"Open Mike" alias Michael Becker aus Stuttgart hat den Workshop mit Jugendlichen aus Winterlingen und der Ukraine geleitet. Foto: Eyrich

"Was macht mich stark?" Ein starkes Motto hatten die Teilnehmer des Ferienworkshops der Kleinkunstbühne K3 gewählt – und mit dem Ergebnis die Winterlinger beschenkt.

Winterlingen - Wer künftig das Hallenbad, die Realschule oder das Stadion daneben besucht, der bekommt tolle Kunstwerke zu sehen. entstanden sind sie in einem 14-tägigen Workshop, den die Kleinkunstbühne K3 in Kooperation mit der Realschule und der gemeinwesenorientierten offenen Jugendarbeit – zuständig dafür ist in Winterlingen das Haus Nazareth – für Jugendliche angeboten hat. Unter den 15 Teilnehmer im Alter von zehn bis 17 Jahren waren nicht nur Einheimische, sondern auch mehrere junge Ukrainer. "Integration war also inklusive", freut sich Michael Becker, bekannt als Graffiti-Künstler "Open Mike", aus Stuttgart, der den Workshop geleitet hat.

Mit Spraydose und Mut ist es nicht getan

Von ihm haben die Jugendlichen gelernt, dass es mit einer Spraydose und Mut nicht getan ist: "Erstmal Brainstorming" hat Becker angesetzt und mit den Jugendlichen Ideen gesammelt, wobei die Frage "Was macht mich stark?" im Mittelpunkt stand.

Ja, was ist es denn nun, was junge Winterlinger stark macht? Der Sport? Das Zusammensein mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten? Erfolge? Oder einfach die Überwindung des inneren Schweinehunds? "Just do it" – tue es einfach! – und "stay tuned" – bleib’ dran! – stehen nun auf den Wänden gegenüber dem Haupteingang der Realschule, gleich neben dem Eingang zum Hallenbad und auf der Seitenwand der Tribüne im Stadion.

Super Mario zockt und wird fett

Auf dem Pendant am anderen Ende der Sitzstufen hingegen müssen Betrachter einen Moment in sich gehen, bevor sie erraten, was das Graffiti zeigt: "Super Mario, der am Computer zockt und fett wird" sitze da, erklärt K3-Vorsitzende Evelin Nolle-Rieder, die den Workshop organisiert hatte. Doch auf der anderen Seite der Tastatur "sprengt Super Mario den Rahmen und wird zum Sportler", erklärt sie. "Bring it together" – bring’ sie zusammen, die beiden Welten – muss Open Mike noch in die Tastatur schreiben.

Die Basis ist jetzt gelegt

Es ist der Abschluss des Workshops, bei dem die Jugendlichen vom Profi gelernt haben, wie sie selbst Graffiti entwerfen und dann sprühen können – auf vorgrundiertem Untergrund. "Schön gleichmäßig zu sprühen ist gar nicht so einfach", gesteht Evelin Nolle-Rieder, die es selbst ausprobiert hat. Doch Becker hat "den Jugendlichen Techniken gezeigt, wie sie dünne und dicke Linien sprühen", seine Tipps weitergegeben und den Jugendlichen damit ermöglicht, auch selbst kreativ zu werden.

Pädagogisch wertvoll und integrativ

Weil es sich um ein pädagogisch wertvolles Projekt handelt, hat es der Bundesverband Soziokultur mit seinem Programm "Kultur macht stark" gefördert. "Wir haben täglich für die Kinder gekocht", berichtet Evelin Nolle-Rieder, "und für die ukrainischen Teilnehmer hatten wir Muttersprachler, die übersetzt haben. Außerdem durften Eltern zuschauen, was ihre Kinder da schaffen, und nicht zuletzt haben alle etwas davon, die künftig ein- und ausgehen im Hallenbad, in der Realschule und im Stadion – und dazu einen Anstoß, selbst stark zu werden.