Noch immer fahndet die Polizei nach dem Entführer des Würth-Sohns. Foto: dpa

Die Polizei hat knapp einen Monat nach der Entführung des Würth-Sohns die Stimme des Erpressers veröffentlicht und erhofft sich dadurch weitere Hinweise zur Ergreifung des Täters.

Fulda - Die Entführung des Sohns von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth endete glimpflich - einen knappen Monat später haben die Ermittler weitere Details zu dem Fall enthüllt. Demnach scheiterte Mitte Juni eine nächtliche Übergabe von drei Millionen Euro Lösegeld an der A3 bei Würzburg, wie die Polizei in Fulda und die Staatsanwaltschaft Gießen am Montag mitteilten.

Die Ermittler gingen derzeit davon aus, dass der Täter aus dem Gebiet des früheren Jugoslawien stamme und zwischen 35 und 60 Jahre alt sei, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Die Behörden veröffentlichten Aufnahmen mit der Stimme des Entführers. In gebrochenem und oft fehlerhaftem Deutsch gibt der Erpresser in Telefonaten mit den Eltern des Entführungsopfers Anweisungen, unter anderem zur geplanten Geldübergabe. „Ich werde bei der Autobahn warten, an rechte Seite“, sagt der Täter einmal. Den Stimmaufnahmen, die aneinandergeschnitten sind, ist zu entnehmen, dass die Eltern rechts auf der Autobahn fahren sollten, bis sie ein Lichtsignal bekommen.

Stimmaufnahmen über Hotline zu hören

Zu hören sind unter anderem auch die Sätze: „Ja, Sie bekommen ihr Kind, ist kein Problem“ und: „Es geht um Leben und Tod.“ Über eine Hotline (0800-1103333) können die Stimmaufnahmen angehört werden.

Warum eine Geldübergabe scheiterte, sei noch nicht geklärt. Vermutet würden Probleme im Zeitablauf auf Täterseite, sagte Staatsanwalt Hauburger. Aber: „Sicher wissen wir das nicht.“

Der behinderte Sohn von Schrauben-Milliardär Würth war am 17. Juni im osthessischen Schlitz entführt worden, der 50-Jährige lebte dort in einer Wohngemeinschaft für behinderte und nicht-behinderte Menschen. Einen Tag später wurde er in einem Waldgebiet bei Würzburg gefunden - nach Angaben der Ermittler war er an einen Baum gekettet, aber unversehrt. Zuvor hatte der Entführer die Geodaten des Fundortes preisgegeben, auch das ist bei den veröffentlichen Stimmsequenzen zu hören.

Der Entführungsfall soll am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ vorgestellt werden. Dabei werden das Phantombild noch einmal gezeigt und die Stimmaufnahme des Entführers abgespielt. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat außerdem eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: