Nahversorgung in den Stadtteilen. Aber es bedeutet auch, Langzeitarbeitslosen Lohn, Brot und Selbstwert zu geben. Die Idee zu diesem Konzept hatte SPD-Stadtrat Manfred Kanzleiter.

Stuttgart - Ideen hat jeder. Aber es kommt darauf an, sie auch umzusetzen. Vor zehn Jahren hatte Manfred Kanzleiter folgende Idee: „Mensch, man müsste dringend etwas für die Nahversorgung der Bürger in Münster tun.“ Und so kam eine Idee zu anderen und schließlich die Tat: Der SPD-Stadtrat rief bei Manfred Kaul an und präsentierte dem Chef der Gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration (SBR) sein Anliegen: einen Lebensmittelmarkt in Münster zu eröffnen. Kaul hörte sich die Sache an, schlief darüber und meldete Kanzleiter schließlich: „Neben dem Handwerk und der Gastronomie wäre der Handel ein weiteres Feld, das unseren Klienten viel bringen würde.“

 

Damit war die Eröffnung des ersten Bonus-Markts in Stuttgart vor zehn Jahren geritzt. „Wir hatten schnell sensationelle Erfolge“, erinnert sich Kaul. Denn die Sache sprach sich herum und breitete sich aus. Seit der Gründung im Jahr 2003 entstanden 30 Supermärkte im Land, alleine zwölf davon in Stuttgart, und zwei in Bayern. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht: „Wir haben Anfragen ohne Ende“, sagt Kaul.

Die vorerst letzte Neueröffnung gab’s zu Jahresbeginn in Büsnau. Mit dabei war auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der zu diesem Anlass das Bonus-Konzept ausdrücklich lobte. Und zwar aus mehreren Gründen: Kuhn ist ein Verfechter für eine starke Infrastruktur in den Stadtteilen. Die Bonus-Märkte übernähmen dabei eine wichtige Rolle. „Es geht darum, dass die Versorgung mit Lebensmitteln auch ohne Auto möglich sein muss“, sagte der OB und sprach damit Bonus-Markt-Geschäftsführer Manfred Kaul aus dem Herzen: Denn gerade für Menschen, die aus verschiedenen Gründen kaum aus ihrem Sprengel rauskämen, sei ein Markt in der Nähe wichtig.

Bonus – das Gute liegt um die Ecke.

Beispiel Büsnau: Im Stadtteil mit 2700 Einwohnern hatte ein privatwirtschaftlicher Lebensmittelmarkt aufgegeben. Die Sache rentierte sich nicht mehr. Also übernahm Kaul den Laden. Von den zehn Angestellte, die dort arbeiten, sind auch einige Langzeitarbeitslose dabei. Sie werden vom Job-Center finanziert. Damit kommt ein Bonus-Markt wirtschaftlich über die Runden. Oder wie Kaul es nennt: „Die Refinanzierung der 150 000 Euro, die wir in einen Laden stecken, ist übersichtlich.“

„Wer hier eine Scannerkasse bedienen kann, der kann sie in ganz Europa bedienen“

Wichtiger sind ihm aber die positiven Nebeneffekte seines Konzepts: „Ich kann in unseren Märkten auch ausbilden“, sagt er stolz, „und ich kann den Langzeitarbeitslosen durch ihre Arbeit wieder Teilhabe an der Gesellschaft und damit Selbstwert geben.“ Nicht zuletzt schaffen viele aus diesen Beschäftigungsverhältnissen wieder den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. Kaul: „Wer hier eine Scannerkasse bedienen kann, der kann sie in ganz Europa bedienen.“

Möglich wurde dies alles nicht nur durch den unternehmerischen Pioniergeist von Kaul und Kanzleiters Idee. Auch Finanzbürgermeister Michael Föll hat seinen Anteil am Erfolg. „Er hat uns durch die Gewährung einer städtischen Ausfallbürgschaft das Überleben gesichert“, lobt Kaul.

Malus kommt aus Berlin

Der Name ist nun also seit zehn Jahren Programm. Denn „bonus“ kommt aus dem Lateinischen und heißt schlicht und einfach gut. Auch deshalb will Kaul nicht auf das Gute der Region verzichten. Zwar kommt der Großteil des Sortiments vom Handelsriesen Rewe, aber Manfred Kaul bemüht sich, lokale Waren anzubieten. „Flugwaren kommen bei uns überhaupt nicht infrage“, sagt er. Er spricht von Früchten oder Gemüse, die mit dem Flugzeug importiert werden müssen. Erdbeeren aus Peru zu Weihnachten stehen demnach auf dem Index. Stattdessen gebe es beispielsweise Säfte aus Uhlbach oder Äpfel aus Bad Cannstatt. Kaul: „Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll.“

Und dennoch ist bei Bonus nicht alles gut. Der Malus kommt aus Berlin. „Die Instrumentenreform des Arbeitsministeriums macht uns zu schaffen“, sagt Kaul. Denn damit ist die Förderung der Langzeitarbeitslosen, worauf seine Finanzierung beruhe, stark eingeschränkt. „Wir haben viel weniger Geld“, klagt er, will sich die Feierlaune zum Zehnjährigen aber nicht verderben lassen. Zusammen mit Bürgermeister Föll und Stadtrat Kanzleiter stößt er an diesem Freitag im ersten Bonus-Markt in Münster auf die gute Idee von damals an.