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Wolfach Wolfacher Schicksal in Kriegszeiten

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Das Soldbuch von Benedikt Dreher enthält Eintragungen zur Person und Zugehörigkeit zur Truppe und Einsätze während des Krieges 1870/71.Repro: Schmalz Foto: Schwarzwälder Bote

Über den Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs im Juli 1870 und dessen Auswirkungen auf das Leben in Wolfach haben wir vor einigen Wochen berichtet. Auch der Wolfacher Siegfried Mantel hat dazu etwas zu erzählen.

Wolfach. Die Auswirkungen des Kriegs waren im Vergleich zu den beiden folgenden Großkriegen weniger spürbar. Doch 25 Familien waren davon direkt betroffen, weil ihre Angehörige als Soldaten zum Kriegsdienst herangezogen wurden. Einer dieser Teilnehmer, Franz-Josef Krausbeck, wurde beim Gefecht bei Daix so schwer verletzt, dass er wenige Wochen später im Lazarett starb.

Soldbuch ist aufbewahrt worden

Der Bericht über die damaligen Geschehnisse interessierte die Leser und so meldete sich der Wolfacher Siegfried Mantel, dessen Urgroßvater Benedikt Dreher in diesen Jahren nicht nur mit den badischen Truppen bei den Kämpfen in Frankreich eingesetzt wurde, sondern laut seinem Soldbuch, das zusammen mit den Ehrenzeichen und weiteren Erinnerungen aufbewahrt wird, auch an den Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich 1866 teilnahm. Vermerkt sind die Gefechte bei Hundheim, Werbach und Gerchsheim (23. bis 25. Juli 1866) im heutigen Kreis Tauberbischofsheim. Wenige Tage später beendete ein Waffenstillstand zwischen Preußen und Baden diesen Krieg.

Im Jahr 1870 musste Dreher erneut einrücken und nahm als Musketier (Infanteriesoldat) an der Belagerung Straßburgs teil, die im August und September 1870 von badischen und württembergischen Einheiten unter dem Kommando von General von Werder bestritten wurde. Nach der Schlacht von Sedan am 2. September 1870 war der Hauptteil der französischen Armee besiegt, doch die jetzt bürgerliche Regierung in Paris setzte den Kampf fort und Dreher nahm an weiteren Gefechten teil.

Im Soldbuch, das sein Bruder Hermann Mantel übersetzte, sind Kampfhandlungen bei Etuz am 22. Oktober 1870, Daix und Prenois am 26. und 27. November 1870 eingetragen. Am 26. November wurde Drehers Kriegskamerad Franz-Josef Krausbeck schwer verwundet und starb wenige Wochen später im Lazarett. Ob beide im gleichen Regiment kämpften, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich.

Im Jahr 1871 kam es zu weiteren Kriegshandlungen in der Umgebung Belforts. Die Lage der Soldaten wurde durch strenge Kälte erschwert. Mit der Schlacht bei Belfort im letzten Januardrittel 1871 enden die Eintragungen ins Soldbuch. Dreher scheint ohne Verletzungen heimgekehrt zu sein, das Soldbuch vermerkt nur vom 10. August bis 11. September 1864 eine Dienstunfähigkeit wegen einer Kniegeschwulst.

Neben dem Soldbuch sind die Medaillen, die Dreher erhalten hat, Schaustücke in einer kleinen Vitrine. Es sind Gedenkmünze für die Kriegsteilnehmer, gestiftet durch Kaiser Wilhelm I. Das Porträt des Kaisers ziert die Erinnerungsmedaille die 1897 zu seinem 100. Geburtstag herausgegeben wurde und die unter anderem auch alle Kriegsteilnehmer von 1870/71 erhielten. Das Land Baden ehrte Dreher mit einer Verdienstmedaille für die Eroberung einer gegnerischen Kanone.

Dreher kehrte nach dem Krieg nach Wolfach zurück und übte seinen Beruf als Küblermeister aus, zudem bekam er ab 1874 die Stelle eines Nachtwächters in der Stadt. Mehr als 30 Jahre lang versah er zuverlässig seinen Dienst, für viele Verstorbene hob er als Totengräber auf dem Friedhof die Gräber aus. Dreher erlebte noch Ausbruch und Ende des ersten Weltkriegs und damit den Untergang des während seiner Kriegsteilnahme geschaffenen Kaiserreichs. Am 11. November 1924 starb er im Alter von 81 Jahren.

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