Der beste Schutz vor hohen Kosten im Dentalbereich sind nach wie vor regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die tägliche Mundhygiene. Foto: dpa

Nach einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte ist die Mundgesundheit der Deutschen so gut wie nie zuvor. Gleichzeitig boomen zusätzliche Zahnversicherungen. Sind solche Policen tatsächlich notwendig?

Stuttgart - Brücken, Kronen, Prothesen und Implantate: Qualitativ hochwertiger Zahnersatz ist teuer. Bei einem Implantat müssen die Patienten beispielsweise mit mindestens 1000 Euro rechnen – meist liegt der Preis noch weit darüber. Dabei braucht heutzutage jeder zweite Deutsche einen Zahnersatz, wie eine kürzlich erschienene Umfrage des Verbands der Privaten Krankenversicherungen (PKV) ergeben hat.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass immer mehr Deutsche eine zusätzliche private Zahnversicherung abschließen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Policen nach einer Erhebung des PKV fast verdoppelt: Während 2005 in Deutschland 7,79 Millionen dieser Verträge existierten, waren es zehn Jahre später knapp 15 Millionen. Statistisch gesehen verfügt nun jeder achte Deutsche über eine Zahnzusatzversicherung.

Zugleich ist die Mundgesundheit der Deutschen so gut wie nie, so das Ergebnis der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie. Die Untersuchung wurde am Dienstag vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) vorgestellt.

Pflegebedürftige ältere Menschen haben häufiger Karies

Eine positive Entwicklung zeichnet sich vor allem im Bereich der Karies- und Parodontitiserkrankungen ab – den zahnmedizinischen Hauptkrankheiten. Waren 1997 nur 41,8 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei, sind es inzwischen 81 Prozent. „Das ist ein großer Erfolg, der zweifelsohne auch auf die flächendeckende Gruppen- und Individualprophylaxe zurückzuführen ist“, sagt Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV. Allerdings erreiche die Prävention noch nicht alle Bevölkerungsgruppen in derselben Weise: „Menschen mit Pflegebedarf und Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen profitieren nicht im gleichen Maße davon wie die Breite der Bevölkerung“, sagt Peter Engel, Präsident der BZÄK.

Pflegebedürftige ältere Menschen etwa haben häufiger Karies und weniger eigene Zähne als die Altersgruppe insgesamt. Auch soziale Unterschiede treten in der Mundgesundheitsstudie zu Tage: So sind bei den jüngeren Senioren zwischen 65 und 74 Jahren 16 Prozent mit niedrigem Sozialstatus zahnlos, während es bei denen mit hohem Sozialstatus nicht einmal vier Prozent sind.

Der Tarif steigt meist mit den Jahren

Der Abschluss einer Zusatzversicherung bringt ihnen dennoch keinen Vorteil: Die Policen nutzen zwar vor allem denjenigen Patienten, bei denen in Zukunft größere Eingriffe zu erwarten sind, sagt Annette Siebert-Steeb, Zahnärztin in Stuttgart-Süd. Dabei müsse man jedoch berücksichtigen, dass die Zahnzusatzversicherung die Kosten für beim Abschluss vorhandene Schäden meist nicht übernehme, dass sich die Zahnsituation später noch ändern kann – und dass der Tarif der Versicherung häufig mit dem Alter des Kunden zusammenhänge: Dieser steigt meist mit den Jahren.

Ob sich eine Versicherung im Alter noch lohnt, hängt daher auch von der individuellen finanziellen Situation ab. Versicherte mit einem geringen Einkommen können sich aber von ihrer Krankenkasse beraten lassen. Sie übernimmt in Härtefällen die Kosten für die Regelversorgung komplett oder beteiligt sich mit einem größeren Anteil.

Wer diszipliniert spart, braucht keine Versicherung

Wer aber braucht dann aber eine Zahnzusatzversicherung? Das könne man nicht pauschal beantworten, sagt Siebert-Steeb. Ihrer Ansicht nach hängt das vor allem vom individuellen Sicherheitsempfinden ab. „Viele Patienten erwarten, dass wir Zahnärzte hellsehen können“, sagt Siebert-Steeb. „Ob sich die Versicherung betriebswirtschaftlich über die Jahre rechnet, kann aber keiner sagen.“ Zudem könne man die Kosten etwa für eine Krone oder Brücke auch zur Seite legen: Wer monatlich etwa 20 bis 50 Euro spare, brauche nicht in die Versicherung zu gehen.

Auch in der Praxis von Dietmar Oesterreich, dem Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, erkundigen sich zahlreiche Patienten nach den Policen – insbesondere, seit 2005 das Festzuschusssystem in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eingeführt wurde. Mit dem System wurde die Regel- und Standardversorgung im Zahnbereich neu definiert, zudem wurden feste Zuschüsse für Zahnbehandlungen eingeführt. Bei Zahnersatz außerhalb der Regelversorgung, bei höherwertigen oder aufwendigen Zahnersatzversorgungen müssen die Patienten nun höhere Zuzahlungen leisten.

Patienten, die sich für eine Police entscheiden, sollten sich zunächst Gedanken darüber machen, was sie von ihr erwarten, rät Oesterreich: „Wer nur den Eigenanteil bei Regelversorgungen reduzieren möchte, kann mit geringeren Kosten rechnen als jemand, der höherwertigen Zahnersatz, kieferorthopädische Maßnahmen oder Implantate versichern möchte.“ Als nächsten Schritt empfiehlt er, bei unabhängigen Verbraucherberatungen wie der Stiftung Warentest Angebote zu vergleichen. Unabhängige Versicherungsmakler könnten ebenfalls helfen herauszufinden, welches Angebot das beste für die individuelle Situation sei.

Prüfen müsse man vor allem, ab wann der Versicherungsschutz greife, welche Bereiche er abdecke und ob sich der Zuschuss auf die Gesamtkosten beziehe oder nur auf den Eigenanteil. Den besten Schutz vor hohen Kosten im Dentalbereich bieten Oesterreich zufolge aber nach wie vor regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie die tägliche gründliche Mundhygiene.

Hintergrund: Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie

Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie ist ein Projekt des Instituts der Deutschen Zahnärzte, finanziert wird es von der Bundeszahnärztekammer sowie der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

Für die Studie wurden von Oktober 2013 bis Juni 2014 zahnmedizinische Untersuchungen sowie ausführliche Befragungen an 4600 zufällig ausgewählte Personen in 90 Untersuchungsgemeinden (über ganz Deutschland verteilt) durchgeführt.

Die anonymisierten Daten wurden wissenschaftlich durch das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) aufbereitet, die Ergebnisse als Forschungsbericht veröffentlicht. Dieser soll helfen, den Mundgesundheitszustand in Deutschland zu dokumentieren sowie Verbesserungen in der Prävention und in der Behandlung zu finden.

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