Kommt die Ampel über die B294 oder nicht? Wolfachs Rat will zuvor eine weitere Variante geprüft wissen. Foto: Lupfer

Der geplante Radweg zwischen Schiltach und Wolfach sorgt auch weiterhin für Diskussionsbedarf. Nach einem Austausch untereinander fordern die Räte aus beiden Kommunen eine Fristverlängerung vom RP Freiburg, um alternativ zu planen.

So klar sich das RP Freiburg zuletzt gegen alternative Planungen für den Anschluss des neuen Radwegs von Wolfach nach Schiltach an Halbmeil positioniert hatte, so intensiv wurde in den vergangenen Tagen über eben jene diskutiert. Mitglieder der Gemeinderäte Schiltach und Wolfach tauschten sich zum Thema aus, dann stimmte eine breite Mehrheit des Wolfacher Rats nach langer Diskussion für einen gemeinsamen Antrag von CDU, Freien Wählern und SPD. In dem beantragten die Fraktionen, beim RP eine Verlängerung der bis Jahresende gesetzten Frist fürs Ampel-Ja zu erbeten, bis auf Kosten der Stadt Schiltach ein neuer Unterführungs-Entwurf geplant und geprüft wurde.

 

Schiltach und Wolfach wollen Fristverlängerung

Der soll nach Vorschlag von Lehengerichts Ortsvorsteher Thomas Kipp von der „Löwen“-Brücke rechts der B294 talaufwärts bis zum Brückenlager führen und dort unter der Bundesstraße hindurch auf die andere Seite.

„Das aber in einer Wegführung, die weder steil ist noch Schutzgüter berührt“, erläuterte Hardy Happle (CDU) den gemeinsamen Antrag. Was die drei Fraktionen überzeugt habe, sei, dass der Verkehrsfluss auf der B294 nicht gehemmt werde und es keine Lärmbelastung durch anfahrende Fahrzeuge gebe, „weil man die Straße nicht anfassen müsste“. Weil man aus Sicht Kipps und der Fraktionen auch nicht in Schutzgebiete eingreife, „würde sie auch diese Nachteile nicht haben, die zum Ende der Varianten zwei bis fünf geführt haben“.

Darum solle der Variante sechs getaufte Entwurf zumindest geprüft werden. „Wir müssen auch als Gemeinderäte schauen, dass man die richtige Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte trifft“, pflichtete Kordula Kovac (CDU) bei. „Jetzt haben wir einen neuen Vorschlag, in dem diese Argumente zu einem ganz wesentlichen Teil nicht mehr ziehen“, befand Peter Ludwig (CDU) die Punkte Natur- und Gewässerschutz von der Variante sechs nicht berührt. Sollte das RP die Fristverlängerung verweigern, „dann haben wir in der nächsten Sitzung eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage“. Bürgermeister Thomas Geppert verwies auf weiteren Austausch mit dem RP seit dem Schreiben von Verkehrs-Abteilungspräsident Karl Kleemann Mitte November: „Die Aussage am Telefon zu mir – und die ist von gestern – war die, dass von dem Schreiben nicht abgerückt wird. Ich sag’s wertfrei, wo wir stehen.“ Für die geforderte Prüfung müsse man zuerst in aller Form eine Fristverlängerung erbeten, und zwar bis ins nächste Jahr: „Ich sehe da schwarz, dass wir das bis Weihnachten oder Jahresende hinbekommen.“ Die zweite Aussage des RP sei: Ohne Ja zur Ampel laufe das neue Jahr an, „der Zuschusstopf wird vergeben und die Städte Wolfach und Schiltach sind dann erstmal hinten dran“. Er verstehe das Bestreben, „kommunalpolitisch noch was reißen zu wollen“. Doch stehe damit schlimmstenfalls das ganze Projekt auf der Kippe: „Das Risiko halte ich für zu hoch.“

Planfeststellungsverfahren ist denkbar

René Plaasch (SPD) kritisierte den Zeitdruck. Er verstehe nicht, „warum wir jetzt in zwei Monaten unsere Meinung bilden müssen, wenn wir wissen, dass der Radweg in zwei Bauabschnitte aufgeteilt ist“. Doch wäre Variante sechs überhaupt denkbar? „Diese Art von Varianten haben wir in abgewandelter Form schon gehabt“, sagte Dietmar Ribar vom Ingenieurbüro Zink, der die Pläne für die Ampel-Lösung vorstellte. Nach wie vor sei man mit Kipps Vorschlag im Gewässerrandstreifen. „Das können wir gar nicht wegdiskutieren.“ Technisch sei die Variante möglich.

„Ob es verfahrenstechnisch genehmigungsfähig sein wird, weiß ich nicht.“ Vermutlich werde es auf ein Planfeststellungsverfahren hinauslaufen, über dem die Frage stehe, ob es eine vergleichbare Lösung ohne Eingriffe gebe. „Dann muss man klar sagen: Es gibt sie nach wie vor.“ Unabhängig dieser Einschätzung: Rund drei Wochen brauche es für Vermessung und Planung, um dem RP einen belastbaren Entwurf vorlegen zu können. Henning Hermes (Grüne) warb um Vertrauen für die Fachleute: „Die haben sich über ein Jahr lang Varianten ausgedacht und bewertet. Ich maße mir nicht an, das alles zu überblicken.“ Ihm fehle das Verständnis, alles zu zerreden Am Ende stimmten aber außer Hermes und Carsten Boser (Grüne) sowie Geppert alle für den Antrag der Fraktionen. „Es ist genau der richtige Weg“, befand Hans-Joachim Haller (SPD): „In der nächsten Sitzung bekommen wir mitgeteilt, ob’s funktioniert oder nicht. Dann haben wir alles versucht.“

Einzelheiten zu Variante sechs

Dietmar Ribar vom Ingenieurbüro Zink stellte Details zum Ampel-Entwurf vor. Mehrere Induktionsschleifen in der Fahrbahn sowie Wärmebild-Kameras zur Erfassung von Radler-Gruppen sollen in Kombination mit moderner Software eine flexible Schaltung im Bedarf sicherstellen. Abbiegespur und Beschleunigungsstreifen sollten nach dem Willen des RP auf jeden Fall zurückgebaut werden, um Fläche zu entsiegeln. Überdies soll eine der Verkehrsinseln entfallen. Dadurch werde die Situation für Lastwagen sogar verbessert: Stand heute müsste ein Langholz-Transporter nach der Schleppkurven-Simulation die Verkehrsinsel überrollen, wenn er die Linksabbiege-Spur nutze. „Die gehen eigene Wege, aber wenn das alles noch enger wird – ich weiß nicht, ob das letzten Endes für den fließenden Verkehr absolut sicher ist“, sagte Sägewerks-Unternehmer Reinhard Georg Koch. Auch er warb für Variante sechs. „Für uns ist wichtig, wenn die Ampel kommen sollte, dass die Lastwagen gefahrlos für sich und den Verkehr ein- und ausfahren können.“