Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg fühlen sich allein– laut einer neuen Studie mehr als 30 Prozent. In Lahr gibt es einige Angebote gegen Einsamkeit – ein Überblick.
Fast jeder Dritte Baden-Württemberger fühlt sich einsam. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Bertelsmann-Stiftung. 30,1 Prozent der Befragten gaben an, sich „moderat einsam“ zu fühlen, mehr als acht Prozent sagten, sie seien „stark einsam“. In Angeboten und Aktionen aus verschiedenen Trägerschaften wird versucht, der Einsamkeit ein Stück weit entgegen zu wirken – so auch in Lahr.
Die Stadtverwaltung schätzt das Risiko zur Vereinsamung grundsätzlich nicht allzu hoch ein. Auf Anfrage erklärt sie: „Wer aktiv auf andere zugeht und Kontakt sucht, wird in der Regel in der Nachbarschaft, bei Vereinen, Kirchen und weiteren sozialen Einrichtungen Kontakte und Begegnungen finden.“ Wenn die Mobilität im Alter allerdings abnimmt, steige die Gefahr, Einsamkeit zu erfahren, so die Stadt.
Zu ihren Angeboten gehört daher zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus. Es besteht aus zwei Standorten – dem Begegnungshaus am Urteilsplatz und dem Bürgerzentrum Treffpunkt Stadtmühle. Sprachkurse, das Sprachcafé und Sozialberatungen sind der Schwerpunkt des Begegnungshauses, während in der Stadtmühle vor allem generationsübergreifende Projekte angeboten werden. Dazu gehören Spieletreffs, Musik- und Tanzgruppen, Begegnungs- und Entspannungsangebote, PC-Kurse, Gedächtnistraining, Ausstellungen und Feste.
Die meisten Angebote werden gut besucht
Hin und wieder gebe es auch besondere Veranstaltungen, so die Stadt. So zum Beispiel eine Weihnachtsfeier an Heiligabend für Alleinstehende, die gern in Gemeinschaft feiern möchten. In der Regel seien die Angebote gut besucht und werden in Lahr gern angenommen. Die Stadt räumt allerdings ein, dass es auch Projekte gibt, die eine intensivere Bewerbung brauchen, um erfolgreich zu sein. Auch eine engere Betreuung durch haupt-, vor allem aber durch ehrenamtliche Mitarbeiter sei je nach Angebot nötig. „Eine tragende Säule für ein erfolgreiches Gelingen ist das ehrenamtliche Engagement“, so die Stadt. In den beiden Standorten des Mehrgenerationenhauses seien insgesamt 150 Freiwillige tätig. In Lahr sei außerdem ein neues Projekt in der Gründungsphase – eine Selbsthilfegruppe gegen Einsamkeit, die sich einmal pro Woche in den Räumlichkeiten der Stadtmühle treffen wird.
Neben den städtischen Angeboten gibt es in Lahr auch Projekte in kirchlicher Trägerschaft – etwa vom Caritasverband Lahr. Dieser sieht die Ursachen für Einsamkeit vielfältig. Zunehmende Individualisierung, eingeschränkte Mobilität und digitale Barrieren sind einige der Gründe, die der Verband auf Anfrage unserer Redaktion nennt.
Verunsicherung ist während Corona gewachsen
Außerdem habe die Corona-Pandemie dazu beigetragen, die Situation zu verschärfen. Lilli Wenzel-Teuber engagiert sich ehrenamtlich bei der Caritas und erinnert sich: „Wir haben damals erlebt, wie das Gefühl von Isolation und Verunsicherung in der Gesellschaft gewachsen ist. Menschen, die vorher schon wenig soziale Kontakte hatten, waren besonders davon betroffen“. Neben den Herausforderungen habe der Verband aber auch erlebt, wie an anderer Stelle nachbarschaftliches und ehrenamtliches Engagement stieg. „Die Pandemie hat uns gelehrt, wie entscheidend solidarisches Handeln und Gemeinschaftssinn sind. Diese Erfahrungen prägen auch heute noch unsere Arbeit“, so Wenzel-Teuber.
Von Seiten der Caritas gibt es verschiedene Begegnungsformate, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Ein „Friendship-Walk“ bietet die Möglichkeit für Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, neue Kontakte zu knüpfen. Zwei oder dreimal im Jahr gibt es eine generationsübergreifende Einkochaktion.
Immer wieder entstehen neue Angebote
Unter dem Titel „Gemeinsam packen wir an“ entstehen auch immer wieder neue Angebote bei der Caritas. Im Café am Rosenweg ist beispielsweise ein Begegnungscafé mit Spielenachmittagen eingerichtet. Der „Quatsch-Pott“ findet ebenfalls dort statt und soll Menschen, die sich noch nicht kennen, ins Gespräch bringen.
Damit einem der Redestoff nicht allzu schnell ausgeht, steht ein Glas bereit, aus dem die Besucher Fragen ziehen können. „Wann hast du echt Glück gehabt?“, „welchen Vornamen würdest du dir geben, wenn du ihn dir aussuchen darfst“, oder „welche Hausarbeit findest du am unangenehmsten?“, sind nur einige der Gesprächsanreger.
Ein ähnliches Angebot gibt es in Lahr auch in evangelischer Trägerschaft – im Café Löffel wird Menschen, die sonst wenig soziale Kontakte haben, die Möglichkeit gegeben sich zu treffen und Gemeinschaft zu erleben. „Die Zielgruppe sind Menschen in besonderen Lebenslagen und gleichzeitig ist jeder willkommen“, erzählt Ulrike Haeusler von der Diakonie. Es gebe aber keine expliziten Maßnahmen mit dem Ziel, Einsamkeit zu verringern.
Mehr zu den Angeboten
Wer sich über Aktionen gegen Einsamkeit informieren möchte, kann sich auf der Webseite der Stadt den Flyer zum Mehrgenerationenhaus anschauen. Der Caritasverband ist erreichbar unter Telefon 07821/9 06 60 oder per Mail an info@caritaslahr.de, die Diakonie unter 07821/92 37 630 oder per Mail an lahr@diakonie-ortenau.de.