Ein weißes Naturphänomen schwebt durch Wald und Flur: Calws Förster lüftet das Geheimnis der „Flusen“. Doch der harmlose Anblick birgt ein ernstzunehmendes Risiko.
Im Wald, am Wegesrand, im Carport, in der Wohnung: Seit einigen Wochen sind auf dem Calwer Wimberg – und nicht nur dort – überall weiße Flusen zu finden.
Von Weitem wirken sie wie Schnee, Wolle, Spinnweben oder Staub. Näher betrachtet sehen sie wie große Klumpen von Löwenzahn-Samen aus.
Rund 500 Weiden-Arten gibt es weltweit
Und tatsächlich, so erklärt Calws Förster Karlheinz Kollmannsberger auf Anfrage, handelt es sich um Samen. Weidensamen, um genau zu sein.
Rund 500 Arten gibt es von dieser auf der Nordhalbkugel weit verbreiteten Laubholz-Gattung, berichtet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Etwa 30 davon sind in Mitteleuropa heimisch.
Die heimischen Weidenarten blühen in der Regel von Anfang Februar bis Ende Juni; Hauptblütezeit ist jedoch zwischen Mitte März und Anfang Mai. In dieser Zeit kommen die weißen Flusen entsprechend gehäuft vor. Die Samen werden dabei zusammen mit weißer „Weidenwolle“ vom Wind verweht.
Samen übrigens, bei denen es sich nach Angaben der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg um die wahrscheinlich kleinsten einheimischen Gehölzsamen handelt. Den Angaben zufolge sind diese nur 1 bis 1,5 Millimeter lang und nur 0,2 Millimeter breit.
Gefühlt gibt es von diesem winzigen Pflanzenteilen in diesem Jahr mehr als üblich. Doch das dürfte täuschen. Denn anders als bei anderen Baumarten gibt es bei Weiden keine sogenannten Mastjahre – also Jahre, in denen die Bäume besonders viele Früchte produzieren. Und im Umkehrschluss auch Jahre, in denen sie nur wenig produzieren.
Stattdessen zeichnen sich Weiden jedes Jahr durch eine reiche Samenproduktion aus. Förster Kollmannsberger schätzt das Vorkommen in diesem Jahr indes auch nicht höher ein als sonst. „Die Weiden blühen einmal im Jahr und verbreiten dann möglichst viele Samen mit dem Wind“, erklärt er.
Weißer Flaum ist leicht entzündlich
Diese Samen befinden sich in den Gebilden, die wie Wattebäusche aussehen. „Jetzt ist die Weidenblütenzeit, demnach ist dies aktuell häufig anzutreffen.“
So hübsch der weiße Flaum anzusehen ist, so gefährlich kann er übrigens sein. Gerade in trockenen Phasen, warnt Calws Förster, sei Vorsicht geboten. Denn: Die von feiner Wolle umgebenen Samen können sich leicht entzünden.