Praxispersonal soll sich nun täglich Schnelltesten. Es gibt jedoch momentan fast keine Tests zu kaufen. (Symbolfoto) Foto: Zacharie Scheurer/dpa

Die neue Testpflicht für Personal in Arztpraxen ist am Dienstagabend verkündet worden und soll bereits ab Mittwoch umgesetzt werden. Die Ärzte sind entsprechend aufgebracht wegen dieser neuen Regelung im Infektionsschutzgesetz.

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Oberndorf - Erst vor kurzer Zeit stand Gesundheitsminister Jens Spahn aufgrund seiner Kommunikation zu den Impfstofflieferungen in der Kritik und brachte damit die Mediziner gegen sich auf. Nun ist es nach den neuesten Ankündigungen einem Hausarzt auf Twitter zu viel geworden.

Der als "Impfluencer" bekannte Doktor Christian Kröner aus Neu-Ulm hat seiner Wut am Dienstagabend in einem Video auf der Social Media-Plattform freien Lauf gelassen.

"Knalltüten" sollen ihren "scheiß Job machen"

Die neue Vorgabe würde das Praxispersonal von seiner Arbeit abhalten, schimpft Kröner. Sie hätten bereits mit den Impfungen und der Patientenversorgung genug zu tun.

Der "Impfluencer" wirft den Politikern, die er im Video als "Knalltüten" bezeichnet, vor, die Sensivität eines Schnelltests bei einer dreifach geimpften Person völlig falsch einzuschätzen. Kröner ist überzeugt, das die Schnelltests eine Infektion bei geboosterten Menschen nicht sicher genug feststellen könnten: "Da kann man auch eine Münze werfen."

Lieber sollen die Politiker ihren "scheiß Job machen" und eine Impfpflicht einführen.

Drosten und KVB zweifeln ebenfalls an Schnelltests bei Geimpften

Auch Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin hatte sich zum Thema Empfindlichkeit der Schnelltests erst vor kurzem via Twitter geäußert. Er zweifelt an 3G, da Schnelltests vor Symptombeginn nicht empfindlich genug seien. Vorläufigen Daten zufolge sei die Empfindlichkeit bei Geimpften noch schlechter, so Drosten. Auch die kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB) schätzt ein, das die Testung von dreifach Geimpften "dringend geprüft werden" müsse.

Kröner ist derweil so frustriert, das er überlege, "ob wir einfach die Bude dicht machen bis Weihnachten."

"Macht ihr euren Scheiß doch allein" - besiegelt mit dem Hashtag #impfteuchdochselber. Er versichert jedoch, die Praxis nicht zu schließen. Das würde "die Falschen treffen."

Baiersbronner Arzt: "Niemand kann liefern"

Ein weiteres Problem der neuen Regelung: Schnelltests sind wieder teurer geworden und nicht mehr so breit verfügbar wie bisher. So meldet sich Doktor Wolfgang von Meißner von den Hausärzten am Spritzenhaus in Baiersbronn ebenfalls via Twitter: "Ich wollte gerade Tests bestellen: Der Markt ist leer. Niemand kann liefern."

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigt sich von Meißner ebenfalls frustriert über die Testpflicht: "Das geht gar nicht." Der überwiegende Teil seines Personals sei dreifach geimpft, einige sogar mittlerweile vierfach. Man habe zudem schlicht keine Zeit für diese Tests und die Finanzierung sei auch nicht geklärt. Aktuell würden pro Mitarbeiter nur zehn Antigentests pro Monat bezahlt.

Auch den Punkt mit der geringen Viruslast und der zu geringen Empfindlichkeit nennt von Meißner. Um mehrfach Geimpfte verlässlich zu testen, bedürfe es PCR-Pooltests. Diese seien aktuell aber nicht möglich, da auf das Ergebnis aufgrund der Corona-Lage über 48 Stunden gewartet werden müsse.

Von Meißner fordert Lockdown für Ungeimpfte, Impfpflicht und Booster-Pflicht

Der alternative Vorschlag des Baiersbronner Arzts: Eine Testpflicht für ungeimpfte Patienten. Zudem hat der Mediziner konkrete Forderungen an die Politik: Ein sofortiger Lockdown für Ungeimpfte, eine Impfpflicht sowie die Pflicht zur Booster-Impfung nach vier bis fünf, spätestens aber nach sechs Monaten.

Bereits im August erklärte von Meißner im Rahmen eines Artikels unserer Redaktion über die Impfung von Genesenen, dass es nur zwei Möglichkeiten gebe, um Antikörper zu bekommen: Infektion oder Impfung. Das wiederholte er im Interview zum Impf-Status des Landkreises Freudenstadt und ist überzeugt: "Impfungen sind der einzige Weg aus der Pandemie."

Zum Thema: Hier gibt es in der Region Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen

KVB: Keine Sanktionen für nicht erfüllbare Rechtspflicht

Die kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB) weist am Mittwochmorgen darauf hin, "dass eine Rechtspflicht, die nicht erfüllt werden kann, auch nicht zu Sanktionen führen kann." In diesen Fällen werde geraten, die Nichtverfügbarkeit von Tests entsprechend zu dokumentieren.

Zudem übte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Doktor Stephan Hofmeister Kritik an der "überstürzt und ohne Vorlauf eingeführten Verpflichtung von Arztpraxen, sich und ihr Personal zu testen."

Laut Hofmeister müsse außerdem klar sein, dass diese Testpflicht seitens der Bundesregierung "vollumfänglich finanziert" werden müsse.

Regelung in Baden-Württemberg ausgesetzt

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat die Regeln derweil im Laufe des Tages ausgesetzt und fordert eine "gemeinsame Linie für eine praxistaugliche Umsetzung der Regelungen" in Absprache mit dem Bund. "Bis dahin," erklärt das Ministerium in einer Mitteilung, "können die Regelungen nicht im vom Bund vorgeschriebenen Umfang vollzogen werden." Die Vorgaben sollen nun vorerst nur schrittweise und eingeschränkt umgesetzt werden.