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Wolfach Nach 165 Jahren: "Einmal ist Schluss"

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Giuseppe und Waltraud Carosi stehen noch bis Samstag, 29. Juni, hinter dem Tresen ihres Geschäfts. Dann schließt die Buchbinderei und Buchhandlung nach 165 Jahren. Foto: Beule Foto: Schwarzwälder Bote

Mit dem Juni endet eine Ära in Wolfach: Die Buchhandlung Moser/Carosi schließt nach 165 Jahren. Seit 1854 besteht die Buchbinderei mit Werkstatt und Geschäft in der Vorstadtstraße – und war seitdem immer in Familienhand.

Wolfach. Buchbinderin wollte Waltraud Carosi eigentlich nicht werden. "Aber ich wurde nicht gezwungen", betont sie und lacht einnehmend. Die Liebe zu Büchern habe schlussendlich den Ausschlag gegeben. Noch heute sei sie kritisch mit Büchern, sagt sie und lacht. Wenn sie nicht okay oder leicht beschädigt seien, würde sie sie kurzum zurückschicken. Das wissen auch die treuen Kunden zu schätzen. Viele kennt sie schon lange, hat immer ein persönliches Wort – und eine passende Empfehlung.

Dass es ihr schwerfällt, den Laden zu schließen, ist Waltraud Carosi anzumerken. Aber sie freue sich auf die freie Zeit. "Ich habe mir schon einen Stapel Bücher herausgesucht, den ich dann in Ruhe lesen kann", erzählt sie und lacht.

"Wir machen aus Altersgründen zu", erklärt die 65-Jährige. Das Geschäft laufe gut, auch die Konkurrenz durch den Onlinehandel habe sie nicht zu der Entscheidung bewogen. "Einmal ist eben Schluss", fügt ihr Mann Giuseppe Carosi (70) hinzu. In der Familie gebe es keinen Nachfolger, der das Geschäft übernimmt und in fremde Hände wollen die beiden das Familienunternehmen nicht geben. "Es wird eine Umstellung", sind sich beide einig.

Mit ihrem Mann, gelernter Schreiner, übernahm sie 1981 das Geschäft. Zuvor legte sie 1978 in Stuttgart die Meisterprüfung ab. "Damals waren wir nur etwa zehn Buchbinder auf der Schule", erinnert sie sich. Die Ausbildung absolvierte sie bei ihrem Vater.

Besuch in Werkstatt gleicht einer Zeitreise

Auch heute noch lässt sich in der Werkstatt noch viel von der langen Geschichte erahnen: Gründer Josef Anton Moser war nebenbei auch Landwirt und Stadtrechner – in seinem Haus erledigte er auch die Kassengeschäfte der Stadt und die Verrechnung der Floßzölle. Unterlagen dazu hütet Waltraud Carosi noch heute wie einen Schatz. "Wobei die Handschrift nur schwer zu entziffern ist", sagt sie. Auch allerlei anderes historisches Gerät ist in der Werkstatt zu finden. Unter anderem ein kleiner Ofen zum Vergolden von zum Beispiel Buchrücken, den der Vater des Gründers für seinen Sohn angefertigt hatte.

Größtenteils würden diese Dinge auch heute noch genutzt. "Das ist echte Handarbeit – so macht das heute eigentlich keiner mehr", erklärt die Buchbinderin. Darum ist sie auch besonders stolz auf ein Buch ihres Großvaters, das er 1892 als Meisterstück angefertigt hat – mit goldenen Intarsien und verziertem Goldschnitt. Auch die Buchdeckel sind handbemalt.

In Erinnerung ist ihr vor allem der Umzug im Rahmen der Vorstadtsanierung auf die gegenüberliegende Straßenseite im Jahr 1997 geblieben. "Wir haben schwer überlegen müssen", sagt sie heute. Aber von der Stadt sei die Familie sehr gut unterstützt worden und fühlte sich gut aufgehoben, betont sie. Aber auch an ihre Kindheit im Laden erinnert sie sich gerne. Damals seien die Kunden noch an der Theke bedient worden, erzählt sie. Hefte, Briefpapier und Glückwunschkarten lagerten damals hinter dem Tresen. Das sei heute freilich anders. "Aber viele legen auch jetzt noch Wert darauf", sagt sie schmunzelnd.

Zwischendurch sei auf Postkarten nicht mehr so viel Wert gelegt worden – seit etwa zehn Jahren würden aber wieder mehr Karten verschickt werden, beobachtet sie.

Auch seien früher mehr Rahmungen gemacht worden. "Heute kaufen Viele Fertigrahmen aus dem Möbelhaus", sagt sie.

Im Ruhestand die freie Zeit einfach genießen

Wenn es aber etwas Besonderes sein soll, würden die Kunden noch immer gerne kommen. Gleiches gelte für Buchbindungen. Auch dazu gibt es viele Anekdoten zur erzählen. Zum Beispiel habe ein Kunde jedes Jahr seine Wandererlebnisse aufgeschrieben, zum Buch binden lassen und seiner Frau zum Geburtstag geschenkt. Auch Gemeindebücher seien in der Werkstatt schon gebunden und restauriert worden. In den 90er-Jahren wurde die "Chronik der Stadt Wolfach" von Franz Disch neu aufgelegt – limitiert und nummeriert. "Die war unheimlich schnell weg", so Waltraud Carosi.

Pläne für den Ruhestand hat das Ehepaar noch nicht. "Wir lassen das auf uns zukommen", betonen beide.

Gegründet wurde das Geschäft in der Vorstadtstraße 1854 von Buchbinder Josef Anton Moser, ein Sohn des Kupferschmieds Sebastian Moser. Er machte sich nach der Revolution im Hause seines Vaters selbstständig und eröffnete eine Buchbinderei mit Ladenverkauf. Nach seinem Tod verwaltete Tochter Adelheid das Geschäft, bevor Heinrich Moser es übernahm. Mit seiner Frau Maria führte er es bis 1945. Sohn Heinrich, der sich damals in Kriegsgefangenschaft befand, übernahm das in der Zwischenzeit von seinen Schwestern geführte Geschäft 1948. Zusammen mit seiner Frau Waltraud feierte er 1954 das 100-jährige Bestehen. 1981 übernahm Tochter Waltraud.

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