Wer Imker werden will, muss einiges beachten: Wolfgang Markowis aus Schlatt erklärte deshalb Nachwuchs-Bienenhaltern, wie man die gelb-schwarzen Insekten korrekt hält, versorgt und was es braucht, um mit ihnen Geld zu erwirtschaften.
Kaum sprießen die ersten Blüten, sind die Bienen unterwegs. Geheimnisvolle Tierchen sind das: Irgendwie produzieren sie Honig, leben in großen Völkern in Holzkisten, die irgendwo in der Landschaft stehen und von Pfeife rauchenden Imkern für sie aufgestellt werden – und irgendwie geistert einem noch die Biene Maja im Kopf herum, die auf einer Wiese Abenteuer erlebt. So weit die Klischees. Wie die Tierchen wirklich leben und wie man sie halten kann, das hat Wolfgang Markowis aus Schlatt, zweiter Vorsitzender des Hechinger Imkervereins, am Samstag in einem Kurs etwa zehn Nachwuchs-Imkern erklärt.
Was motiviert Nachwuchsimker und was sind die Vorteile?
Doch was treibt sie an, sich Bienenvölker anzuschaffen? Liebe zur Natur, mal irgendwas ohne Computer machen, Faszination für das Beobachten von Tieren, – so die Antworten. Wolfgang Markowis sagt: „Das sind Haustiere, die einen nichts kosten sondern sogar etwas Geld einbringen“. Naturhonig verkaufen sei nicht so schwer. Er kennt Leute, die hätten sich mit Imkerei ihr Studium finanziert. Dazu brauche man etwa 25 Völker, müsse einen Tag in der Woche dafür arbeiten und brauche etwas Geschick für die Direktvermarktung. Und viel Erfahrung mit der Imkerei würde sicher auch nichts schaden, das wird einem im Kurs schon auch schnell klar.
So sieht es mit der Symbiose zwischen Imker und Biene aus
Und was haben die Honig-Bienen davon, dass sie den Menschen ihren Honig abgeben? Der Imker stellt ihnen eine Holzkiste mit Einflugloch und Wabeneinsätzen als Wohnung zur Verfügung, ohne die sie nicht überleben könnten. Schwärmt ein Volk aus, würde es in der freien Natur kaum ein Gehäuse finden, in dem es nicht erfrieren würde. Deshalb fühlen sich Imker auch verpflichtet, ausgeschwärmte Völker wieder einzufangen. Damit hat er dann aber auch ein weiteres Volk im Bestand. Außerdem werden die Bienen mit Zucker über den Winter hinweg gefüttert und vom Imker gegen Schädlinge geschützt. Zudem schaut dieser danach danach, dass sich das Volk gut entwickelt. Wie das in der Praxis geht, wurde den Kursteilnehmern auch gezeigt. Wer sich auskennt, konnte die Holzkisten öffnen: Drinnen ein Gewusel von Bienen, die ganz friedlich bleiben – wenn man weiß, wie man sich besser nicht hinstellen sollte. Waben rausnehmen und von Hand zu Hand geben ist laut Markowis völlig problemlos, so lange man starke Erschütterungen vermeidet.
So unterschiedlich ist das Leben Königin und Arbeiterinnen
Wichtig im Frühjahr ist die Frage: Wie geht es der Königin? Denn es gibt nur eine in jedem Volk. Schlüpft eine neue Königin, ist ihre erste Amtshandlung, dass sie alle anderen heranwachsenden Königinnen ersticht. Sie wird etwa vier Jahre alt. Die Arbeitsbienen immer Sommer höchstens vier Wochen: Da schuften sie sich buchstäblich für ihr Volk zu Tode. Im Winter, wo alle im Bau sitzen bleiben, können die Bienen auch mal vier Monate alt werden. Diese Bienen sterben im Frühling dann massenhaft, um den fitten, jungen Nachwuchs-Arbeitsbienen das Feld zu überlassen. Die stürzen sich dann ins Freie, sammeln derzeit bereits den Nektar von Saalweide-Blüten und sie ziehen selbstlos die neuen Bienen groß, die sie in wenigen Wochen ersetzen werden. Dann sterben sie. Alle opfern sich jederzeit ohne zu zögern für ihr Volk auf. Die Freude des Imkers ist es laut Markowis, ihnen optimale Bedingungen für ihre Art zu leben zu geben.
Der Unterschied zur Biene Maja
Ist so eine einzelne Biene, überhaupt ein eigenständiges Lebewesen, wie etwa die Maja in ihrer Zeichentrickserie? „Jede Biene sollte selbstverständlich mit Respekt und Rücksicht behandelt werden“, betont Markowis, aber er empfinde schon eher das Bienenvolk in seiner Gesamtheit als den eigentlichen Organismus. „Ein Bienenvolk ähnelt einem Säugertier“, erklärt er. „Sie halten im Stock eine Temperatur von 37 Grad und ernähren ihren Nachwuchs mit einer Art Milch“.
So teuer und zeitintensiv ist die Imkerei
Die Nachwuchsimker schauen beeindruckt. Mit Holzrahmen in der Hand, an dem hunderte Bienen hängen, stellen sie Fragen: Ist die Imkerei teuer? Zwei Völker brauche man mindestens, sagt Markowis. Unter 1000 Euro könne man loslegen. Allerdings brauche man Platz für die Ausrüstung. „Eine Garage wäre schon wichtig“, sagt er. Leute, die einen die Völker auf ihren Grundstücken aufstellen lassen, fänden sich dagegen leicht. Bienen sind friedlich und bei weitem nicht so lästig wie Wespen. Eine weitere Frage: Wie viel Zeit braucht man für die Imkerei? Von Mitte April bis Mitte Juni sollte man schon mal jede Woche nach seinen Völkern schauen, so Markowis. Danach könne man sich dafür auch mal vier Wochen Zeit lassen. Und im Herbst und Winter sei es dann sogar noch entspannter.
Hechinger Imkerverein
Geschichte
Der Bezirksverein der Bienenzüchter Hechingen wurde im Jahre 1886 von Remigius Pfeffer, Lehrer in Weilheim, gegründet. Die erste Versammlung fand 1886 im Gasthaus Lamm in Weilheim statt.
Verein
Der Bezirksverein der Bienenzüchter Hechingen hat laut seiner Homepage derzeit 134 Mitglieder, die über 1000 Bienenvölker betreuen. Das Vereinsgebiet umfasst Hechingen, Grosselfingen, Bisingen, Rangendingen, Jungingen und das obere Killertal. Für die Imker werden Fachvorträge und Informationsveranstaltungen organisiert, für Nachwuchsimker werden Kurse angeboten.