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Wolfach "Unsere Insekten verhungern"

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Archivfoto: Wurster Foto: Schwarzwälder Bote

Der Klimawandel ist im Kinzigtal angekommen, davon ist Angelika Kalmbach-Ruf vom BUND Mittleres Kinzigtal überzeugt. Zu spüren bekommen das vor allem Insekten. Aber Jeder könne in seinem Garten etwas tun, um Insekten zu unterstützen.

Mittleres Kinzigtal. Und der Klimawandel werde die Tendenz zur Sommertrockenheit noch weiter bestärken. Das führt nicht nur zu vertrockneten Aussaaten – auch die Insekten leiden, weil sie auf die Feuchtigkeit und die Nektarproduktion auf Feuchtwiesen angewiesen sind. Darauf weist Angelika Kalmbach-Ruf vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Mittleres Kinzigtal immer wieder hin, unter anderem bei Vorträgen über insektenfreundliche Bepflanzung im eigenen Garten.

Das Kinzigtal sei so etwas wie ein Spiegel des Klimas in Baden-Württemberg, erklärt Ulrich Wiedmaier, Förster und Wolfacher Gemeinderat. Der Wald unterliege einem intensiven Wandel, reagiere schon immer auf klimatische Veränderungen wie zum Beispiel Eiszeiten. Aber nun finde die Veränderung schlicht zu schnell statt. "Das ist das Dilemma, in dem wir stecken", erklärt er. Auch die Tierwelt werde sich verändern. Zum Beispiel werde es das Auerwild immer schwerer haben.

Gleiches gelte für Insekten, fügt Kalmbach-Ruf hinzu. In ihrem Garten beobachte sie, dass die Rückkehr von Wildbienen und Co. im Frühjahr nicht mehr mit der Blüte der Pflanzen übereinstimme. "Und das zieht sich durchs ganze Jahr", erklärt sie. Nehme man zum Beispiel die Herbstaster – früher sei sie zum Beispiel zum Binden von Kränzen für Allerheiligen genutzt worden und war die letzte Nahrung für Insekten vor dem Winter. "Aber nun steht sie jetzt schon in Blüte", so Kalmbach-Ruf. Das sei ein riesiges Problem, denn die Blüte differiere nun um drei bis vier Wochen. Darum sei es enorm wichtig, im eigenen Garten alle möglichen Futterpflanzen zu pflanzen. "Unsere Insekten verhungern sonst", unterstreicht sie. Die rund 600 Wildbienenarten in Deutschland seien wichtige Bestäuber, die durch das veränderte Timing in der Natur leiden. "Ohne sie gibt es aber zum Beispiel kein Obst – es geht einfach nicht ohne Insekten", warnt sie. Zudem habe sie noch nie so wenige Schmetterlinge gesehen, obwohl sie auf insektenfreundliche Pflanzen achte. Das habe in der Folge auch Auswirkungen auf Futternachfolger wie Vögel. Und klimatische Entwicklung schlage sich auch auf die Landwirtschaft nieder. Bauern müssten ihre Wiesen immer früher mähen. "Diese Nahrungsquelle für Insekten fällt damit auch mit", so Kalmbach-Ruf weiter.

Darum sei es umso wichtiger, im eigenen Garten und Balkon auf insektenfreundliche Pflanzen zu achten. Aber auch auf städtischen Flächen wie zum Beispiel Parks. Hinzu kommen Straßenränder, an denen Blühstreifen angelegt werden können. "Auch das sind wichtige Refugien für Insekten", erklärt sie.

Das klappe an Straßen, die in den Pflegebereich des Landratsamts fallen, schon sehr gut, sagt sie. Ein gutes Beispiel sei die B 33 zwischen Haslach und Hausach, an der ein Blühstreifen ist. An Straßen, die in den Händen der Kommunen liegen, hapere es aber noch. "Dabei können die Kommunen dort sehr viel tun", ist sie sich sicher. Vor allem die vom Ministerium für Verkehr empfohlene Mahd­höhe von acht Zentimetern werde oft nicht eingehalten, es werde zu früh gemäht. "Aber es muss natürlich die Verkehrssicherung gewährleistet sein", sagt sie.

Außerdem beobachte sie vor allem in neuen Baugebieten oft, das große Rasenflächen um das frische Eigenheim angelegt werden. Mit Infomaterial will der BUND junge Familien informieren, wie sie einen für Insekten wertvollen Garten gestalten können. Sie empfiehlt, eine "wilde Ecke" anzulegen, in der Wildblumen aber auch Brennnesseln und Co. ungehindert wachsen können. "Aufgeräumte Gärten sind ein großes Problem", sagt sie. Auch wenn die vielleicht pflegeleicht seien – eine Wildblumenwiese sei das auch.

Wasser: Insekten und Vögeln sollte immer frisches Wasser angeboten werden; auf Anlegen von großen Rasenflächen verzichten, da sie zu viel Wasser brauchen; im Garten und auf dem Balkon sollte Regenwasser genutzt werden; Wasser aus der Küche zum Gießen verwenden; Gießen am frühen Morgen oder späten Abend, da die Verdunstung dann am geringsten ist

Bepflanzung: Vor allem Stauden, Blumen oder Gehölz bevorzugen, die Insekten und Futternachfolgern dienen; so planen, dass das ganze Gartenjahr über etwas blüht

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