Sind Igel tagsüber unterwegs, sollte man prüfen, ob es ihnen gut geht. Foto: ©andre - stock.adobe.com

Amputiertes Bein oder verlorene Schnauze: Eine Expertin verrät, wie solche Verletzungen zu vermeiden sind und wie jeder Igel schützen kann.

Winterschlaf ade: Die meisten Igel sind wieder wach und auf Futtersuche. Wer einen eigenen Garten hat, dem läuft das stachelige Tier möglicherweise hin und wieder über den Weg. Und dann sollten die Augen offengehalten werden. Denn es gibt Alarmzeichen, bei denen es ohne Hilfe lebensbedrohlich für die Igel werden kann. Läuft ein Tier wie auf Stelzen, wirkt verkümmert oder Fliegen schwirren um es – dann ist schnelles Handeln gefragt, wie Laila Storz von der Igelstation Würzbach erklärt.

 

Die Tiere sind dann oft krank und können aus eigener Kraft nicht überleben. Dann landen sie bei Storz, die sie aufpäppelt und mit Medikamenten versorgt bis sie wieder selbstständig in der Natur leben können. Die 43-Jährige ist eine der wenigen Ehrenamtlichen, deren Herz so sehr für Igel brennt, dass sie jeden Tag mindestens zwei Stunden für die stacheligen Tiere opfert.

Das Leben von 200 Tieren gerettet

In Kooperation mit der Wildtierhilfe Calw betreibt sie seit rund einem Jahr ihre eigene Igelstation in Würzbach. Schätzungsweise etwa 200 Tieren, die aus der Gegend, aber auch aus der Umgebung Stuttgart, Karlsruhe und Tübingen zu ihr gebracht werden, hat sie bereits das Leben gerettet. Ein paar Wochen oder auch mehrere Monate verbringen die Igel in Boxen mit Wärmeplatten oder dem Freigehege bei Storz.

Immer wieder Unfälle im Garten

Und warum können die stacheligen Säugetiere ohne ihre Hilfe nicht mehr überleben? Häufig sind sie geplagt durch Parasiten- oder Wurmbefall. Doch auch durch Unfälle im Garten landen immer wieder Igel bei ihr. Zwei Tiere, die Storz aktuell pflegt, sind in eine Mäusefalle getreten – bei einem der Tiere musste ein Bein amputiert werden, sagt die Ehrenamtliche. Eine Gartensense hat einen anderen Igel erwischt, so dass dieser seine Schnauze und ein Bein verloren hat.

In Boxen mit Wärmeplatten werden die Igel aufgepäppelt. Foto: Storz

Deshalb ist bei der Gartenarbeit mit motorisierten Geräten besondere Vorsicht geboten, vor allem am Abend und zur Dämmerung hin. Dann werden Igel nämlich aktiv. Den Rasenroboter aber tagsüber fahren zu lassen, ist laut Storz unproblematisch, wenn man die Augen offenhält. Da halten sich die Igel sowieso meist im Gebüsch und Hecken auf und schlafen. Dann muss man bei Arbeiten mit Gartensense und Co. tief im Gebüsch aufpassen.

Auf jedes Insekt angewiesen

Und was kann jeder Einzelne noch zum Schutz der Igel beitragen? Die Leute sollten im Frühling „nicht zu früh mit der Gartenarbeit beginnen“, meint Storz. Denn gerade nach dem monatelangen Winterschlaf „sind die Igel auf jedes Insekt angewiesen“. Und die halten sich vor allem in alten Pflanzen auf. „Wenn zu schnell zu sauber aufgeräumt wird, finden Igel nicht genug Nahrung oder verhungern“, sagt die Oberreichenbacherin. Gezielt Insekten in den Garten bringen – das hilft den Igeln, wie Storz sagt. Das können Hobbygärtner schon dadurch erreichen, wenn dichtes Gebüsch an manchen Stellen wild bleiben darf und nicht alle Blätter zusammengekehrt werden. Und noch einen Hinweis hat die Igelretterin: „Alles, was blüht, lockt Insekten an.“

Eine extra Futterstelle einrichten

Wie soll man reagieren, wenn ein Igel durch den Garten spaziert? Sieht man ihn bei Dämmerung, ist normalerweise keine Hilfe nötig, da der Igel nachtaktiv ist und dann auf Futtersuche geht. Tagsüber können Gartengeräte Tiere aufschrecken. Am Tag sollte man Igeln nur helfen, wenn man die Alarmzeichen an ihm wahrnimmt. Doch weiß man, dass ein Tier im eigenen Garten wohnt, hilft es gerade jetzt nach der Winterschlafzeit, eine Futterstelle einzurichten – mit hochwertigem Katzenfutter ohne Gelee und Soßen, Insekten, Rührei oder Fleisch, außer Schweinefleisch. Es gibt auch Futterhäuschen mit Klappe, die Igel vor ihren Feinden wie Katzen, Ratten, Füchsen und vielen weiteren schützen.