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Wunder Endlich schwanger!

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Ein Neugeborenes lässt uns staunen. Foto: dpa

Mehr als sechs Millionen Menschen sind in Deutschland ungewollt kinderlos. Viele Paare hoffen jahrelang. Umso größer ist die Freude, wenn es wie auf wundersame Weise doch noch klappt.

Stuttgart - „Moment, ich schalte nur noch meinen Rechner aus.“ Lina H. (49, alle Namen von der Redaktion geändert) bietet Bürodienstleistungen an und arbeitet viel von zu Hause aus. Gerade steht der Laptop auf dem weißen Esstisch im Wohnzimmer, noch ein paar Mausklicks, dann hat die große, schlanke Frau mit den schulterlangen Haaren­ Zeit für das Gespräch.

Ja klar, habe sie immer Kinder gewollt. Mit ihrem ersten Mann habe es jedoch nicht geklappt. Zu der Zeit war das für Lina H., damals Mitte 20, kein Problem. Und bevor es eines wurde, war sie bereits geschieden. Mit Anfang 30 startet sie beruflich durch, Karriere ist ihr wichtiger als trautes Familienleben. „Der Wunsch, Mutter zu werden, kam dann erst durch meinen zweiten Mann wieder hoch.“ Nun ist sie bereits Anfang 40. Ihr fünf Jahre jüngerer Mann hat aus erster Ehe zwei kleine Kinder, ein Mädchen und einen Jungen, die Lina H. sehr liebt. „Ich war ­immer traurig, wenn die beiden nach dem Wochenende wieder fahren mussten.“ Sie ist aber realistisch genug, um zu wissen, dass in ihrem Alter die Aussichten auf eine Schwangerschaft gering sind. Die Wahrscheinlichkeit liegt für über 40-Jährige bei unter 40 Prozent, wäre sie 20 Jahre jünger, stünden ihre Chancen bei 80 Prozent. Durchschnittlich sind die Frauen heute etwa 30, wenn sie ihr erstes Kind erwarten.

„Ich wollte immer eine junge Mutter sein“

Ida R. hat genau dieses Alter, als sie sich bereit für Kinder fühlt. Beruflich gefestigt, seit neun Jahren in einer festen Beziehung – beste Voraussetzungen also, um Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. „Ich wollte immer eine junge Mutter sein“, erzählt sie, an ihrem Zungenschlag hört man, dass sie aus Bayern stammt. Als die Mathematikerin nach anderthalb Jahren aber immer noch nicht schwanger ist, schiebt sie es nicht mehr allein auf stressige Lebensumstände, sondern lässt sich untersuchen. Bei ihr ist ­alles in Ordnung, doch bei ihrem Mann wird eine mangelhafte Spermienqualität diagnostiziert. Auf natürlichem Weg, so damals das ­ernüch­ternde Ergebnis, wird es bei ihnen nicht funktionieren.

Dass Paare ungewollt kinderlos bleiben, ist keine Seltenheit. Mehr sechs Millionen Deutsche zwischen 25 und 59 Jahren können nach Angaben des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung keinen Nachwunsch bekommen, das entspricht etwa einem Sechstel der Menschen in dieser Altersgruppe­. Die Ursachen verteilen sich zu je einem Drittel gleichmäßig auf die Geschlechter, in einem weiteren Drittel liegt es an beiden. In zehn Prozent aller Fälle bleibt die Unfruchtbarkeit ungeklärt.

Was tun? Ein Kind adoptieren? Für Lina H. wäre das mit ihrem ersten Mann eine Option­ gewesen, er war zeugungsunfähig. Da mit ihrem neuen Partner und ihr körperlich jedoch alle Voraussetzungen gegeben sind, hofft sie auf ein eigenes Baby, gezeugt auf ganz natürlichem Wege. Das Paar geht die Sache entspannt an, nach dem Motto: ­„Entweder es klappt, oder es klappt nicht. Wir haben es uns keinen Druck gemacht.“

Für Ida R. und ihren Mann David ist dagegen schnell klar, dass sie es mit Hilfe der künstlichen Befruchtung versuchen. Sie wählen die sogenannte ICSI-Methode, bei der das Spermium des Mannes direkt in eine Eizelle gespritzt wird. Damit dafür möglichst viele Eizellen zur Verfügung stehen, muss sich Ida R. tagelang Hormone spritzen, die die Eizellproduktion ankurbeln. Zwei befruchtete Eizellen bekommt sie in der Gebärmutter gesetzt. Doch diese nisten sich nicht ein. Ihre Enttäuschung hält sich in Grenzen: „Irgendwie lief es nicht gut. Mir war klar, dass es nichts werden würde.“

„Die Entstehung des Menschen bleibt ein Geheimnis“

Die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung haben sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. 1982 führten nur sieben Prozent der Versuche zu einer Schwangerschaft, 2010 war es bereits ein Drittel. Das heißt aber auch: Zwei Drittel aller Versuche laufen nach wie vor ins Leere. Viele Paare unterziehen sich dem Prozedere über viele Monate, immer wieder neu bangend und hoffend.

„Die Reproduktionsmedizin suggeriert, wir könnten die Entstehung eines Menschen beherrschen“, warnt der Medizinethiker Giovanni Maio von der Universität Freiburg. „Aber Kinder kann man nicht bestellen, sondern nur erhoffen.“ Eine Eizelle und ein Spermium seien Voraussetzungen für ein neues Leben, so der Professor, warum daraus manchmal ein Embryo entsteht, manchmal aber nicht, das hätten auch Reproduktionsmediziner nicht in der Hand. „Die Entstehung des Menschen bleibt ein Geheimnis. Deshalb ist es immer etwas Wundervolles, wenn ein Kind zur Welt kommt.“

Ida R. und ihr Mann David geben nicht auf. Nach Hochzeit und Urlaub unterziehen sie sich erneut der aufwendigen Behandlung. Doch auch der zweite Versuch misslingt, was Ida R. nun nicht mehr so locker wegsteckt. „Ich hatte das Gefühl, dass es nur bei mir nicht klappt. Und für uns war auch klar, dass wir es nicht ewig probieren würden.“ Fünf bis sechs Versuche sind ihr persönliches Limit, nur drei bezuschusst die Krankenkasse. Rund 3000 Euro pro Versuch müssen sie selbst zahlen.

Das Paar ist fast ein Jahr in Behandlung, als es den dritten Versuch startet – der für Ida R. gefühlt schlechteste. Als sich unter den zehn entnommenen Eizellen die Hälfte als leere Hülle entpuppt, fühlt sie sich deprimiert. „Nach der Befruchtung blieben nur zwei übrig, die mir eingesetzt werden konnten.“ Doch aller Bedenken und Zweifel zum Trotz, ein Ei nistet sich ein. Ida R. ist endlich schwanger.

Die ersten Monate kann sie ihr Glück kaum genießen, zu groß ist die Angst eines Abgangs. „Erst als ich nach der Organ-Untersuchung in der 20. Woche mein Kind gesehen habe, bin ich ruhiger geworden.“ Schwangerschaft und Geburt verlaufen problemlos. Inzwischen ist die kleine Marie anderthalb und mit ihren braunen Haaren und Augen ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.

Und bei Lina H.? Ihr kleiner Sonnenschein heißt Jesko und ist ein blonder, viereinhalbjähriger Lockenkopf. „Mein ein und alles“, sagt sie und strahlt. Mit 44 war sie dann doch völlig unerwartet und überraschend schwanger geworden. „Wir waren damals im Urlaub, und mir war die ganze Zeit sterbenselend vor Übelkeit.“ Ihr Mann tippte sofort auf eine Schwangerschaft, Lina selbst war skeptisch. Zurück zu Hause, geht sie zum Arzt und ist ob der guten Nachricht, quasi des Wunders, sprachlos. „Ich hatte nicht mehr daran geglaubt.“

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