Spektakuläre Aktionen gab es am Wochenende bei „Maighteen“ in der Enztalhalle. Foto: Felix Biermayer

Der deutschlandweit bekannte Wrestler Hektor erzählt, was beim Wrestling wirklich gespielt ist – und warum ihm die Veranstaltungen in Calmbach gefallen.

Hektor – dieser Name ist in Wrestling-Deutschland gut bekannt. Der 34-jährige heißt eigentlich Christian Tscherpel und kommt aus Nürnberg. Rund 500 Kämpfe in ganz Europa hat er schon absolviert, darunter einem beim WWE-Tryout vor 20 000 Menschen in London. Neben seinem Sport arbeitet er noch als Schreiner und Trainer. Am Wochenende war er zum dritten Mal beim Wrestling-Event in der Enztalhalle. Im Interview erzählt er, was beim Wrestling gespielt ist, wie gefährlich der Sport ist – und warum er immer gern nach Calmbach kommt.

 

Wrestling ist ein Knochenjob. Warum tut man sich das freiwillig an?

Bei mir war es eigentlich schon in der Kindheit. Ich habe damals mit meiner Mama Wrestling geguckt. Und da war schon klar, dass ich das machen will. Das Problem war, zu meiner Zeit gab es halt nur zwei bis drei Schulen in ganz Deutschland verteilt. Und 2009, als ich meinen Führerschein hatte, bin ich dann das erste Mal zu Alex Wright gefahren. Der war bei der WCW in den 1990ern ein richtiger Star. Da habe ich mein Training angefangen. Heute werden überall Seminare angeboten.

Und was gefällt Dir an dem Sport?

Das Reisen, Wrestler und Kulturen aus der ganzen Welt kennenlernen. Gestern war ich in Hamburg bei einer Show. Da waren Japaner und Franzosen dabei. Es ist einfach eine Gemeinschaft. Über die ganze Welt verteilt.

Wie oft musst Du trainieren?

Jeden Tag: Fitnessstudio, Krafttraining, Cardiotraining. Das Wrestling-Training selber ist jetzt weniger geworden, weil ich jeden Freitag, Samstag und meistens auch Sonntag im Ring stehe. Irgendwann bringt dir das Training selber nichts mehr. Da kommt es auf die In-Ring-Erfahrung vor Live-Publikum an.

Ist die Verletzungsgefahr groß?

Ja, sehr. Ich hab eigentlich immer was. Kleinigkeiten wie Rückenschmerzen sind nach jedem Kampf da. Ich hatte schon Gehirnerschütterungen, Platzwunden, gebrochene Nase, gebrochene Rippen, ausgekugelte Schulter, Bänderrisse. Eine Nierenverletzung hatte ich, dass ich gleich Blut im Urin hatte. Also das war bis jetzt das Schmerzhafteste.

Was sagt deine Frau dazu, dass Du das machst?

Ihr gefällt’s. Sie war schon öfter dabei. Sie hat sich ein bisschen dran gewöhnt, dass Verletzungen dazu gehören. Aber es ist nicht so, dass ich jede Woche am Wochenende mit einem Gipsbein heimkomme – eher mit einem Bluterguss oder so.

Wie oft stehst Du pro Jahr im Ring?

Jedes Wochenende. Also dieses Jahr sind es um die 60 bis 70 Kämpfe. Manchmal wünsche ich mir mal ein freies Wochenende. Das Schlimme sind die langen Fahrten. Gestern war ich in Hamburg, heute Calmbach, danach heim. Und dann vielleicht noch eine blöde Verletzung im Ring – das geht an die Substanz. Die Kämpfe selber steckt man weg, aber die Fahrerei...

Was macht das Event in Calmbach besonders?

Das Familiäre, das ist wirklich gut gemacht. Jeder ist mega freundlich. Und alle sind professionell.

Was ist das größte Vorurteil über den Wrestling?

Dass es Fake ist. Das ist es nicht. Also ich hatte schon Kampfsportler im Training – Kickboxer oder sonst was. Ein Boxkampf kann nach einer Minute rum sein. Wenn bei einem Wrestlingkampf der Promoter sagt, ihr macht 20 Minuten, dann machst du 20 Minuten. Egal, ob du mit dem Kopf irgendwo auf den Boden aufschlägst. Wie gesagt, ich habe mit der gebrochenen Nase durchgezogen.

Aber gescriptet ist es trotzdem. Was würdest du den Skeptikern denn entgegenhalten?

Wenn die Leute ins Kino gehen, dann sagen die auch nicht: Der Film ist fake, den guck ich mir nicht an. Geht einfach zur Show, genießt die Action. Nicht alles ist gescriptet, es gibt viel Improvisation im Ring. Es wird schon abgesprochen, wer gewinnt. Aber das kann sich auch ändern. Wenn jemand untrainiert ist und es die Gefahr gibt, dass er mich verletzt, dann mach ich den halt weg und halte ihn am Boden. Da entscheide ich mich für meine Gesundheit.

Ist es nicht demotivierend in den Ring zu gehen, in dem Wissen, dass man verliert?

Nö, gar nicht. Weil kein Zuschauer in einem Jahr sagen wird: Du hast an dem und dem Tag verloren. Sondern die sagen: Hey, an dem Tag hast du ein richtig geiles Match gemacht. Gewinnen oder verlieren – das hat noch nie jemand interessiert. Es geht um Unterhaltung.

Letzte Frage: Wie lange tust du Dir das noch an?

So lange ich körperlich fit bin und jetzt nicht krasse Sachen sind, ich schätze mal 45 bis 50. Wenn ich selber mal dann Kinder habe, dann will ich nicht so kaputt sein, dass ich dann mit nichts mehr machen kann, Fußball spielen oder so. Dann mach ich Trainer und bring der nächsten Generation noch was bei.

350 Zuschauer bei Wrestling-Spektakel

Die Veranstalter von Outlaw Wrestling Germany boten eine runde Show in der Enztalhalle.