Zwei Alpha-Tiere: Wolfgang Grupp und Uli Hoeneß werden wohl keine Freunde mehr. Foto: dpa

Anfang der 80er Jahre wäre das Textilunternehmen Trigema aus Burladingen beinahe Trikotsponsor des FC Bayern München geworden. Wieso es nicht geklappt hat, dazu gibt es zwei Versionen. Eine von Wolfgang Grupp, die andere von Uli Hoeneß – einer von beiden sagt die Unwahrheit.

Für Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der im Interview mit unserer Redaktion über Gier und Größenwahn spricht, ist klar: „Herr Hoeneß hat das alles erfunden.“ Hoeneß wiederum erzählt öffentlich weiter seine Anekdote. Beide Geschichten haben jedoch hohen Unterhaltungswert – und zu Beginn auch ganz viel gemeinsam. 

Rückblick: Anfang der 80er Jahre hatte Trigema 13 Bundesligavereine unter Vertrag – obwohl oftmals der Ausrüster ein anderer gewesen ist. Das Trigema-Logo prangte auf Trikots von zum Beispiel Borussia Mönchengladbach, 1. FC Kaiserslautern, Waldhof Mannheim, Werder Bremen und Schalke 04. Der FC Bayern München als „die Top-Mannschaft“ zählte nicht dazu.

Als der italienische Nutzfahrzeughersteller Iveco, der wenige Jahre zuvor Magirus-Deutz aus Ulm übernommen hatte, wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte, da witterte Wolfgang Grupp seine Chance.

Wolfgang Grupp und Trigema wollten 1,5 Millionen DM zahlen

„Iveco musste damals sparen und hatte Leute entlassen, da passte eine Verlängerung moralisch nicht zusammen“, erinnert sich der Grupp in einem Gespräch mit web.de. Im OMR-Podcast (Folge 541) von und mit Philipp Westermeyer erläuterte er im November 2022: „Damals war mein Ziel, auch mal beim Top-Verein mit Trigema auf der Brust zu sein.“

Also rief er Uli Hoeneß an. Beide kannten sich, weil sie die Aldi-Gruppe als gemeinsamem Kunden hatten. Grupp für Textilien, Hoeneß für Würstchen. Uli Hoeneß – damals Anfang 30 – war Grupp als „schwieriger Unternehmer mit einer klaren Meinung bekannt“, klärte die Konditionen aber trotzdem intern ab. 1,5 Millionen DM sollte das Trikotsponsoring kosten, 600.000 DM mehr als Iveco bezahlt hatte – und so viel wie damals noch nie zuvor dafür bezahlt wurde. Auch für Trigema und Wolfgang Grupp kein Taschengeld.

„Irgendwann habe ich zurückgerufen und gesagt: ‚Herr Hoeneß, wir wären bereit, zwei oder drei Jahre lang jeweils 1,5 Millionen Mark zu bezahlen.‘ Für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres war das ein Riesen-Betrag“, sagt Grupp. Bis zu diesem Punkt sind die Versionen von Wolfgang Grupp und Uli Hoeneß nahezu deckungsgleich. Die Geschichte zur Frage, wie das Geschäft dann aber platzte, unterscheidet sich komplett.

Trigema und der FC Bayern: die Version von Uli Hoeneß

Laut Uli Hoeneß habe es von vornherein ein Problem mit Adidas gegeben. Als Grupp mitgeteilt hatte „Herr Hoeneß, wir machen das!“, sei der Ausrüster von Bayern München mit dem Blick auf die Kombination aus drei Adidas-Streifen und Trigema-Logo nicht „nicht gerade happy“ gewesen. 

„Um diese Zeit herum hat Commodore ebenfalls angefragt, ob unsere Trikot-Brust frei ist“, erinnert sich Hoeneß. Der Computer-Hersteller sei sogar bereit gewesen, ggf. sogar mehr als eineinhalb Millionen zu zahlen. Der FC Bayern entschied sich für Commodore – auch um dem „Problem Adidas“ aus dem Weg zu gehen.

Hoeneß: „Ich Idiot habe mich entschieden...“

Hoeneß: „Dann hätte ich die Möglichkeit, Herrn Grupp einen Brief zu schreiben, es zu bedauern. Ich hätte ihn anrufen können, aber nein, ich Idiot habe mich dafür entschieden, ihn zu besuchen, um ihm das persönliche beizubringen.“

In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ seien Hoeneß und Schatzmeister Fritz Scherer bei Nebel, Regen und Schnee auf die Schwäbische Alb nach Burladingen gefahren. Dort seien sie von Grupp allerdings unangenehm freudig empfangen worden. „Er war offensichtlich der Meinung, wir unterschreiben jetzt gleich den Vertrag“, so Hoeneß.

Zum gemeinsamen Essen gab es „Wolfgang-Grupp-Wein“ und Hirsch von Grupps eigener Jagd. Hoeneß: „Es war ein wunderschöner Abend, aber ich wurde unruhiger.“ Und weiter: „Dann hat er uns gesagt: ‚So, und für den geschäftlichen Teil des Abends gehen wir jetzt in den Rittersaal.‘ Das war ein Stockwerk höher.“

Dort habe Grupps damaliger Finanzchef Klaus Bernius einen Scheck in Höhe von 1,5 Millionen DM übergeben wollen. „Ich habe laut gedacht: „Um Gottes Willen! Das wird jetzt lustig“, so berichtet Hoeneß amüsiert. „Also meine Herren, wir haben uns entschieden, dass wir jetzt mit Bayern München drei Jahre zusammenarbeiten“, wandte sich Grupp laut Hoeneß an die Bayern-Vertreter.

„Raus, raus, ich möchte Sie nie mehr sehen!“

Erst dann klärte Hoeneß das „kleine Missverständnis“ auf. „Als wir ihm sagten, dass wir nicht gekommen sind, um den Vertrag abzuschließen, sondern um mitzuteilen, dass wir es nicht machen können, dachte er, wir seien verrückt“, sagt Hoeneß. Als Grupp den Ernst der Lage jedoch begriff, verwies er die beiden unsanft seines Hauses: „Raus, raus, ich möchte Sie nie mehr sehen!“

Und so sei es auch gekommen. Hoeneß schient, als er die Geschichte Ende 2018 öffentlich erzählt hat, darüber aber nicht allzu frustriert. Er bezeichnete die Begegnung vor über 30 Jahren mit Wolfgang Grupp als „lustige Geschichte“. 

Trigema und der FC Bayern: die Version von Wolfgang Grupp

Für Trigema-Boss Wolfang Grupp (80) ist der Fall klar – nur eben komplett anders. Nach der telefonisch geäußerten Bereitschaft seitens Trigema, 1,5 Millionen Mark zu zahlen, sei Uli Hoeneß gemeinsam mit Fritz Scherer, der zwischen 1979 und 1985 Schatzmeister beim FC Bayern war, nach Burladingen gekommen.

„Mit meinem damaligen Prokuristen und Juristen haben wir alles vorbesprochen, anschließend auch Mittag gegessen, uns den ‚königlichen Handschlag‘ gegeben und gesagt: Wenn Iveco die Option zur Verlängerung nicht einlöst – was anzunehmen war –, dann ist Trigema ab Sommer auf der Bayern-Brust“, so Wolfgang Grupp im OMR-Podcast.

Ähnlich äußerte er sich auch bei web.de: „Wir haben alles besprochen, dann haben wir schön zu Mittag gegessen bei mir im Rittersaal, wo es eine große Tafel gibt. Bei der Verabschiedung haben wir uns den königlichen Handschlag gegeben."

Wolfgang Grupp: „Herr Hoeneß hat sein 'Königliches-Handschlag-Wort' gebrochen“

Ein schriftlicher Vertrag sei noch nicht möglich gewesen. Dazu fehlte noch der offizielle Rückzug Ivecos. Hoeneß habe Grupp versichert: „Auf die Zukunft – wenn Iveco die Option nicht einlöst, ist Trigema drauf.“

Iveco löste die Option nicht ein. Dann gab es eine Funkstille zwischen Trigema und dem FC Bayern, zwischen Wolfgang Grupp und Uli Hoeneß. „Irgendwann hat mein Prokurist bei ihm angerufen, da hat er ein bisschen rumgestottert“, so Grupp. Bayerns Ausrüster und Partner Adidas müsse wohl opportuniert haben.

Trigema-Boss: Darstellung von Hoeneß schlichtweg falsch

Für Wolfgang Grupp steht fest: „Herr Hoeneß hat sein „Königliches-Handschlag-Wort“ gebrochen und es nicht eingelöst.“ Dass Uli Hoeneß die Geschichte anders erzählt, hat der Trigema-Chef zur Kenntnis genommen: „Aber das stimmt natürlich nicht. Wir haben uns verabredet, ganz klar: Ist Iveco nicht mehr auf der Brust, lösen die nicht ein, ist Trigema drauf.“

Die Hoeneß-Darstellung sei schlichtweg falsch. Grupp: „Er hat das alles erfunden, um ein bisschen besser aus der Situation, um vom Handschlag loszukommen. Ein Wolfgang Grupp wirft keinen raus. Wenn ich einen empfange, dann empfange ich ihn, wir sprechen offen miteinander. Ich bin immer hochanständig.“

Trikotsponsoren beim FC Bayern München

Wer auf der Trikotbrust vom FC Bayern München werben will, der muss mittlerweile 45 Millionen Euro pro Jahr zahlen. So macht’s die Telekom – ein Weltkonzern. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre war dies noch ganz anders.

Magirus-Deutz war ab dem Sommer 1978 Trikotsponsor des Rekordmeisters, durch die Übernahme durch den italienischen Nutzfahrzeughersteller Iveco prangten in unterschiedlichen Proportionen sogar jahrelang beide Namen auf dem Trikot.