Nachdem die Außenarbeiten abgeschlossen wurden, liegt jetzt die Abrechnung für die Kindertagesstätte Wunderfitz vor. Die anvisierten Kosten konnten nicht eingehalten werden. Foto: Gemeinde

Die Umbaumaßnahmen zur Kindertagesstätte Wunderfitz in Böhringen entwickelten sich deutlich teurer als erwartet. Die Mehrkosten summieren sich auf 500 000 Euro.

Die Abrechnung der Baumaßnahmen löste im Dietinger Gemeinderat eine intensive Diskussion zwischen den Ratsmitgliedern und Friederike Ruoff, Geschäftsführerin Architekturbüro FRW, aus.

 

Anlass waren Mehrkosten in Höhe von rund 500 000 Euro, die bei dem Projekt angefallen sind. Friederike Ruoff stellte die Maßnahme, den zeitlichen Ablauf sowie die Ursachen der Kostensteigerung ausführlich vor und wies Vorwürfe von Planungsfehlern zurück. Ursprünglich war das Bauvorhaben mit Kosten in Höhe von etwa 5,77 Millionen Euro einkalkuliert worden. Die nun vorliegende Schlussabrechnung entwickelte sich auf knapp 6,28 Millionen Euro nach oben.

Es begann im April 2022

Der Bau startete im April 2022, bereits im Herbst 2023 zog eine erste Krippengruppe ein. Im Mai 2024 folgte die Inbetriebnahme des Gebäudeteils A für den Kindergarten, und im September 2024 wurde der Gebäudeteil B fertig gestellt. Die Außenanlagen konnten 2025 abgeschlossen werden.

In der Kostenentwicklung zeigten sich sowohl Mehr- als auch Minderkosten in einzelnen Bereichen. Während etwa die Außenanlagen günstiger ausfielen als geplant, erhöhten sich unter anderem die Ausgaben für Ausstattung, Baunebenkosten sowie technische Anlagen.

Friederike Ruoff erläuterte, dass ein wesentlicher Teil der Mehrkosten auf das Bauen im Bestand zurückzuführen sei. So habe sich im Zuge des Rohbaus eine notwendige Trennung von Gebäudeteilen – insbesondere bei Heizung und Elektrik – ergeben. Hinzu kamen Rückbauarbeiten, Entwässerungsmaßnahmen sowie die Entsorgung von Schadstoffen.

Bauen im laufenden Betrieb

Ein weiterer Kostenfaktor sei das Bauen im laufenden Betrieb gewesen, da bereits während der Bauphase Kinder betreut worden seien. Dafür musste unter anderen eine zusätzliche Eingangsrampe errichtet werden.

Auch im Innenausbau seien unerwartete Maßnahmen entstanden, etwa durch Übergänge zur kleinen Turnhalle und zusätzlicher Brand-, Nager- und Insektenschutz.

Bei der Ausstattung schlugen unter anderem höhere Schreinerkosten zu Buche. Weitere Mehrkosten entstanden durch die Wartung bei Teilbetrieb, eine zusätzliche Brandwarnanlage, ein Nachtragsbauantrag sowie hohe Kosten bei der Prüfstatik.

Kritik von Bernd Kirholzer

Kritik kam aus den Reihen des Gemeinderats. Bernd Kirholzer sprach von einem klaren Planungsfehler und sah die Verantwortung dafür beim Architekturbüro. Von einem Fachbüro sei zu erwarten, dass Risiken frühzeitig erkannt und benannt würden.

Antwort der Architektin

Die Architektin wies die Vorwürfe zurück. Sie verwies auf den Zeitdruck, unter dem das Projekt gestartet sei, sowie auf zahlreiche Unwägbarkeiten während der Bauzeit. So habe es wechselnde Kita-Teams, jeweils mit unterschiedlichen Vorstellungen, einen neu zusammengesetzten Gemeinderat und einen Bürgermeisterwechsel gegeben. Zudem sei das Bauen im Bestand grundsätzlich schwer kalkulierbar.

Indes räumte sie ein: Rückblickend hätte sie den Gemeinderat noch deutlicher darauf hinweisen müssen, dass ein Bau im Bestand – insbesondere dieser Größenordnung – mit erhöhten Risiken und nicht vollständig planbaren Mehrkosten verbunden sei.

Martina Stiers Hinweise

Unterstützung erhielt das Architekturbüro von Gemeinderätin Martina Stier, die das Projekt begleitete. Sie betonte den hohen Zeitdruck zu Projektbeginn und machte deutlich, dass viele zusätzliche Anforderungen erst im Laufe der Bauphase sichtbar geworden seien. Kritisch merkte sie zudem an, dass es seitens der Gemeinde keinen durchgehend zuständigen fachlichen Ansprechpartner gegeben habe. Auch daraus solle man für zukünftige Vorhaben lernen.

Martina Stier lobte, dass trotz der zahlreichen unvorhersehbaren Herausforderungen, das Büro stets flexibel und lösungsorientiert reagiert habe und gute Ergebnisse erzielen konnte.

Jugendclub muss warten

Ferdinand von Bissingen mahnte, dass die Mehrkosten für die finanziell ohnehin angespannte Gemeinde spürbare Folgen haben. Da nun zusätzlichen Ausgaben getragen werden, müssten andere Projekte, etwa der Jugendclub, zurückgestellt werden.

Im Ergebnis stimmte der Gemeinderat der Kostenentwicklung aber mehrheitlich zu. Lediglich Bernd Kirholzer votierte dagegen.