„Die drei Amigos“ Foto: Ramsteiner

Sieben Gruppen haben beim Schnurrabend in Hausach nach Herzenslust und derb-herzlich vom Leder gezogen.

Die Hausacher erlebten am Samstagabend einen Schnurrabend mit sieben bestens aufgelegten Schnurrgruppen. Und um es aus eigener Erfahrung deutlich vorweg zu sagen: Dagegen können Fasnacht-TV-Formate wie das aus dem Konstanzer Konzil abstinken. Jede Gruppe bestach durch ihren eigenen Stil und machte so die sechseinhalb Stunden Lokalcomedy zu einer höchst vergnüglichen und ab und an auch rotzfrechen Gesamtschau.

 

Im „Hirsch“-Saal der Monika mischten gleich zu Beginn „Die drei Amigos“ das Publikum auf – wie immer rockig mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Songs, bei denen die Geschichten in den Hintergrund rückten. Mit „Achterbahn“ der „Toten Hosen“ nahmen sie Peter N. aufs Korn, der seinen Sohn nach dem anstrengenden Bodensee- Marathon nach Hause kutschieren wollte.

Auf der Heimfahrt lag er dann selbst auf der Rücksitzbank, weil er sich bei einer E-Bike-Tour mit kaputtem Motor noch mehr verausgabt hatte als sein Bub bei den 42 Kilometer Laufen. „Westerland“ der Ärzte begleitete Basilis „Matscher“ zur Party in den Wolfacher Langenbach. Mit dem Rad hin, wurde er wegen des Alkoholpegels heimgefahren, doch der Durst (oder die Sehnsucht nach dem Bike) trieb ihn zu Fuß wieder zurück und dann doch mit dem Rad wieder heim. Im „Hirsch“ zieht da beim Publikumsspiel immer „Lutscher“ die Karte, er durfte zur Party die Bauchtänzerin spielen. Mit jubelndem Applaus quittiert das Publikum die Ankündigung der Schnurr-Oldies vom „Drei Mann Trio Terzett“, die mit „Satisfaction“ versprechen, dass sie wie die „Rolling Stones“ niemals aufhören wollen.

Wichtig: Siegfried meint’s mit allen gut

Und nun wissen auch alle, warum die Blattmanns nur noch auf allen Vieren ins Bett krabbeln – weil ihre neue Alarmanlage auf alles anschlägt, was über einen Meter hinausragt. Exaltant der Auftritt von „Soko Huse“ über das Schümelasch-Jubiläum, den wortkargen Übersetzer der französischen Redeschwälle und ihr Ermittlungserfolg in Sachen sauteure Fotoexponate der Ausstellung im Kaplaneipark, die auf dem Vulkan entsorgt wurden. Dass Madame Angela ihren Mops beim Fest vergaß, quittierten sie mit einem ironischen „Speckbrett, leckfett, Bankett so nett, Mops da, ohlalalalala, Fronkreisch, Fronkreisch.“ Auch in der Einbacherstraße wurde die Soko fündig, wo ein „Inschenör“ seiner Chinesin ein Bächle mit Seerosenteich bauen wollte, das trocken blieb, denn „des isch doch ä Rieseseich, des Wasser isch uf de andere Sit vum Teich.“

Eine Riesengaudi verbreiteten „d’ Gutacher“ lautstark mit ihren Geschichten voller Sex, Crime und Glamour. Ob Nachbars Burgis Wolfgang dem Gutacher Liesele den Kopf abgeschlagen hat? „Es hat wohl Ihren Neid erregt, dass Gutach Bollenhüte trägt?“ Nein, ein Baggerfahrer war’s. Süffisant zogen sie Eisen-Schmids Juniorchef durch den Kakao, der sich nachts im Hotel beim Toilettengang aus dem Zimmer ausgeschlossen hat und an der Rezeption auftauchte: „Nun steh’ ich hier mit nacktem Rüssel und will ‚nen neuen Zimmerschlüssel.“ Und natürlich nahmen sie auch ihren Burgis aufs Korn und dessen diverse Winkvariationen am Steuer, die bei der Polizei weniger gut ankamen. „Siegfried“ grölte das Publikum – „meint’s mit allen gut, Siegfried grüßt mit seinem Hut“. Für eine Runde Schabole durften schließlich alle auch noch Bilder schießen mit dem Liesele und den Gutachern. Top. Perfektes Musikkabarett lieferten die „Minirocker“, die mit Ukulelen, Geige, Cajon und Flöte den Narrenvater bei der Spinnenjagd begleiteten und ihren Spott über Narrenrat Armin vergossen, dem ein Frosch auf dem Balkon seines Hotels die Urlaubsnachtruhe störte: „Armin hat unten schlechte Laune, hat oben schlechte Laune…“.

Wortspiel-Unsinn wie bei der Bullyparade

Ihr absoluter Hit aber war der Roadtrip von Antje K., die zum 50. Geburtstag allein mit ihrer Maschine nach Bosnien düste. Dort weigerte sich das Hotel, eine Frau ohne Männerbegleitung aufzunehmen. Erst, als ein fremdes Paar sie als Zweitehefrau mit aufnahm, durfte sie einchecken: „We are a Family, sch… doch auf die Monogamie. Liebe ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Literarisch top präsentierten sich die „Vier Viertele“. Weil „auch die Generation Z ein Recht darauf hat, verarscht zu werden“, schnurrten sie die Landjugend-Lotta, die für die Gummistiefel-Party in Wörgl in Tirol ein Hotel in der Steiermark buchte: ein Vorort vonWörgl? „Steiermark, Uckermark, Kurmark – egal, Hauptsache Österreich.“ Eine komödiantische Meisterleistung waren ihre Wortspiel-Kastagnetten à la Bullyparade, mit der sie die Urlaubsreise der Schmids vom Schillingerhof an den hessischen Edersee beschrieben, der just zu diesem Zeitpunkt abgelassen worden war: „Der Seeweg ist wesentlich weiter, seit der See weg ist.“ Das I-Tüpfelchen war dann das Paket von Sandra auf der Gumm, die ihren Hausmüll in einen Karton packte, in dem gerade ein bestellter Pulli angekommen war. Fatal, dass sie es erst mal nur vor die Haustür stellte und der Postbote es als Retoure mitnahm.

Die „Anonymen Schwarzwälder“ hatten Geschichten über zwei Männer dabei: „De eine sitzt do und de ander kennt jeder.“ Etwa über den Versicherungsmenschen Laddi aus dem Breitenbach, der beim Pinkeln den vermeintlichen Spül-Seilzug zog und damit den Hilfe-Alarm auslöste. Zum Abschluss servierten sie süffisant die Story vom Gerüstbau-Baumann, der im Zweitjob Lieferservice für Neumayer Tekfor spielt. Beim rasanten Einschwenken auf die Hauptstraße kippte er das tonnenschwere Stückgut beim Schlosserstehle auf den Gehweg. Zwei Stapler musste er aus der Firma holen, weil der unterwegs mit leerem Tank stehen blieb. Weil Schadenfreude die schönste Freude ist, blieb in Hausach sechseinhalb Stunden lang kein Auge trocken.

Die Schnurranten

„Die drei Amigos“: Michael „Mäx“ Armbruster, Eugenio Agüera Oliver, Marko Schwab, Musiker Arne Schmidbauer, Jörg Rexter; „Drei Mann Trio Terzett“: Hubert Heizmann, Lothar Marschner, Hubert Heizmann; „Soko Huse“: SimoneHahn, Sybille Schmider, Melanie Haberer, Katja Ressel, Musiker Frank Langenecker, Steffen Doll; „Minirocker“: Carmen Agüera Oliver, Anna Teresa Schmid, Diana Schmid, Daniel Sonntag, Sandra Sonntag; „D’ Gutacher“: Thomas Stötzel, Christoph Brüstle, Hans-Jörg Haas, Joachim Schondelmaier, Jürgen Prescher, Oliver Kronenwitter; „Vier Viertele“: Erwin Armbruster, Kathrin Gerth, Andreas Harter, Tobias Kamm; „Anonyme Schwarzwälder“: Andy Schneider, Robby Lehmann.