Claus Kleber hört auf. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Jan Hofer und Linda Zervakis hörten bei der „Tagesschau“ auf, Pinar Atalay wechselt von den „Tagesthemen“ zu den Privaten. RTL will allen Ernstes von August an mit einem täglichen Nachrichtenmagazin den „Tagesthemen“ und dem „Heute-Journal“ Konkurrenz machen – und jetzt hört auch noch ZDF-Anchorman Claus Kleber auf.

Mainz - Claus Kleber nimmt Abschied vom „Heute-Journal“. Wie das ZDF am Dienstag bestätigte, wird Ende des Jahres der dann 66-jährige Journalist und Moderator zum letzten Mal um Punkt viertel vor zehn den Zuschauern seinen schlichten Anfangsgruß „Guten Abend“ schenken – und danach eine halbe Stunde lang den Überblick, was am zu Ende gehenden Tag wirklich wichtig war und wie wir all die Ereignisse aus dieser seltsamen Welt zu deuten haben.

 

Denn das ist ja Klebers Spezialität, die durchaus nicht bei jedem Gefallen findet: Öfter als seine Konkurrenten gibt er dem Zuschauer in seinen Moderationen gern einen deutlichen Wink, was dieser von den Problemen der Zeit zu halten hat. Er zeigt stärker als andere Moderatoren persönliche Haltung. Aber er ist selbstkritisch genug, dabei auch Fehler einzuräumen – beispielsweise auf dem Höhepunkt der Einwanderung von Flüchtlingen Anfang 2016, als er in einem Nebensatz all jene, die Zweifel am Sinn der Politik der Bundesregierung hegten, in toto in die Nähe von Rechtsradikalen rückte. „Ein Fauxpas“, gestand er ein.

Sein Abschiedsgruß wird uns auch fehlen

Kleber hat eben Format: Der gebürtige Reutlinger ist seit rund 40 Jahren Journalist, hat seine Karriere übrigens beim Südwestfunk begonnen, hat seitdem die Welt gesehen, moderiert seit 2003 das „Heute-Journal“ – und erfüllt hier geradezu instinktiv jene Kriterien, die man von einem „Anchorman“, wie das beim Fernsehen so heißt, erwartet: einen Menschen, der den Zuschauer sicher durch die Sendung leitet.

Klebers Abschied ist gerade in der TV-Nachrichtenszene nur einer unter vielen: Jan Hofer und Linda Zervakis hörten bei der „Tagesschau“ auf, Pinar Atalay wechselt von den „Tagesthemen“ zu den Privaten. RTL will allen Ernstes von August an mit einem täglichen Nachrichtenmagazin den „Tagesthemen“ und dem „Heute-Journal“ Konkurrenz machen. Die Fernsehlandschaft ist mächtig in Bewegung. Um uns zu erklären, was da gerade los ist, bräuchten wir eigentlich dringend einen Claus Kleber. Ja, auch das wird uns fehlen – sein traditioneller Abschiedsgruß um 22.14 Uhr: „Bis morgen!“