Auch im Gäu war bereits ein Wolf unterwegs. Foto: © giorgiape - stock.adobe.com/Photographer: giorgia pesarini

Bei der Untersuchung eines gerissenen Rehs nahe Merklingen wurden keine typischen Merkmale registriert, die für die Einwirkung durch einen Wolf sprechen.

Erst knapp einen Monat ist es her, seit das baden-württembergische Umweltministerium bestätigte: Auch im Gäu ist ein Wolf unterwegs. Zumindest steht fest, dass ein solcher auf dem Gemeindegebiet von Weil der Stadt vor wenigen Wochen ein Reh gerissen hat, das Mitte März gefunden wurde. Das bewies eine genetische Untersuchung der Abstrichprobe am Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik.

Unklar blieb dabei, ob es sich bei dem Tier um den Wolfsrüden GW852m handelt, der seit längerer Zeit sein Territorium im Nordschwarzwald hat, oder um ein anderes Exemplar.

Gerücht erweist sich als teilweise richtig

Und noch während die Nachricht über den nachgewiesenen Riss die Runde machte, war in Teilen der Bevölkerung im Gäu bereits das Gerücht im Umlauf, dass im Bereich Weil der Stadt-Merklingen ein weiteres totes Reh entdeckt worden sei, das ebenfalls von einem Wolf erbeutet wurde.

Nun meldete der Landkreis Böblingen: An dem Gerücht war offenbar etwas dran – zumindest zum Teil. Sicher ist: Am 26. April wurde tatsächlich ein totes Reh als Verdachtsfall gemeldet, nachdem die zuständige Jagdpächterin das Tier aufgefunden hatte.

Allerdings, so heißt es in der Mitteilung des Böblinger Landratsamtes, lasse sich dieser Riss nicht gesichert auf einen Wolf zurückführen. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) erklärt darüber hinaus, es sei „nicht möglich, eine Aussage über die Todesursache zu treffen“. Und: Es würden keine typischen Merkmale vorliegen, die für die Einwirkung durch einen Wolf sprechen.

Nicht außergewöhnlich

Die Förster im Landkreis Böblingen würden dennoch verstärkt die Augen offen halten, um – wie im Fall des aufgefundenen Rehs – schnell aktiv werden zu können.

Dass die FVA keine Tierart sicher bestimmen konnte, durch die das Reh zu Tode gekommen ist, sei indes nicht außergewöhnlich. Das würden die Zahlen des vergangenen Jahres bestätigen. 2022 wurden über das Wolfsmonitoring der FVA insgesamt 835 Meldungen mit Wolfsverdacht registriert, nur 112 davon konnten letztlich sicher einem Wolf zugeordnet werden. Aus dem Landkreis Böblingen gab es 2022 acht Meldungen, die entweder als „falsch“ oder „unsicher“ beurteilt wurden.

Bei Verdachtsfällen in Sachen Wolf ist unter anderem die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) Ansprechpartner, erreichbar unter der E-Mail-Adresse info@wildtiermonitoring.de oder Telefon 0761/4 01 82 74.