Im Kontaktcafé im Blumberger Doggererzstüble treffen sich Monat für Monat viele Gäste – Vorträge wie zur Wutachschlucht begeistern die Besucher besonders.
Das Kontaktcafé im Blumberger Doggererzstüble erfreut sich jeden Monat großer Beliebtheit. Interessante Vorträge wie zuletzt über die Wutachschlucht kommen bei den Senioren immer bestens an.
Nachdem die klassischen Seniorennachmittage der römisch-katholischen, altkatholischen und evangelischen Kirchengemeinden aufgrund rückläufiger Teilnehmerzahlen weggefallen waren, entschieden sich die Vertreter der drei christlichen Kirchen gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Sozialstation, Stefan Leichenauer, ein neues Format auszuprobieren.
So entstand vor gut drei Jahren das Kontaktcafé, bei dem jeweils am ersten Dienstag im Monat von 14 bis 17 Uhr ein offener Begegnungstreff für Menschen aller Altersklassen im Doggererzstüble stattfindet, der neben einem konkreten Programmpunkt immer auch ausreichend Raum für Gespräche und gemütliche Stunden bei Kaffee, Kuchen und Getränken bietet.
Die Initiatoren hatten mit dieser Idee genau ins Schwarze getroffen, denn die Veranstaltung stößt auch drei Jahre nach ihrer Einführung jeden Monat aufs Neue auf positive Resonanz, was die anhaltend hohen Besucherzahlen zeigen, die das Doggererzstüble manchmal fast aus allen Nähten platzen lassen.
Anfang April war Jürgen Mahler vom Geschichts- und Heimatverein Wurzelsucher im Kontaktcafé zu Gast und erfreute die 54 Teilnehmer mit einem Vortrag über die Wutachschlucht, die „eine der letzten ursprünglichen Wildflusslandschaften in Mitteleuropa und in ihrer Art einmalig auf dieser Welt ist“, so der Referent. Schon 1947 hat der bekannte Geologe Hans Cloos das Wutachgebiet in seinem populär gewordenen Buch „Gespräche mit der Erde“ als „geologisches Weltwunder“ bezeichnet. Die Schlucht gilt als einer der spektakulärsten Canyons Deutschlands. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über rund 33 Kilometer und bietet Wanderern eine beeindruckende Kulisse aus steilen Felswänden, rauschenden Wasserfällen und urwüchsigen Wäldern.
Einer der spektakulärsten Canyons Deutschlands
Jürgen Mahler erklärte zunächst die geologischen Ursachen für die Entstehung der Schlucht in ihrer heutigen Form. Das Besondere an der Entstehung ist die Umlenkung der Wutach. Vor etwa 12 000 Jahren floss das Wasser noch Richtung Donau.
Durch starke Erosion „fraß“ sich ein anderer Fluss von Süden her rückwärts an die Donau heran und leitete das Wasser zum Rhein um. Diese gewaltige Wasserkraft schuf die bis zu 170 Meter tiefe Schlucht in kürzester Zeit.
Blick auf jahrhundertealte Gesteinsschichten
Auf einer Länge von 15 Kilometern können darin die Gesteinsschichten beobachtet werden, die sich über einen Zeitraum von 165 Millionen Jahren abgelagert haben: vom Granit über den Buntsandstein und den Muschelkalk bis hin zum Keuper.
Durch tektonische Ursachen hat sich der Schwarzwald schon vor Millionen Jahren gehoben und die Gesteinsschichten in eine Neigung nach Osten gebracht. Im Laufe der letzten 20 000 Jahre hat sich die Wutach vor allem durch das Abschmelzen des Feldberggletschers immer tiefer eingegraben und die schräg liegenden Gesteinsschichten durchschnitten.
Um die Wutachschlucht mit aktuellem Bildmaterial vorzeigen zu können, hatte sie Jürgen Mahler im Spätsommer 2025 mit Kollegen abschnittsweise von der Wutachmühle über Bad Boll und die Schattenmühle bis zum Kraftwerk Stalleg durchwandert. So konnte er die Gäste mit auf eine eindrucksvolle Bilderreise durch die Schlucht nehmen, die von der Wutachmühle beginnend zunächst die Einmündung der Gauchach passierte und den bekannten Kanadiersteg erreichte.
Anschließend konnten steile, bis zu 40 Meter hohe Muschelkalkwände auf dem Weg bis Bad Boll bestaunt werden, bevor am Tannegger Wasserfall und weiter flussaufwärts am Dietfurter Mooswasserfall fantastische Moos- und Kalktuff-Formationen zu sehen waren.
Ein Räuberschloss und ein Kraftwerk
Von der Schattenmühle aus durfte auch ein Besuch der wildromantischen Lotenbachklamm mit dem Lenzkircher Granit nicht fehlen. Über das Räuberschloss führte die Tour letztendlich zum Kraftwerk Stallegg.
Anhand der eindrucksvollen Fotos sowie der profunden Informationen zu Geschichte, Geologie und der vielfältigen Flora und Fauna war abschließend allen klar: Die Wutachschlucht ist ein außergewöhnliches Naturereignis und immer einen Besuch wert.
Der Verein
Der Wurzelsucher
Geschichts- und Heimatverein Blumberg wurde 2015 gegründet mit dem Ziel, die Zeugnisse der Geschichte Blumbergs aufzubereiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Mitglieder sind immer gerne bereit, ihr umfangreiches Wissen zu einzelnen Themengebieten bei Vorträgen oder Ausstellungen zu teilen. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.wurzelsucher.de