Calws Kreisredaktionsleiter Ralf Klormann (vorne), dessen Stellvertreter Bernd Mutschler (links) und Jörg Braun als Vertreter der Chefredaktion gaben bei einem Workshop einer Gruppe von Lesern Einblick in die Redaktion und tauschten sich aus. Foto: Jana Heer

Bei einem lockeren Workshop anlässlich des Tages des Lokaljournalismus tauschten sich Leser mit unserer Redaktion in Calw aus. Dabei stachen vor allem zwei Themen heraus.

Die Zeitungsbranche steht unter Druck. Bundesweit. Und darüber hinaus. Besonders deutlich wird das bei einem Blick in die USA.

 

Seit 2005 sank die Zahl der US-Zeitungen von 7325 auf 4490, stellt ein Lokaljournalismus-Projekts der Northwestern University heraus. In 213 von 3144 Landkreisen gibt es kein Lokalmedium mehr.

Studien belegen die gravierenden Folgen dieses Verschwindens: die Wahlbeteiligung sinkt, gesellschaftliches Engagement erodiert, die Gefahr von Korruption steigt.

Auch wenn es in Deutschland bislang noch keine Regionen ohne Tageszeitungen gibt, stet fest: Lokaljournalismus ist essenziell für die Demokratie. Gerade auf kommunaler Ebene.

Essenziell für Lokaljournalisten ist es indes, gut hinzuhören, die Augen offen zuhalten – und nah an den Lesern zu sein.

Zur Feier des Tages des Lokaljournalismus am Dienstag, 5. Mai, hatte der Schwarzwälder Bote daher zu einer besonderen Aktion in Calw eingeladen: ein lockerer Workshop in der Redaktion, der uns inhaltlich weiterbringt und Lesern die Möglichkeit bot, ihre Anliegen an die Redaktion zu adressieren.

Unter vielen Bewerbungen wurden dabei fünf Teilnehmer ausgelost, die in dieser Woche einen Einblick in die Redaktion bekamen.

Manfred Kußmaul, Ute Steinheber, Volker Noseck, Jayantha Gomes und Harald Malaszkiewicz blickten hinter die Kulissen und tauschten sich mit der Chefredaktion, vertreten durch Lokalchef Jörg Braun, Calws Kreisredaktionsleiter Ralf Klormann sowie dessen Stellvertreter Bernd Mutschler aus.

Wir haben einige der wichtigsten Themen und Fragen des Abends zusammengestellt.

Vor welchen Herausforderungen steht die Zeitungsbranche aktuell?

Allerorten ist seit Jahren vom digitalen Wandel die Rede. Eine Entwicklung, die gerade Zeitungen vor große Herausforderungen stellt. Deren Geschäftsmodell fußt hauptsächlich auf zwei Säulen: Werbeerlöse und Einnahmen durch Abos und Direktverkauf von Zeitungen.

In beiden Feldern ist die Branche damit beschäftigt, mit der Digitalisierung Schritt zu halten.

In Sachen Anzeigen sind die Tech-Riesen Google und Co. direkte Konkurrenten; gleichzeitig verschiebt sich der Medienkonsum der Leser immer mehr ins Digitale.

Gerade Beilagen und Werbeanzeigen in der Tageszeitung sind daher so wichtig für das Geschäftsmodell. Und die Berichterstattung muss grundsätzlich sowohl digital interessant und schnellstmöglich erfolgen, als auch dazu geeignet sein, die Interessen der Leser des gedruckten Produktes bestmöglich zu bedienen.

Dazu gehören Themen, die nur online aufgegriffen werden. Tagesaktuelle Wetterwarnungen vor Sturm, Hagel und Gewitter etwa.

Nicht zuletzt steigen die Preise und Kosten für Papier, Treibstoff oder Zustellung.

Besteht die Möglichkeit, wieder einen besseren Überblick über anstehende Termine zu bieten?

Als großes Thema unter den Lesern kristallisierte sich die Rubrik „Termine und Service“ heraus, die vor rund eineinhalb Jahren in ihrer damaligen Form eingestellt wurde.

Lokalchef Braun erläuterte, dass viele Gründe letztlich zu dieser Entscheidung geführt hatten: der gewaltige Aufwand, der Kostendruck, die Zuverlässigkeit der Termine, die teils für Unmut gesorgt hatten, weil angekündigte Veranstaltungen kurzfristig ausgefallen waren und Leser vor verschlossenen Türen standen.

Viele Leser hatten sich andererseits zuvor gewünscht, dass wir auf die immer wiederkehrenden Rubriken verzichten und stattdessen mehr Text-Ankündigungen veröffentlichen – auch über den Kreis Calw hinaus.

Der Vorschlag, einen Überblick fürs Wochenende in einer möglicherweise neuen Form zusammenzustellen, stieß indes auf offene Ohren. Ein Anliegen, mit dem sich unsere Redaktion in den kommenden Woche beschäftigen wird, um ein mögliches neues Konzept in diese Richtung zu entwickeln.

Warum werden Texte gekürzt und nach welchen Kriterien?

Vereine, Veranstalter, Kirchen, Gemeinden und viele andere lassen uns Tag für Tag Mitteilungen und Ankündigungen zukommen. Die meisten erscheinen in veränderter Form – doch warum? Eine Frage, die auch in unserem Workshop eine Rolle spielte.

Meist lautet die simple Antwort: Es hat mit Platzgründen zu tun. Ist ein Text zu lang, wird er durch unsere Redakteure gekürzt und an die neue Länge angepasst. Stilistische und formale Gründe spielen ebenso eine Rolle wie das Ziel, jeden Text für möglichst viele Leser interessant zu gestalten.

Dass dabei aus Sicht der Einsender wichtige Passagen herausfallen können, liegt oft an der unterschiedlichen Perspektive, was als wichtig für die Allgemeinheit erachtet wird. Selbstverständlich unterlaufen aber auch uns Fehler. Und natürlich sind wir – nicht nur, aber gerade dann – jederzeit ansprechbar.

Warum erscheinen manche Leserbriefe nicht?

Lässt uns jemand seine Meinung als Leserbrief zukommen, bemühen wir uns, diese schnellstmöglich zu veröffentlichen.

Es kann jedoch Gründe geben, die dem entgegenstehen. Der Verfasser muss etwa für uns erreichbar sein, um etwaige Fragen zu klären.

Darüber hinaus sind starke, kritische Meinungen wünschenswert – allerdings dürfen keine falschen Tatsachenbehauptungen in die Welt gesetzt werden. Verboten sind darüber hinaus Beleidigungen oder andere strafrechtlich relevante Äußerungen. Was viele nicht wissen: Auch für Leserbriefe stehen wir in der Haftung.

Besteht die Möglichkeit eines Baustellen-Überblicks?

Wer im Kreis Calw viel unterwegs ist, kann unverhofft in eine unbekannte Baustelle samt Umleitung geraten. Ein Überblick käme gerade recht.

Eine Idee, die von unserer Redaktion gerne aufgenommen wurde. Auch hier machen wir uns in der kommenden Zeit Gedanken über eine mögliche Umsetzung.

Ist der Schwarzwälder Bote zu „links/grün“?

Einer unserer Leser kritisierte ein anhaltendes „Merz-Bashing“, eine stetige Kritik am Bundeskanzler. Generell sei die überregionale Berichterstattung zu „links/grün“ orientiert.

Grundsätzlich, so erläuterte Klormann, orientiere sich die Berichterstattung nicht an persönlichen Meinungen, sondern am öffentlichen Interesse.

Mutschler fügte hinzu, dass 100-prozentige Objektivität trotzdem unmöglich sei, da jeder Mensch durch seine Ansichten, sein Umfeld und seine Sozialisation eine Perspektive mitbringe. Dennoch werde stets so neutral wie irgend möglich berichtet – unter anderem, indem alle Beteiligten und Seiten befragt werden.

Lokalchef Braun versprach überdies, das Thema mitzunehmen und im Auge zu behalten.