Mohamed Elmorsi hat im Backen seine Berufung gefunden. Foto: Fischer

Mohamed Elmorsi ist seit drei Jahren in Deutschland. Der gebürtige Ägypter führt das Wolftalcafé am Lindenplatz in Oberwolfach. Wegen Corona musste er nun einige Wochen schließen. Doch das bedeutet nicht nur wegen des Umsatzes Probleme.

Oberwolfach - Vor mehr als drei Jahren ist Mohamed Elmorsi nach Deutschland gekommen. Der Weg bis nach Oberwolfach war nicht einfach und hat lange gedauert, erzählt der gebürtige Ägypter. "Ich habe davor als Restaurantmanager im Camp der UN in Somalia gearbeitet. Über Facebook und einen Kontakt in Deutschland hatte ich eigentlich einen Job im Hotel Drei Könige gefunden, doch dann habe ich kein Visum bekommen", erzählt der 36-Jährige.

Bürgermeister hilft ihm Arbeit zu finden

Geholfen hat ihm letztendlich Bürgermeister Matthias Bauernfeind. Dieser habe von dem Schicksal des jungen Mannes erfahren und ihm vorgeschlagen, das Wolftalcafé zu übernehmen. Nach rund zwei Jahren Papierkram und einer weiteren Absage hat es dann schlussendlich doch noch geklappt. "Eigentlich hatte ich nicht den Plan, direkt ein eigenes Café zu eröffnen, aber nun liebe ich es und hänge sehr daran. Ich bin kein gelernter Bäcker, das Handwerk habe ich von den Hobby-Bäckerinnen hier im Café, dank Facebook und aus Backbüchern gelernt."

Kuchen darf nicht außer Haus verkauft werden

Doch dass er den Beruf nicht offiziell erlernt hat, wird Elmorsi nun zum Verhängnis: Er darf deshalb keine Kuchen mehr zum Mitnehmen verkaufen. Das heißt, alle Kunden müssen ihr Essen im Café verzehren. "Im Lockdown hatten wir eine Ausnahmegenehmigung, die besteht nun nicht mehr. Und jetzt mit der 2G-Plus-Regel kommt natürlich fast niemand mehr ins Café, also habe ich beschlossen, es für ein paar Wochen zu schließen", berichtet Elmorsi.

Visum verpflichtet zu fünf Jahren im Café

Dabei hat für ihn das Café eine ganz besondere Bedeutung: Weil er ein Selbstständigkeitsvisum hat, muss er fünf Jahre lang das Café betreiben. Zwar könnte er jederzeit eine Anerkennung zum Bäcker oder eine Ausbildung machen, das sei aber momentan aus zeitlichen Gründen kein Thema. "Der Sachkunde- Nachweis braucht Zeit, Geduld und Geld. Dazu reichen keine vier Wochen Schließung des Cafés", so Elmorsi.

Eine Siebtage-Woche

Am Anfang, als er das Café eröffnete, habe er mit sieben Mitarbeitern angefangen, darunter zwei Hobby-Bäckerinnen. "Damals habe ich sieben Tage die Woche offen gehabt und manchmal von morgens um sechs Uhr bis um Mitternacht gearbeitet. Im ersten Lockdown haben wir am Wochenende 40 selbstgebackene Kuchen verkauft", erzählt Elmorsi.

Aufgeben will er nicht

Doch wegen der Corona-Pandemie musste er bis auf eine Mitarbeiterin, die ab kommendem Jahr in Kurzarbeit ist, alle entlassen. Wie lange sein Café gegenüber der Festhalle nun noch geschlossen bleibt, weiß der Oberwolfacher noch nicht genau. Doch aufgeben will der 36-Jährige auf keinen Fall, im Gegenteil: "Als ich wegen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Deutschland gekommen bin, wusste ich, worauf ich mich einlasse. Ich akzeptiere die Regeln und Gesetze hier und kämpfe nun für meine Arbeit und die Sache, die ich liebe."

Jeden Tag kommt er für ein paar Stunden her

Bis zur Öffnung nutzt Elmorsi die Zeit, kommt jeden Tag für ein paar Stunden in seinen Laden und setzt sich mit Büchern und seinem Computer an einen der Tische. "Ich lerne in dieser Zeit Deutsch und für die Fahrschule. Die ersten drei Monate war meine Zunge geschlossen, ich habe nur hinter der Theke gearbeitet und nicht bedient." Inzwischen habe er sich hier gut eingelebt, werde manchmal auf der Straße von Stammkunden angesprochen und nach dem Café gefragt. Wenn er ihnen mitteilen muss, dass es erstmal keinen Kuchen mehr im Wolftalcafé gibt, reagierten die meisten traurig und verständnisvoll. In den vergangenen drei Monaten sei der Umsatz rapide zurückgegangen, auch zum Frühstücken sei wegen der neuen Regeln niemand mehr gekommen. Elmorsi hofft nun auf eine Lockerung, damit er bald wieder die Türen seines Cafés öffnen kann.

Regelung

Wer keine entsprechende Ausbildung hat, darf Kuchen nur zum Verzehr vor Ort anbieten. Für den Verkauf zum Mitnehmen ist eine Eintragung in die sogenannte "Handwerksrolle" nötig. Damit ist der Verkauf grundsätzlich an das Ablegen der Meisterprüfung als Konditor gekoppelt.