Ein Workshop des Theaters Tempus fugit beschäftigt sich mit Fragen rund um die Abwertung Anderer.
Was ist eigentlich Rassismus? Hat das vielleicht sogar etwas mit mir zu tun? Betrifft es meinen Alltag, meine Gedanken, meine Sprache? Genau mit diesen Fragen setzt sich der Workshop „Nicht böse gemeint?“ auseinander – und bringt sie dorthin, wo sie oft entstehen: in den Schulalltag.
Gemeinsam mit Theaterleiterin Karin Maßen haben die Theaterpädagogen Yelyzaveta Cherniavska und Michael Geißelbrecht ein Projekt entwickelt, das sich mit modernen Formen von Rassismus beschäftigt. Elizabeth Horlemann, Trainerin und Coach mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Critical Race Theory, Diversity Management, Antirassismus und Dekolonisierung hat ihnen ein Feedback zum Konzept gegen Rassismus gegeben. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt darauf, Menschen zu stärken, die Diskriminierung und strukturelle Benachteiligung erfahren.
Im Zentrum des Workshops steht die Frage: Wie zeigt sich Rassismus heute – oft leise, beiläufig und „gar nicht so gemeint?“ Die beiden Theaterpädagogen setzen dabei auf Sensibilisierung.
Reges Interesse an Schulen
Denn Rassismus beginnt oft dort, wo Menschen aufgrund von Aussehen, Herkunft, Religion oder Kultur unterschieden werden – wo ein „Wir“ entsteht und gleichzeitig „die Anderen“.
Seit Kurzem bieten sie den Workshop an Schulen an – und stoßen auf großes Interesse. „Die Nachfrage ist hoch“, berichtet Michael Geißelbrecht. Doch eine Herausforderung bleibt: die Finanzierung. Während die Gorenflo-Stiftung die Entwicklung des Projekts kurzfristig unterstützt hat, wird für die weitere Durchführung zusätzliche Förderung benötigt.
Der Workshop selbst ist dreiteilig aufgebaut und lädt die Schüler dazu ein, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es geht um Situationen, die viele kennen: ein vermeintlich harmloser Witz, eine abwertende Bemerkung, ein Vorurteil, das schnell ausgesprochen ist. Gemeinsam wird erkundet, wie solche Äußerungen wirken – und was sie bei den Betroffenen auslösen können.
Privilegien gecheckt
Zu Beginn steht ein sogenannter „Privilegien-Check“. Hier wird sichtbar gemacht, dass nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen haben – und dass manche Vorteile oft unbemerkt bleiben. Anschließend bringen interaktive Theaterszenen typische Alltagssituationen auf die Bühne – sogenannte „rassistische Realitäten“, die viele so oder ähnlich schon erlebt oder beobachtet haben.
Im Anschluss wird es persönlich: Die Schüler sind eingeladen, Stellung zu beziehen, eigene Erfahrungen zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Workshop schafft so einen Raum, in dem Zuhören, Nachdenken und auch Unsicherheit erlaubt sind.
Ziel ist es nicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Vielmehr geht es darum, ein Bewusstsein zu entwickeln: für die eigenen Denkmuster, für die Wirkung von Worten – und für die Möglichkeit, etwas zu verändern.