Timm Rössler fotografiert das Raubtier mit Beute zwischen Grünmettstetten und Waldachtal. Der Wolf hatte ein Reh gerissen und trug es im Maul.
Timm Rößler hat wohl den Wolfsbeweis: Das Raubtier mit der vermutlich frisch gerissenen Beute im Maul hat er fotografiert. Rößler sagt: „Ich war mit dem Auto unterwegs – auf der Kreisstraße zwischen Grünmettstetten und Tumlingen. Plötzlich lief ein Wolf über die Straße – er hatte ein Reh im Maul.“
Der Fischinger sah, wie der Wolf das Reh ablegte und es fressen wollte. Rößler: „Als ich mich mit meinem Auto weiter genähert habe, hat der Wolf das Reh wieder aufgenommen und ist ganz gemächlich weiter gegangen.“
Das Raubtier verschwand im Wald – „ein Riesenkaliber, größer als ein Schäferhund“. Insgesamt habe er den Wolf zwischen zwei und drei Minuten gesehen, so Rößler.
War das gesichtete Tier wirklich ein Wolf?
Peter Daiker, Wildtierbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, hat den Fall untersucht. Er sagt: „Für den sicheren, gerichtsfesten Wolfsbeweis reicht das Foto nicht aus. Dazu braucht es ein sauberes, klares Bild, auf dem der Wolf mit allen seinen Merkmalen zu erkennen ist. Am besten noch ein genetischer Nachweis. Ich gehe aber davon aus, dass es ein Wolf war, den Timm Rößler gesehen hat.“ Daiker hat nicht nur am Dienstag, 6. Mai, die Spuren des Wolfes fotografiert, sondern auch einen Rehschädel in der Nähe gefunden. Der Wildtierbeauftragte: „Da ist aber so viel Tierwelt in der Zwischenzeit drüber gegangen. Es ist deshalb unklar, ob das von der Beute des Wolfs stammt.“ Für den genetischen Nachweis reicht beispielsweise eine Losung des Tieres. Die konnte der Experte vier Tage nach der Sichtung jedoch nicht mehr finden.
Ist die Angst vor dem Wolf berechtigt?
Daiker meint: „Nein. Für die Bevölkerung ist es gefährlicher, einem freilaufenden Hund zu begegnen. Statistisch gesehen werden mehr als drei Menschen jährlich durch Hunde totgebissen. Dazu gibt es über 25 000 Verletzungen durch Hundebisse in Deutschland. Den Wolf gibt es seit etwa 25 Jahren im Kreis – noch nie wurde ein Mensch angegriffen.“
Wie sollte man sich bei einer Sichtung verhalten?
Daiker sagt: „Nicht nähern, auch nicht für ein Foto. Das Tier ist neugierig, zieht sich dann aber zurück.“
Was müssen Tierhalter jetzt beachten?
Daiker: „In der Raumschaft dort ist es schon teilweise Praxis, einen wolfsabweisenden Zaunschutz zu installieren. Das wird auch vom Land gefördert. Freilaufende Schafe gehören hinter einen Elektrozaun – das ist auch gut gegen freilaufende Hunde.“