Geigenvirtuosin Bomsori Kim. Foto: Deutsche Grammophon

Das Orquesta Simfònica de Barcelona i Nacional de Catalunya und die Wundergeigerin Bomsori Kim haben in der Liederhalle zu einer hinreißenden spanischen Nacht geladen.

Spanische Orchester sind eine eher seltene Erscheinung im Musikbetrieb, was vor allem daran liegt, dass erst Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Sinfonieorchester in Spanien gegründet wurden. Inzwischen existieren immerhin rund 30 professionelle Orchester, im Vergleich zu 130 in Deutschland – und dass auf jeden Fall eines davon internationalen Standards genügt, konnte man nun beim Konzert des Orquesta Simfònica de Barcelona i Nacional de Catalunya im Rahmen der Russ-Reihe „Faszination Klassik“ feststellen.

 

Es war insgesamt ein Konzertabend, der auch der prestigeträchtigeren Meisterkonzertreihe alle Ehre gemacht hatte. Unter dem, etwas banalen, Motto „Spanische Nacht“ spielten die Katalanen unter dem Dirigenten Ludovic Morlot ein hochkarätiges Programm, bei dem sie das spezifisch „Spanische“ unter verschiedenen Blickwinkeln in den Fokus nahmen.

Los ging es mit „Plujo“(Regen) des zeitgenössischen Komponisten Miquel Oliu, der in seinem zarten, mit klanglichen Schichtungen arbeitenden Werk gänzlich auf hispanische Klischees verzichtet. Das könnte damit zusammenhängen, dass sich Katalonien als eigenständige Region versteht, deren kulturelle Schnittmengen mit Frankreich weit größer sind als jene mit Andalusien, aus dessen Flamencotradition üblicherweise jene Versatzstücke destilliert werden, die in Bizets Oper „Carmen“ ihren wohl populärsten Ausdruck gefunden haben. Der in Hollywood berühmte gewordene Filmmusikkomponist Franz Waxman hatte die „Carmen“-Gassenhauer zu einem Showpiece für Violine und Orchester verarbeitet, das die Wundergeigerin Bomsori Kim dem Publikum im gut gefüllten Beethovensaal mit fast wahnwitziger Virtuosität servierte, nachdem die zierliche Südkoreanerin zuvor schon mit Wieniawskis zweitem Violinkonzert ihr staunenswertes Talent bewiesen hatte.

Ovationen schon zur Pause, der ein kaum bekanntes Werk des wohl bekanntesten spanischen Komponisten, Isaac Albéniz, folgte. Dessen Orchestersuite „The Magic Opal“ aus der gleichnamigen Operette würde man kaum als spanisch identifizieren – brillant instrumentiert ist das Stück aber gleichwohl, zumal das Orchester dabei jene erlesene Klangkultur offenbarte, die dann in Ravels „Rhapsodie espagnole“ in einen triumphalen Höhepunkt mündete: Ein veritabler Rausch an Farben und Atmosphären war dieses kompositorisch wohl beste sich auf Spanien beziehende Werk. Am Ende Bravi und ein weiterer „Carmen“-Hit als Zugabe: „Les voici! Voici la quadrille!“ Olé!