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Wolfach Von einer Nachbarin angezeigt

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Das Gedenkkreuz für die beiden Endphaseverbrechen am Hofeckle in seiner heutigen Form. Aus Anlass des 75. Jahrestags wurde das Kreuz durch den Bauhof restauriert. Foto: Schrader Foto: Schwarzwälder Bote

Zu den 16 Gefangenen, die beim zweiten NS-Endphaseverbrechen in Wolfach am 17. April 1945 beim Hofeckle erschossen wurden, gehörte auch der 41-jährige Franzose Marcel Sebbah aus Paris. Seine Partnerin wurde ins Konzentrationslager verschleppt.

Wolfach. Der gelernte Friseur geriet 1943 als Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft und ließ sich nach seiner Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager als "Fremdarbeiter" für die Schiele-Industriewerke in Hornberg anwerben. Er wohnte dort bei einem Friseur, dem er auch gelegentlich in seinem Geschäft half.

Im Sommer 1943 lernte er die ebenfalls bei Schiele arbeitende 20 Jahre alte Hornbergerin Rosa Broghammer kennen, die zusammen mit ihrem Bruder bei ihren Eltern im Schwanenbachtal wohnte. Die beiden verliebten sich ineinander und im Jahr darauf wurde ihr Sohn Peter geboren. Sebbah hielt sich nun öfters bei Rosa und deren Eltern auf, um sich mit ihr um das Kind zu kümmern und sich über ausländische Radiosender über die Kriegslage zu informieren.

Dies bemerkte auch eine Nachbarin, die im Schwanenbachtal als NSDAP-Blockleiterin tätig war, und zeigte die beiden an. Daraufhin wurde Sebbah am 23. November 1944 an seinem Arbeitsplatz festgenommen und ins Wolfacher Amtsgefängnis gebracht. Am 4. Dezember 1944 folgte die Verhaftung von Rosa Broghammer wegen "verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen" und "Abhörens ausländischer Sender". Nach acht Tagen wurde sie von Wolfach in das Frauen-KZ Ravensbrück verlegt und danach ins Außenlager Haselhorst im Berliner Stadtteil Siemensstadt, wo sie in den Siemens-Schuckert-Werken arbeiten musste.

Nach der Bombardierung und Zerstörung des Lagers am 28. März 1945 wurde sie zusammen mit mehreren hundert anderen Häftlingsfrauen auf einem zweitägigen Fußmarsch zum KZ Sachsenhausen in Oranienburg getrieben. Sie kam dort wegen einer Entzündung am Bein ins Lazarett, wo sie die Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 21. April 1945 erlebte. Drei Monate später starb sie trotz der Behandlung durch den sowjetischen Armeearzt Araslanow an den Folgen der unmenschlichen Behandlung während ihrer KZ-Haft.

Ihr Sohn Peter wurde in Hornberg während seiner Kindheit und Jugend als "Franzosenkind" diskriminiert. Erst nach einem langwierigen juristischen Prozess erhielt er eine Waisenrente als Entschädigung für die Ermordung seiner Eltern durch die Nazis.

In der Gedenkstätte Sachsenhausen ließ er im Mai 2002 an der Mauer des Schutzhaftlagers einen Gedenkstein für seine Eltern Rosa Broghammer und Marcel Sebbah errichten.

Die bekannte Schriftstellerin Ulla Hahn erinnerte bei der Errichtung des Gedenksteins für Rosa Broghammer und Marcel Sebbah in Sachsenhausen an deren Schicksal mit den Worten: "Im Drama von Sophokles ist es Antigone, die der Stimme ihres Herzens folgt und gegen den Befehl des Königs ihren geächteten Bruder vor den Toren Thebens begräbt. Sie büßt es mit dem Tod. Hinterlassen hat sie uns die Worte, denen auch Rosa Broghammer aus Hornberg folgte. Sie sprechen aus, was den Menschen zum Menschen macht: Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da."

Ihre Redaktion vor Ort Wolfach

Katharina Beule

Fax: 07832 9752-15

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