2012 besuchten über eine Million Menschen die Landesgartenschau in Nagold. Doch was ist eigentlich geblieben von der großen Schau? Wie steht es um die vielzitierte Nachhaltigkeit? Hier sind zehn Attraktionen, die Nagold nur der Landesgartenschau zu verdanken hat.
„Grüne Urbanität“ – unter diesem Motto hatte sich die Stadt Nagold um die Landesgartenschau beworben – und bekam damals gleich im ersten Anlauf den Zuschlag. „Natürlich Nagold“ lautete dann das offizielle Motto der Mega-Veranstaltung.
Von dem Event zehrt Nagold heute noch. Die Liste der Attraktionen, die Nagold aus dem Landesgertenschaujahr 2012 herübergerettet hat, ist groß. Hier eine Auswahl an Events, Attraktionen und Orten, die es ohne die Gartenschau in Nagold gar nicht geben würde.
Krautbühlpark
Zur Erinnerung: Vor der Landesgartenschau gab es diesen Park gar nicht. Stattdessen schloss sich an die einfache Wiese neben dem keltischen Grabhügel „Krautbühl“ Nagolds beliebtester Parkplatz an – der Uferparkplatz. Den vermisst heute niemand mehr.
Dafür ist es aber auch zu schön im Krautbühlpark, mit seinen Themengärten, den Kunstobjekten auf der Wiese, den zum Teil begehbaren Uferbereichen am Zufluss von Waldach und Nagold, dem breiten Fußweg entlang der Nagold und den vielen Sitzgelegenheiten. Dank der Landesgartenschau ist der Krautbühlpark eine fast schon natürlich wirkende Fortsetzung des großen Nagolder Stadtparks Kleb.
Wachsende Kirche
Ein Highlight im 2012 entstandenen Krautbühlpark ist die Wachsende Kirche. Dieses runde aus Linden gewachsene grüne Gotteshaus hat einfach Stil und strahlt ganz viel Ruhe und Harmonie aus.
Die Wachende Kirche steht für die Ökumene in Nagold. Denn nicht nur zur Landesgartenschau zeigten hier die Kirchen Präsenz. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nagold bietet den Sommer über noch immer verschiedene Formate,Talks, Konzerte und natürlich Gottesdienste an – allem voran die Andachtsreihe „Atempause“. Die Wachsende Kirche steht in Nagold somit auch für die gewachsene Ökumene – aus der zum Beispiel auch die Nagolder Vesperkirche hervorging.
Bürgertheater
Es begann mit „Hofacker.Hofacker“ – einem von Bürgern gespielten Stationentheater, das zur Landesgartenschau 2012 mit viel Aufwand auf die Beine gestellt wurde. Mit Unterstützung der Stadt Nagold ging das Projekt Bürgertheater weiter. Es folgten Inszenierungen zu anfangs mehr und mittlerweile eher weniger historisch verbürgten Nagolder Stoffen.
Dabei ging es schon um Nagolder Köpfe wie Zeller oder Königin Hildegard, es ging um die Nagolder Nachkriegszeit, ein Kelten-Epos gab es auch schon zu sehen. Aktuell läuft noch bis 11. August die sechste Inszenierung: „Des Teufels Hirnschale“.
Kleb-Bähnle
Es dreht wieder seine Runden. Nach Zwangs-Pause im Jahr 2023 fährt das Nagolder Kleb-Bähnle wieder. Verlegt wurden die Mini-Schienen für die Miniaturbahn einst zur Landesgartenschau. Und 2012 war das Bähnle auch eine der Attraktionen für Kinder und Familien. Danach blieb das Angebot viele Jahre erhalten, bis sich der Betreiber-Verein zurückzog. 2023 gab es keinen Bahn-Betrieb.
In Nagold ist man froh, die Fahrten seit diesen Sommer wieder anbieten zu können. Samstag und Sonntag dreht das Kleb-Bähnle seine Runden. Und der Zuspruch ist groß. Kein Wunder, dass man nun mit dem neuen Betreiber aus Ludwigsburg auch Erweiterungen andenkt – sowohl bei den Betriebszeiten als auch bei den Schienen.
Renaturierte Waldach
Die Waldach hat immens von der Landesgartenschau profitiert. Das kleine Flüsschen führte vor 2012 ein tristes Dasein – großteils verlief der Bach in einem grauen hässlichen Betonbett. Das änderte sich, als das gesamte Gebiet „Riedbrunnen“ zum künftigen Landesgartenschau-Areal auserkoren wurde.
Mitten durch das Ausstellungsgelände für die Landesgartenschau, zog sich als heimlicher Star die renaturierte Waldach – mit breiterem Flussbett, zum Teil begeh- und erlebbar, und üppig naturnah bepflanzt. Nach der Landesgartenschau richtete sich das gesamte neu geplante Wohngebiet an der renaturierten Waldach aus. Der Fußweg entlang des Flüsschens ist höchst attraktiv – und führt direkt in die Stadt in Richtung Kleb.
Neubaugebiet Riedbrunnen
Das Gebiet im Schatten des Viadukts veränderte schon oft sein Gesicht. Besonders stark aber nach der Landesgartenschau 2012. Davor war das Gelände unter anderem durch Kleingärten und Gewerbebrache geprägt – auch Nagolds Alter städtischer Bauhof war dort über viele Jahrzehnte zuhause. Während der LGS im Jahr 2012 waren dort das große Veranstaltungsareal sowie die temporären Ausstellungsflächen untergebracht.
Nach der Landesgartenschau ist der Riedbrunnen recht zügig komplett neu strukturiert und auch mit vielen Neubauten bestückt worden. Dennoch ist er kein reines Wohngebiet, es gibt auch Verkaufsflächen, Dienstleister, ein Gesundheitszentrum, Handwerk, eine Kirche, einen kleinen Park mit Kinderspielplatz sowie öffentliche Einrichtungen wie Kitas und die Jugendkunstschule. Ein besonderer Mix, der erst durch die Neuordnung des Geländes nach der Landesgartenschau gelang.
Blumenswing
Öffentliches Grün und Pflanztröge haben viele Städte – einen Blumenswing nicht. Durch die ganze Marktstraße zieht sich der Swing aus Hochbeeten in Nagold – und erinnert mit seiner üppigen Bepflanzung an eine überdimensionierte riesige Balkonkasten-Reihe.
Zweimal im Jahr wird der Swing bepflanzt – dieses Frühjahr zum Beispiel mit fast 5000 Frühlingsblühern, und dann mit dem prächtigen Sommerswing. Was zur Landesgartenschau als temporäres Projekt begann, will heute niemand mehr missen. Und der Blumenswing lockt mit seinem Blütenmeer nicht nur Bienen sondern auch menschliche Besucher in die Stadt. Tagestouristen wissen das Fotomotiv sehr zu schätzen.
Das Longwy
Ein Restaurant, das nach der Partnerstadt Nagolds benannt ist – auch das hat Nagold der Landesgartenschau zu verdanken. Zur Versorgung der Gartenschaubesucher entstand unter anderem das heute so beliebte „Longwy“ direkt am Nagold-Ufer. Dort ist auch der Bootsverleih angesiedelt. Und die Gaststätte ist im Sommer mit ihrer Lounge über dem Fluss und dem Biergarten unter alten Bäumen äußerst beliebt.
Betrieben wird das „Longwy“ von erfahrenen Nagolder Gastronomen, das Gebäude selbst gehört der Stadt. In den Jahren seit der LGS wurde das Gebäude mehrmals umgebaut. Und einen anderen Namen bekam es auch: Ursprünglich hieß das „Longwy“ nämlich „Dock“.
Forstkugel
Vielleicht hat sie ja das Zeug zum Nagolder Wahrzeichen. Jedenfalls erinnert das kreative Landesgartenschau-Bauwerk vom ForstBW am Viadukt wie kein zweites Bauwerk an das große Event in Nagold. Doch zur Wahrheit gehört auch: Nagold tut sich schwer mit einer sinnvollen Nutzung des kugelrunden Bauwerks.
Also wird es vor allem temporär genutzt: für Ausstellungen, Konzerte, Veranstaltungen – und in diesem Jahr sogar als Spielort des Bürgertheaters. Dabei haben auch die Sitzstufen und der Arena-Charakter rund um die Fortskugel durchaus Charme. Nachts ist die Fortskugel zeitweise mit bunten LEDs beleuchtet.
Boule-Bahn
Zur Landesgartenschau hat Nagold auch ein Boule-Feld eingerichtet – in den Themengärten im Krautbühlpark. Der Boule-Sport boomt in Nagold, seit Jahren. Das Spiel ist beliebt und so entstand nicht nur eine stetig wachsende Gruppe an Boule-Freunden, die sich aus der Urschelstiftung heraus gebildet hat – auch weitere Spielflächen gibt es.
Zuerst wurde eine Fläche am Minigolfplatz bespielbar gestaltet. In diesem Jahr nun weihte die Stadt ein weiteres Boulefeld in direkter Nähe ein. Direkt am Badepark, wo davor der Schlossberg-Beach verortet war, haben ab diesen Sommer nun die Boulesportler das Sagen. Ein gemütlicher, geselliger Sport -gerade auch für ältere Nagolder – der sich ohne die Landesgartenschau nie so entwickelt hätte.