Die Wutachschlucht lockt jährlich tausende Touristen an. Foto: IMAGO/Peter Schickert

Wegen einer Straßensperrung ist die Wutachschlucht bei Löffingen aktuell weniger gut erreichbar. Verantwortliche empfehlen deshalb eine verkürzte Wanderroute. Unter dieser Empfehlung leidet der Gasthof Schattenmühle - es kommen weniger Gäste. Der Wirt ist aufgebracht.

Kleine Wanderpfade, hohe Felsformationen, tosende Wasserfälle: Die Wutachschlucht wird auch als „Grand Canyon des Schwarzwaldes“ bezeichnet und lockt jährlich tausende Touristen an.

 

Bewirtet werden viele dieser Touristen bei Michael Frei im Gasthaus Schattenmühle in Löffingen. Die „Schattenmühle“ liegt direkt an der Wutach und am Start- oder Endpunkt einer 12,5 Kilometer langen Wanderung. Diese Tour wird unter den Wutachschlucht-Wanderungen als „Der Klassiker“ bezeichnet.

In diesem Jahr wird der „Klassiker“ von Verantwortlichen allerdings nur bedingt empfohlen. Der Grund ist eine längerfristige Sperrung der Landstraße 170 nach einem Hangrutsch. Wegen ihr kann die „Schattenmühle“ seit Anfang Februar nur von einer Seite aus - von Löffingen - angefahren werden. Ein beliebter Wanderbus fährt deshalb aktuell nicht.

Wirt klagt über Umsatzeinbußen

Aufgrund der Straßensperrung rät das Landratsamt Waldshut Touristen zu einer verkürzten Route des „Klassikers“, die nicht mehr an der „Schattenmühle“ startet oder endet. „Die verkürzte Route hat den Vorteil, dass dort eine ausreichende Infrastruktur (Toiletten, Parkplätze) vorhanden ist. Die verkürzte Strecke ist somit auch für Familien attraktiv“, erklärt eine Sprecherin des Landratsamtes.

Für „Schattenmühle“-Wirt Michael Frei hat die geänderte Wander-Empfehlung allerdings drastische Auswirkungen. „Ich habe ein Drittel Umsatz vom letzten Jahr“, berichtet er unserer Redaktion. Ihm fehlten die ganzen Tagestouristen und in der Folge habe er bereits sechs Mitarbeiter entlassen müssen. Für die Straßensperrung habe er Verständnis, so Frei. Die gehe schließlich nicht anders. Der Gasthof-Besitzer hätte sich aber eine Verlängerung statt einer Verkürzung der empfohlenen Route gewünscht. Sein Tipp: Wanderer könnten von der „Schattenmühle“ noch 30 „wunderschöne“ Minuten durch die Lotenbachklamm laufen und dort oben dann in den Bus steigen.

Die Lotenbachklamm ist ein 1,5 km langer Seitenarm der Wutachschlucht. Foto: dpa/Patrick Seeger

Frei sieht sich von den Verantwortlichen im Stich gelassen und in die Entscheidung zur neuen Wander-Empfehlung nicht eingebunden. Der Wirt der „Schattenmühle“ hat sogar einen Anwalt eingeschaltet und mit dessen Hilfe unter anderem das Landratsamt und die Stadt Löffingen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Sein Vorwurf: Die verkürzte Wander-Empfehlung ist geschäftsschädigend.

Für eine solche Kritik und Eskalation haben die Stadt Löffingen und das Landratsamt Waldshut wenig Verständnis. Der Wirt habe den Kontakt nach Gesprächen im April abgelehnt und stattdessen den Weg über den Anwalt gewählt, berichtet das Landratsamt. Beide Behörden stellen klar: Der Wanderrouten-“Klassiker“ ist nicht verboten und kann nach wie vor gewandert werden. „Da muss man sauber unterscheiden zwischen Verbot und Empfehlung“, heißt es. Man habe lediglich eine Empfehlung geändert.

Ansonsten tue man viel, um Touristen auch weiterhin zur „Schattenmühle“ zu führen, so die beiden Behörden. Die nächstgelegenen Bushaltestellen würden durch den Wutachschlucht-Wanderbus bedient. Von der Nordseite der Schlucht sei der Gasthof sowohl mit dem Wanderbus als mit dem Auto erreichbar - dies sei auf der Webseite der Wutachschlucht beschrieben. Die Touristinfo Löffingen habe eine zusätzliche Route aufgenommen, die bei der „Schattenmühle“ vorbeiführe. Außerdem fänden sich auf der Website der Stadt Löffingen zahlreiche Wanderrouten, die an dem Gasthaus vorbeiführen.

Freis Meinung zu einer verlängerten Wanderung teilt das Landratsamt indes nicht. „Der Zugang zur Schlucht durch den Lotenbachklamm ist nur sehr geübten Wanderern zu empfehlen“, heißt es.

Straßensperrung dauert weiter an

Und wie geht es weiter? Ein Ende der Sperrung der L 170 ist bislang nicht in Sicht. In der jüngsten Presseerklärung des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) zum Thema hieß es Ende Juli, dass der Hang weiter abrutscht. „Die starken Niederschläge der vergangenen Monate haben temporär sogar zu einer Beschleunigung der Bewegungen und zur Bildung neuer Risse in der bergseitigen Fahrbahn geführt“, wurde mitgeteilt.

Laut Regierungspräsidium soll dieses Jahr noch ein Sanierungskonzept der Straße vorgestellt werden. Im kommenden Jahr soll die Sanierung dann umgesetzt werden. Der genaue Zeitplan steht jedoch noch nicht fest, so das RP.