Die letzten sechs Blasmusiker der Formation „Erste Markgräfler Dilettanten-Musik“ aus Wollbach haben sich zum letzten Mal zur eigenständigen Orchesterprobe getroffen.
Seit Jahren treffen sich die „Dilettanten“ jeweils am Mittwochabend, um volkstümliche Musik mit vorwiegend deutschem traditionellen Blasmusik-Repertoire einzustudieren. Das Orchester hat Anlässe wie das Mappacher Dämpfifescht, das Wintersweiler Schopffest, das Kartoffelfest am Kreiterhof oder das Brunnenfest in Kleinkems – um nur einige wenige zu nennen – bereichert. Bei zahllosen Frühschoppenkonzerten war es nicht wegzudenken.
Die „Erste Markgräfler Dilettanten-Musik“ ist nunmehr im 35. Jahr ihres Bestehens. Vorstand der informellen Gruppierung ist Obmann Christian Argast. Dieser schmunzelte und sagte: „Ich wurde damals per Fingerzeig von meinen Kameraden als Obmann ernannt. Bei uns war es nie sehr offiziell.“
Noch vor zehn Jahren wurde das 25. Jubiläum der Formation mit einer zünftigen Geburtstagsfete in der vollbesetzten Kandertalhalle gefeiert, damals noch mit 30 Musikern.
Gegründet wurde die Gruppe auch aus Musikern des Wollbacher Musikvereins durch Günter Prick als ehemaliger Betreiber des Traditionsgasthauses „Alte Krone“ in Wollbach. Der zwischenzeitlich 89-jährige Prick war selbst Blasmusiker und maßgeblicher Gründungsinitiator der Formation und deren langjähriger Obmann.
1989 gegründet
Die Gründung wurde 1989 beschlossen. Prick hatte damals etliche Musikerkollegen als „Altgediente“ animiert, die nichts von „neumodischem Zeug“ wissen wollten. Auch konnte als erster Dirigent der ehemaligen Haltinger Musikvereins-Dirigenten Karl Kaufmann gewonnen werden. Den Namen „Dilettanten“ erhielt die Gruppierung aufgrund der Weigerung eines ehemaligen Wollbacher Dirigenten, das Orchester dieser „Dilettanten“ zu leiten.
Die Proben gingen jedoch bestens von der Hand, und am 1. Mai 1990 präsentierte sich die Formation erstmals mit einem Platzkonzert vor Publikum. Die Premiere war der Startschuss für ein überregional begehrtes und unkompliziertes Blasmusikorchester.
Seit Jahren Spielgemeinschaft mit dem Eisenbahner Musikverein
Nach Kaufmann übernahm Werner Lehmann (Ex-Dirigent des Musikvereins Märkt) den Taktstock, es folgte Hartmut Katrinski, dann wieder Werner Lehmann. Seit einigen Jahren dirigiert Michael Glünkin die Gruppe, er ist gleichzeitig Dirigent des Eisenbahner Musikvereins aus Weil am Rhein. Beide Formationen bilden seit Jahren eine Spielgemeinschaft und helfen sich gerne gegenseitig aus.
Den Trend, dass jüngere Blasmusiker die Abgänge nicht mehr füllten, spürten trotz Werbung auch die „Dilettanten“ . Obmann Christian Argast schmunzelt: „Ich war bereits bei der Gründung der Gruppe der Jüngste, und bin es jetzt mit 61 Jahren immer noch.“ Es seien kaum Austritte erfolgt, aber Gesundheit und Alter forderten ihren Tribut innerhalb der überwiegend älteren Musiker.
Der älteste Musiker der „Dilettanten“ ist der 88-jährige Saxophonist Manfred Helm. Die fünf weiteren Mitmusiker der letzten Probe waren Christian Argast (Tuba), Bernd Krug (Saxophon), Manfred Zäh (Tenor-Saxophon), Helmut Engel (Trompete) und Dieter Greßlin (Trompete). Als Gastmusiker der Eisenbahnermusiker und des Musikvereins Märkt wirkten Dirk Ruppertz (Euphonium) und Claudia Schmidt an der Klarinette mit.
Kein Abschied für immer
„In einem schleichenden Prozess haben wir uns allmählich entschieden, unsere eigenständige Formation aufzugeben“, erklärt Dirigent Glünkin. Es mache keinen Sinn mehr, vorbereitet zur Probe zu erscheinen und nur fünf Mitmusiker anzutreffen.
Anschluss findet die Gruppierung nun beim Eisenbahner Musikverein, der sich über die Verstärkung freut. Geprobt wird in der Märkter Halle, die nächste anstehende Präsentation ist beim Volkstrauertag auf dem Märkter Friedhof. Die Musiker der „Dilettanten“ nahmen den Abschied bei ihrer letzten eigenständigen Probe nicht dramatisch und sagten unisono: „Wir sehen das Ende realistisch.“ Obmann Argast freute sich: „Jeder Dilettant darf sich in der letzten Probe noch sein Lieblingsstück wünschen.“
Wie geht es jetzt weiter?
Es folgt
noch eine gemeinsame Weihnachtsfeier, im März wird die Auflösungsversammlung erfolgen. Künftig wird gemeinsam mit dem Musikverein Märkt in der Märkter Festhalle, jeweils dienstags zwischen 19.45 Uhr und 21.30 Uhr, geprobt.