Liedermacher Dominik Faitsch (links) und Saxofonist Moritz Grübel überzeugen mit ihrer Musik im Schlosshof. Foto: Dorn

Mittwochs im Museum: Dominik Faitsch und Moritz Grübe begeistern mit Saxofon, Gitarre und Gesang / Seit Jugendalter in Band

Wolfach. Beim letzten Sommerabendkonzert der Reihe "Mittwochs im Museum" kehrt im Kulturbetrieb Wolfachs fast schon ein wenig Normalität ein: Sylvia Reiser vom Verein Kultur im Schloss konnte dafür mit Dominik Faitsch und Moritz Grübel zwei "waschechte Wolfacher Jungs" im Wolfacher Schlosshof begrüßen.

Liedermacher Faitsch und Saxofonist Grübel kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit an der Wolfacher Realschule und haben schon gemeinsam in der Schulband zusammen Musik gemacht. Faitsch zählt "the godfather" Bob Dylan zu seinen Vorbildern, für seine mal tiefsinnigen, mal eher an der Oberfläche bleibenden Texte hat er in Grübels virtuosem Saxofonspiel den perfekten Doppelpartner gefunden. Gleich im ersten Lied mit der eingängigen Songline "zu zweit lieber allein" gibt Grübel dem Publikum mit schönen Sololäufen die Zeit, den Liedtitel sacken zu lassen.

In den Songs aus der "wilden" Schulband-Zeit wie dem vom Erwachsenwerden lassen sich biografische Bezüge dann sehr sicher verorten, humoristisch spiegelt Faitsch gleich eine ganze Litanei von wohlmeinenden Ratschlägen von Mama und Papa wieder, Grübel schlägt sich mit seinen Saxofon-Läufen mal auf die elterliche Seite, mal auf die Seite der rebellischen Jugend. Nicht alle Faitsch’en Texte zünden, so gerät die Abrechnung mit der vermeintlich sexistischen Reduzierung in den allermeisten Liebesliedern ein wenig sehr mit dem moralischen Zeigefinger geführt, Grübel rettet den neuen Song aber mit fantastischem Tempospiel.

Schon mit dem nächsten Lied macht Faitsch wieder alles gut, bei "Der Grund für all die Worte" erzählt er mit wohlgesetzten Worten eine starke Geschichte, die sein Freund am Saxofon nur sachte begleitet und erst gleichsam einem musikalischen Epilog noch von einer anderen Seite beleuchtet, eine Pointierung, die das Publikum mit großem Applaus belohnt.

"Drei Dinge", nämlich den Frust darüber, dass auch 2021 die Welt noch von weißen Männern mit viel Geld regiert wird, hätte der große Dylan kaum rotziger auf der Klampfe rüberbringen können. Im Mitsing-Modus ging es in die Pause, der Schlosshof-Chor bildete mit dem "ulala ulalalu" die Ouvertüre für fulminante Saxofon-Improvisationen.

Für "Die Hummel" schalteten die beiden einige Gänge zurück ins Balladen-Tempo. Die Mär, dass dieses Tier technisch gesehen eigentlich gar nicht fliegen können sollte, mag zwischenzeitlich von der Wissenschaft widerlegt sein, den Abiturienten Faitsch hatte dieses Lebensmotto einer Mitschülerin seinerzeit zu einem fast philosophischen Liedtext animiert, "scheißegal, sie fliegt einfach!" und Grübels Variationen zum Hummelflug zählten an diesem Abend einmal mehr zu den Höhepunkten, ebenso wie die Schlusszugaben "kleine süße Ballade" und drei Cover-Songs ("Get lucky", "Call me Al" und "Highest Ground").

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