Mit dem digitalen Zunftball machten die Wolfacher das Beste aus der Situation – und hoffen gleichzeitig, dass im kommenden wieder gefeiert werden kann wie hier 2013. Foto: Buchholz Foto: Schwarzwälder Bote

Zunftball: Freie Narrenzunft Wolfach lässt es dem Virus zum Trotz digital "a bissele laufe und surre"

Den Narren blutet allerorts das Herz noch bevor der äschrige Mittwoch allen Fasnets-Verrückten ins Herz pfetzt. Die Freie Narrenzunft Wolfach hat kurzerhand den "Social Distance Ball" ausgerufen und den Zunftball ins Internet verlegt.

Wolfach. Die Corona-Pandemie hält auch die Fünfte Jahreszeit in Schach – aber im Innersten der Erznarren juckt und zuckt es halt doch. So war der Zunftball 2021 der Freien Narrenzunft Wolfach am Samstag als erster und hoffentlich auch letzter "Social Distance Ball" die "mit Abstand allerbeste Fasnetsveranstaltung im Narrenstädtle und darüber hinaus".

Zwischen 120 laut "Youtube-Zähluhr" und 3500 von Narrenvater Hubert "Vitus" Kessler gezählten, geschätzten oder gefühlten Zuhörern waren von 20 Uhr bis in die Morgenstunden des Sonntags live dabei bei "Radio-Narro" Und die Freie Narrenzunft ließ es dem Virus zum Trotz auch 2021 "a bissele laufe und surre". Mit einem Filmausschnitt zu Beginn bekamen die schon vor der Geldbeutelwäsche und dieses Jahr in deutlich größerer Zahl wehklagenden Narren ä bissele Fasnetsausrufen mit den Landsknechten, ä bissele Graf Konrad, ä bissele Hansele, Rungunkeln, Kaffeetanten, Nasenzug, ja sogar die Kinder bekamen virtuelle Würschte und Brezeln auf dem alten Krutmärkt.

Organisatoren machen aus der Not eine Tugend

Eigentlich fehlte es an Nichts und doch fehlte ehrlich gesagt alles: so sehnte sich jeder Zunftballhörer nach den Bars, Kneipen und Lokalen, nach der kunterbunten Vielfalt, dem närrischen Pulsschlag der Narrenhochburg, nach dem Spaß und Austausch, nach Tanz, Kurzweil und Unterhaltung. Es fehlten die Musloch-Singers, die Biermösels, die Fungums, die Guggemusiken und es fehlte die unbeschreibliche närrische Ausgelassenheit. Und dennoch traf der "Social Distance"-Sender den Nerv der Zuhörer. Mehr ging einfach nicht und so verstanden es die Moderatoren Björn und Olaf und die weiteren Radiomacher von "Radio Narro" aus der Not eine echte Tugend zu machen.

Der närrische Radiosender wartete mit alten und weniger alten Zunftballbildern auf, die per WhatsApp, Instagram und Facebook übermittelt wurden. Über Sprachnachrichten, SMS und Anrufe füllte sich der musikalische Wunschzettel. Die sympathische Stimme am anderen Ende der Radio-Telefonleitung sprach schon vor 22 Uhr von einer sehr langen "Playlist" mit entsprechender Warte- beziehungsweise Übergangszeit.

Narrenvater ist Überraschungsgast

Auf die Melodie von Peter Frankenfelds "Musik ist Trumpf" folgten Partyhits und sonstige Ohrwürmer der mehr als 75-jährigen Zunftballgeschichte. Da durften die Toten Hosen ebenso wenig fehlen, wie die EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung). Auch Peter Alexander fragte nach quando, sag mir wann, während bei den Atzen die Party ab ging. "Füllt eure Gläser", forderten die Radiomacher Björn und Olaf ihre närrischen Zuhörer in aller Welt zur virtuellen Partynacht auf, ehe das Radioteam Narrenvater Hubert "Vitus" Kessler als Überraschungsgast vom heimischen Sofa aus zum Interview begrüßte.

Wortgewandt stellte das Wolfacher Zunftoberhaupt die völlig falsche Hausacher Vermutung einer für Ärger sorgenden Wolfacher Kaffeetante mit dem Namen Corina richtig. "Ob sie Burgfrau oder Wolfacherin ist, denn die sind ja dafür bekannt, dass sie Probleme machen, lässt sich nicht klären. Sicher ist nur, dass es wegen ihr kein Baumstellen und keinen Burgfrauenkaffee gibt und sie generell den Rest der Fasnet boykottiert." Die Wolfacher Kaffeetanten machen so ebbis nit, klärte der Narrenvater unmissverständlich auf.

Gefragt wurde Vitus Kessler auch, was er mit dem vielen gesparten Geld der Fasnet 2021 machen wolle. Seine Antwort lautete, dass er sich auf "eine fürchterliche Fasnet 2022" freue, bei der hoffentlich alles nachgeholt werden könne. Außerdem will er und hoffentlich noch viele schon im Vorfeld die beschriebenen Beizen und Kneipen besuchen, damit wir die nicht nur für die Fasnet so wichtige und unabdingbare Gastronomie auch noch haben.

Insgesamt hatte der digitale Zunftball bis zum Morgengrauen 2375 Zugriffe. Das Video wurde später allerdings von der Videoplattform Youtube aufgrund einer Urheberrechtsverletzung wieder entfernt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: