Hanna Böhme war elf Jahre in Asien tätig. Eine Erfahrung, die sie nun auch in den Wirtschaftsverband einbringen will. Foto: WVIB

„Wir müssen immer wieder neu überzeugen“, sagt Hanna Böhme, die neue Hauptgeschäftsführerin des in Freiburg ansässigen Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB).

Hanna Böhme ist seit Januar als neue Hauptgeschäftsführerin des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB) tätig. In der Hauptgeschäftsstelle in Freiburg sind rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Der Verband selbst hat rund 1000 Mitgliedsunternehmen. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht Böhme über ihre Herausforderungen und die Arbeit mit den zahlreichen Mitgliedern des Verbands.

 

Wie ist ihr erster Eindruck?

Super. Ich bin gut angekommen und fühle mich sehr wohl. Es sind unglaublich interessante, volle Tage, die ich jetzt erleben durfte. Zum einen darf ich intern hier Kolleginnen und Kollegen erst mal kennen lernen und verstehen, was die einzelnen Personen alles machen. Und dann geht es darum, die Mitglieder kennen zu kernen. Wir haben Mitgliedsunternehmen in ganz Baden-Württemberg. Ich habe deshalb schon viele Kilometer hinter mich gebracht – auch in Orte, wo ich tatsächlich noch mal auf die Karte gucken musste.

Für die Landesbank BW in Asien tätig

Haben Sie schon vor ihre Zeit als Geschäftsführerin Kontakt zum WVIB gehabt?

Ja, tatsächlich habe ich meinen ersten Kontakt zum WVIB vor ungefähr 15 Jahren gehabt. Damals war ich für die Landesbank Baden-Württemberg in Peking tätig. Und der WVIB organisiert ja immer wieder mit Mitgliedern Auslandsreisen. Wir waren jetzt zum Beispiel Ende März in Malaysia und Singapur. Und damals war eine Delegation in Peking. Über die Jahre bin ich immer wieder mit den einzelne Mitgliedern in Kontakt gekommen, da die Mitglieder des WVIB und die Kunden der LBBW manchmal deckungsgleich waren. Ich habe sie entweder als Bankkunden mitbetreuen dürfen oder als Mieter in den German Centern. Also ist es ein bisschen wie Heimkommen.

Ist das auch der Punkt, an dem Sie beruflich anknüpfen möchten?

Ich bin erst zwei Monate hier. Da ist es immer auch gefährlich zu viel rein zu interpretieren, aber grundsätzlich ist es schon so, dass diese 15 Jahre, die ich bei der Landesbank Baden-Württemberg sein durfte, davon elf Jahre in Asien, komplementiert durch die acht Jahre bei einer kommunalen Wirtschaftsförderung, der FWTM, sich jetzt die verschiedenen Welten zusammenfügen. Und ich kann jetzt auf beiden beruflichen Erfahrungen aufbauen.

Entwicklung der Mitglieder steht im Fokus

War das auch der Anreiz für Sie, dass Sie aus ihrer „Freiburg-Blase“ herauskommen?

Ich war in der tiefen Überzeugung gewesen, dass es für mich persönlich kein Lebenskonzept war, ‚Ich fang einmal bei einer kommunalen Gesellschaft an und bleibe dort, bis zur Rente‘. Ich habe das immer gesagt und auch kommuniziert. Aber es ist eine ganz andere Welt. Also auf der einen Seite eine kommunale Einbindung, wo ich sehr dankbar bin, dass ich die erleben durfte. Hier haben wir eine andere Welt. Der WVIB ist ein freiwilliges Netzwerk von mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen. Und Freiwilligkeit hat eben den Aspekt, dass man immer wieder kontinuierlich überzeugen muss, dass das wirklich ein Mehrwert für denjenigen bietet, der sich jedes Jahr überlegen muss, verlängere ich diese Mitgliedschaft oder nicht.

Und wie kann der WVIB seine Mitglieder überzeugen?

Die Mission vom WVIB ist es Menschen in der Industrie wirksamer zu machen. Also wirklich menschenzentriert. Das spüre ich auch in diesen ersten Wochen, dass das dem Team um Christoph Münzer gut gelungen ist. Ich habe jetzt mehrfach hören dürfen, ,Ich würde persönlich -, aber auch meine Firma - nicht dastehen, ohne das, was ich über den WVIB an Impulsen bekommen habe‘.

Hilfe für Entscheidungsfindungen

Wie stellen Sie sicher, dass sich die Mitglieder weiterentwickeln können?

Ein Kern ist ein vielfältiger Erfahrungsaustausch, der so genannte Chef-Erfahrungsaustausch. Dort treffen sich 800 Geschäftsführende und Verantwortungsträger von unserem Mitgliedsunternehmen zweimal im Jahr in einem festen Kreis und reden sehr offen und auf Augenhöhe miteinander. Wir wollen, dass diejenigen, die Entscheidungen treffen müssen, idealerweise bessere Entscheidungen treffen, weil sie aus dem Netzwerk des WVIB lernen konnten.

Wie profitieren die Unternehmen im Netzwerk?

Die Vielfalt der Unternehmen ist eine Stärke unseres Verbands. Bei den Besuchen vor Ort wird mir immer wieder berichtet, dass der Input ,out of the box‘ also von Unternehmen aus einer anderen Branche sehr wichtig ist. Außerdem haben wir die hauseigene Akademie, wo wir Seminare anbieten. Und wir haben komplementierend noch eine Rechtsberatung, die unsere Mitglieder unterstützt - sehr niederschwellig und schnell.

Erst Mitglieder binden, dann neue finden

Was würden Sie einem Unternehmer sagen, der überlegt, Mitglied zu werden?

In den Gesprächen, die ich aktuell führe, geht es zumeist darum, zu erfahren, warum die Unternehmen bereits Mitglied bei uns sind. Das ist auch mein Ansatz. Neben dem Finden neuer Mitglieder, ist es sehr wichtig, die Mitglieder zu binden.

Über ihre Herausforderung haben wir bereits gesprochen. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei den Unternehmen?

Die Herausforderung hängen von der Branche ab. Die sind in der Automobilbranche anders als in der Medizintechnik. Aber alle Unternehmen sind müssen sich immer wieder anpassen und innovativ sein. Ich bin davon überzeugt, dass es den großen Teil unserer Mitgliedsunternehmen auch in vielen Jahren noch geben wird. Im Zweifel mit ganz anderen Produkten und Dienstleistungen als heute.

Was bedeutet das für den WVIB?

Wenn wir den Anspruch haben, Menschen in der Industrie wirksamer zu machen, müssen wir uns immer überlegen, was brauchen diese Menschen, die so unterschiedlich sind. Da müssen wir die richtigen Themen besetzen. Unser Verband lebt vom Mitmachen. Davon, dass die Menschen in ihrer persönlichen Priorisierung der Zeit immer wieder sagen, das ist es mir wert. Ich glaube das haben wir in den vergangenen 80 Jahren sehr gut hinbekommen und ich bin überzeugt, dass wir das auch in Zukunft sehr gut hinbekommen werden.

Zur Person

Hanna Böhme
wurde 1976 in Freiburg geboren. Ihr Abitur machte sie 1995 auf dem United World College in Hongkong. Es folgte ein Studium der Volkswirtschaftslehre und Sinologie an der Philipps Universität Marburg sowie ein Master in Economics in London. Von 2001 bis 2016 war sie in verschiedenen Positionen für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart, Peking und Singapur tätig. Von 2018 bis 2025 war sie Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM). Seit Januar ist sie Hauptgeschäftsführerin des WVIB in Freiburg.