Beim Wrestling-Event der OWG in Calmbach ging es im Ring hoch her. Foto: Felix Biermayer

Bei der Show von Outlaw Wrestling Germany (OWG) sorgten Publikum und Sportler für eine packende Atmosphäre. Besonders die vielen Frauen im Ring kamen gut an.

Während in Basel am Samstagabend der Eurovision Song Contest lief, bekamen die rund 400 Besucher in der Calmbacher Enztalhalle das Kontrastprogramm geliefert: Die „ Kodex Summerparty“ von Outlaw Wrestling Germany (OWG). Doch in Sachen Show, Unterhaltung und Dramatik musste sich das OWG-Event nicht verstecken. Das Team um Vorstand Adrian Kern hatte sich wieder einiges einfallen lassen.

 

Der Ausgangspunkt der Geschichte liegt ein paar Monate zurück. Bei der letzten Show im Herbst hatte sich das Team Kodex um den arroganten wie unfairen Manager Jack Douwner gegen die OWG-Legenden durchgesetzt. Deshalb durfte Douwner über die Show am Samstag bestimmen. „Niemand kann Kodex schlagen“, sagte der im Ring. Wrestler Corey – unter diesem Namen tritt Kern als Kämpfer an – wollte sich das nicht bieten lassen, griff das Team Kodex verbal an.

Der Ton war also gesetzt. Die ewige Fehde zwischen Team Kodex und den Legenden ging in die nächste Runde. Corey-Freund und Debütant im Ring NA Priced verriet seinen Mentor gleich zu Beginn und schloss sich Douwners Team an. Auch Rapper MYR hinterging seine Freunde um Corey. Doch die behielten in den zehn Kämpfen des Abends trotzdem die Oberhand. Die Mehrzahl der großen Titel ging an die Legenden. Sie bekamen also ihre Revanche.

Metaphorische Fallhöhe

Die ganze Geschichte hat sich das OWG-Kreativteam Marco Chiarito, der Jack Douwner verkörpert, und Kern ausgedacht. Sie gibt dem Abend einen Rahmen, schafft die metaphorische Fallhöhe für die Kämpfe.

Die echte Fallhöhe gibt es im Ring. Die Sympathien des Publikums sind dabei ganz klar verteilt. Die Legenden sind die Guten, Team Kodex die Bösen. Und Douwner schaffte es wieder perfekt, sich die Abneigung des Publikums zu verdienen: durch hochnäsiges Gehabe, durch unfaires Eingreifen in die Kämpfe, durch seine große Klappe. Dass machte die Abreibung, die Douwner ausnahmsweise einmal im Ring bekam, für das Publikum umso befriedigender.

Die Show ist geplant, die Sieger stehen vor den Kämpfen fest. Doch der Unterhaltung nimmt das nichts. Das Publikum weiß ja nicht, wie es ausgeht. Und es schmälert auch nicht die sportliche Leistung der Wrestler im Ring. Die rund zehnminütigen Kämpfe verlangen ihnen körperlich alles ab. Schwere Körper durch die Luft zu wirbeln oder selbst hart auf dem Boden aufzuschlagen ist eben anstrengend – selbst wenn es nur Show ist.

Ein besonderer Höhepunkt waren am Samstag die Wrestlerinnen. Kern hat es sogar geschafft, mit der Französin Mila Smidt die laut ihm „die beste Wrestlerin Europas“ nach Calmbach zu lotsen. Und Smidt lieferte ab. Sie trat im Team mit Corey an. Aber auch Nikki Steel, Tayra Gates, Sultan Suzu, Warchild Saga oder Nicky Foxley zeigten, dass die Frauen im Ring ein Gewinn für die Show sind – und die OWG ihnen zu Recht mehr Platz im Programm einräumt. Besonders die Kämpfe in gemischten Teams waren ein Höhepunkt des Abends.

Das kam auch beim Publikum an. Die Freunde Tim aus Mönsheim und Fabian aus Ötisheim waren bereits zum dritten Mal da. Ihnen gefällt in Calmbach vor allem die Nähe zum Ring und zu den Sportlern. Die stehen in den Pausen für Selfies bereit, unterhalten sich mit den Fans. Auch, dass mehr Frauen im Ring stehen, findet Fabian positiv. „Frauen wurden lange unterschätzt. Jetzt werden sie ernst genommen“, sagte er. Die Wrestling-Szene sei ja eher von Männern dominiert, so Tim. Dass nun auch Frauen, die auf Wrestling Bock haben, eine Chance bekämen, sieht er als Fortschritt.

Lob für Frauen-Offensive

Die Brüder Marco und Manuel aus Lehningen gehören in Calmbach zu den Stammgästen. Marco lobt die OWG ebenfalls für die Frauen-Offensive. Denn Wrestlerinnen sähe man sonst nur im TV. Dass eine Athletin wie Mila Smidt nach 2019 zum zweiten Mal nach Calmbach kam, beschrieb er als „unglaublich“. Mit der Show war er insgesamt „sehr zufrieden“.

Zu dieser Show trug auch das Publikum bei. Es sorgte für eine packende Atmosphäre in der Halle. Gerade beim Einlaufen der Wrestler in die Halle machten die Menschen lautstark klar, wen sie mögen. Corey hatte gar einen eigenen Fanclub. Aber auch das „Pullunder-Wunder“ Matthias Kutscher oder der „geile Schnauzer“ Kevin Kaiden hatten ihre Fans. Und dass Team-Kodex-Vertreter Hektor den Hauptkampf gegen Marc Empire verlor, brachte die Halle zum Kochen.

Dass empfand auch Kern so. Die Stimmung sei sehr gut gewesen. „Es war wieder ein voller Erfolg“, sagte er am Sonntagmorgen. Die Wrestler seien ebenfalls zufrieden. Auch organisatorisch habe alles funktioniert. Nun beginnen bald die Vorbereitungen für die nächsten Show. Die steigt am 29. November. Kern und sein Team werden sich auch dafür wieder eine gute Geschichte einfallen lassen.