Die Region steht am Anfang einer Grippewelle: Seit dem Jahreswechsel steigt die Zahl der Ortenauer mit Influenza-Infektion an. Foto: Dulian

Die Hochphase der Influenza in Deutschland hat ihren Anfang genommen. Das Robert-Koch-Institut datiert deren Beginn bereits auf Ende Dezember. Auch im Kreis steigen die Zahlen seit dem Jahreswechsel jede Woche deutlich an.

Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen, häufig trockener Reizhusten – die Symptome der echten Grippe setzen meist unvermittelt ein. Die Virus-Infektion kann die Erkrankten dabei ganz schön beuteln.

 

Nun scheint es, als stünde der Südwesten am Beginn der diesjährigen Grippewelle. Die Zahl der an das Landesgesundheitsamt übermittelten Influenza-Fälle ist seit Jahresbeginn deutlich angestiegen, bestätigte das Gesundheitsministerium in Stuttgart.

Für die ersten zwei Wochen des neuen Jahres habe die Behörde 1592 Influenza-Fälle registriert.

54 Influenza-Fälle in ersten beiden Januar-Wochen

In der Ortenau wurden laut Daten des Landesgesundheitsamts im gleichen Zeitraum 54 Influenza-Fälle registriert – etwa die Hälfte davon in der zweiten Januar-Woche. Zunächst hatte es rund um den Jahreswechsel noch nicht nach einer Grippewelle ausgesehen, berichtet Kreissprecher Florian Würth auf Anfrage unserer Redaktion. Seit der zweiten Woche lasse sich jedoch eine „eine Tendenz nach oben“ ausmachen.

Inzwischen hat das Gesundheitsamt 93 Meldungen für 2025 (im Vergleich dazu 98 Fälle im selben Zeitraum 2024), in der vergangenen Woche – der dritten Januar-Woche – kamen 47 Fälle neu dazu. „Wahrscheinlich sind wir am Anfang einer Welle“, so Würth.

Grundsätzlich gilt es zu bedenken: Nicht jeder Erkrankte geht zum Arzt. So bleiben bleiben Grippe-Infektionen wohl häufig unregistriert, was zu einer mutmaßlich hohen Dunkel-Ziffer führt.

Laut Statistik ist die Grippe jedenfalls derzeit die bestimmende Atemwegserkrankung in der Ortenau. Covid-Infektionen führt das Landesgesundheitsamt in den ersten zwei Januar-Wochen nur zwölf auf, Pneumokokken-Infektionen acht, Keuchhusten-Fälle sieben und – besonders für ganz junge Kinder gefährliche – Infektionen mit RS-Viren vier.

Impfung macht laut Expertin auch jetzt noch Sinn

Der Kreis hatte bereits im Herbst dazu aufgerufen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt dies allen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Trimester, Personen mit Grunderkrankungen, Bewohnern von Heimen sowie allen, die durch ihren Beruf ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.

„Sollte die Impfung in den Monaten Oktober bis Dezember versäumt worden sein, kann es auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen“, rät Gesundheitsamtsleiterin Evelyn Bressau. Es dauere ungefähr zehn bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz aufgebaut habe.

„Zudem ist nie genau vorherzusagen, wie lange eine Influenzawelle andauert. In der Saison 2022/23 kam es beispielsweise im März zu einer zweiten Grippewelle durch eine andere Virusvariante“, so die Expertin.

Die Impfung erfolgt als „Einmalimpfung“ und sei im Allgemeinen gut verträglich. Um eine möglichst hohe Wirksamkeit zu gewährleisten, wird die Zusammensetzung des Impfstoffs jährlich an die aktuell zirkulierenden Influenzastämme angepasst. Eine jährliche Auffrischung wird empfohlen.

Gesundheitsamt empfiehlt häufiges Händewaschen

Unabhängig von der Impfung kann man sich aber auch mit einigen Verhaltensregeln vor einer Infektion zu schützen versuchen. Denn die Influenzaviren werden meist über Tröpfchen übertragen, die beim Husten oder Niesen freigesetzt werden, informiert das Gesundheitsamt. Sie können auf Türklinken, Tastaturen oder Haltegriffen im Bus landen und über die Hände leicht in den Mund oder an die Nase gelangen.

„Häufiges Händewaschen mit normaler Seife, möglichst selten ins eigene Gesicht fassen und Abstand zu erkrankten Menschen halten, die husten oder niesen, verringert das Ansteckungsrisiko. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf stärkt zudem das Immunsystem“, erläutert Michael Müller, Mediziner im Ortenauer Gesundheitsamt.

Erkältung oder Grippe?

„Halsschmerzen, eine laufende oder verstopfte Nase, Husten und Niesen sind typische Symptome einer lästigen, aber meist harmlosen Erkältung“, erklärte Evelyn Bressau, Leiterin des Ortenauer Gesundheitsamtes, bereits im Herbst. „Bei einer stärkeren Erkältung können leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzukommen. Diese viralen Erkältungen, die in der Regel nach wenigen Tagen abklingen, werden als grippale Infekte bezeichnet.“ Eine echte Grippe, auch Influenza genannt, verursache hingegen meist deutlich stärkere und schnell einsetzende Symptome, die den gesamten Körper betreffen. Die meisten akuten Beschwerden wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen lassen zwar innerhalb einer Woche nach, doch der Verlauf der Grippe könne insgesamt länger sein.