Die weltweit besten Pressefotos des Jahres sind ab Donnerstag in der Stadthalle zu sehen. Damit die Schau reibungslos läuft, tut sich schon im Vorfeld jede Menge bei den Mitarbeitern und dem Team der Volkshochschule. Wir haben nachgeschaut.
Mariana Rettore Baptista ist seit 2022 Kuratorin bei der World Press Photo Foundation in Amsterdam. Sie entscheidet, welches Foto wo an den weißen Holzwänden hängt, die von den Hausmeistern der Stadthalle aufgestellt wurden. Balingen betreut sie zum ersten Mal.
„Ich kann leider nicht selbst kommen“, sagt die junge Frau mit brasilianischen Wurzeln auf Englisch – und zwar im Videocall mit den Guides und Nicole Mayer, die von VHS-Seite alles koordiniert. Damit die Guides fit sind für die Führungen, geht Baptista die Bilder, Bildserien und natürlich das Siegerfoto durch und macht Vorschläge, nach welcher Choreographie das Publikum geführt werden könnte. Außerdem kennt sie die Begründungen der Jury.
Guides tauschen sich untereinander aus
Die Guides haben sich zudem untereinander ausgetauscht, ihre jeweilige Sicht auf die zum Teil doch heftigen und verstörenden Bilder und Geschichten diskutiert und gemeinsam, wenn nötig, historische und politische Hintergründe recherchiert.
Zehn Tage vor der Vernissage haben die Hausmeister damit begonnen, den großen Saal auszuräumen, berichtet Geschäftsführer Matthias Klein. „Dann sind unsere Reinigungsdamen durchgegangen.“
Die Wanderausstellung ist weltweit zu sehen, unter anderem auch in Barcelona, Sydney oder New York
Sobald die Hausmeister die Stellwände im bereits zweifach bewährten Muster aufgestellt haben, sind die drei Techniker der Stadthalle gefragt. Sie sorgen dafür, dass die Siegerfotos des weltgrößten Wettbewerbs dieser Art auch in Balingen ins rechte Licht gerückt werden.
Erst zwei bis drei Tage vor der Vernissage treffen die gut 125 Bilder – verpackt in große Kisten – aus Amsterdam ein. Walter Bleibel (VHS) und Nicole Mayer haben dann den Plan der Kuratorin und hängen die Fotos anhand diesem auf den Zentimeter genau auf.
Parallel dazu wird der Kassenbereich eingerichtet. Während der Ausstellung sind dort, an der Garderobe im Foyer und im Saal als Aufsicht feste und freie Mitarbeiter der Stadthalle im Dienst. „Wir haben in den Pfingstferien auch Ferienjobber“, sagt Klein – ein Novum, denn bislang fanden die Balinger Schauen später im Jahr und außerhalb der Ferien statt.
Die in der Eyachstadt gezeigten Fotos wurden von den Jurymitgliedern aus über 60 000 Einsendungen von 3851 Fotografen aus 130 Ländern ausgewählt. Die Wanderausstellung ist weltweit zu sehen, unter anderem auch in Barcelona, Sydney oder New York.
Ausstellung zur Pressefreiheit
Eines ist der Kuratorin wichtig: „Dies ist auch eine Ausstellung zur Pressefreiheit.“ Die Amsterdamer Stiftung arbeitet eng mit Reporter ohne Grenzen zusammen. In weiten Teilen der Erde werden Journalisten bedroht, verfolgt, inhaftiert oder getötet, weiß sie.
Ein Langzeitprojekt aus Myanmar, das sich mit der dortigen Revolution beschäftigt, ist deswegen auch nicht mit dem echten Namen des Fotografen oder der Fotografin ausgewiesen. „Er oder sie muss einen Fake-Namen benutzen, sonst droht eine Bestrafung durch das Militär“, erklärt Baptista.
Die Ausstellung ist bis zum 9. Juni täglich von 10 bis 19 Uhr zu sehen (sonn- und feiertags ab 11 Uhr). Dienstags und donnerstags schließen die Pforten um 21 Uhr. Es gibt öffentliche Führungen oder die Möglichkeit, Führungen für Gruppen zu buchen. Die Foundation empfiehlt ein Mindestalter von 14 Jahren für den Besuch.