Insgesamt fünf Floße waren auf der Drau unterwegs. Quelle: Unbekannt

Floßfahrt: Wolfacher und Schiltacher drei Tage in Österreich / Seit 1991 jährlicher Besuch bei Kameraden

Die Wolfacher und Schiltacher Kinzigflößer pflegen seit mehr als 30 Jahren freundschaftliche Beziehungen ins Drautal im österreichischen Kärnten. Auch in diesem Jahr waren die Schwarzwälder wieder bei der gemeinsamen Floßfahrt dabei.

Wolfach (red/af). Die jährlich stattfindenden Flößertage der Oberdrautaler Flößerfreunde werden von den Flößern aus Dellach, Berg, Greifenburg, Sachsenburg und Baldramsdorf auf der Drau organisiert. Auch die Wolfacher und Schiltacher waren nach einer Einladung der Verantwortlichen Thomas Kipp und Hartmut Brückner bei der gemeinsamen Floßfahrt mit dabei. So fuhren an allen drei Tagen fünf Draufloße der Oberdrautaler Flößer ins Land.

Zunächst fuhren die Schwarzwälder Flößer mit Fahrgemeinschaften über Stuttgart, München, Rosenheim und Lienz bis ins Drautal zu ihrem Quartier, wo sie bereits bei früheren Besuchen in der Herberge von Familie Ferdinand Penker untergekommen waren.

Das erste Mal waren die Kinzigtäler Flößer laut einer Mitteilung im Jahr 1991 ins Drautal gefahren, um dort ihre Kameraden zu besuchen. Damals wusste man noch nicht um die Unterschiede der Draufloße zu den Schwarzwälder Kinzigfloßen. Die für die Drau konzipierten Floße sind mit "drei Stößen" mit 16 Metern Länge und vier Metern Breite vorne und hinten mit je zwei Rudern ausgestattet.

Als die Wolfacher das erste Mal im Drautal ein Original Schwarzwälder Kinzigfloß unter Anleitung von Oberflößer Ewald Fritsch bauten, hätten alle die Fließgeschwindigkeit und die Wassertiefe der Drau restlos unterschätzt und seien bereits am zweiten Tag der Floßfahrt gescheitert. "Seither bauen die Kinzigflößer immer unter fachkundiger Anleitung von Obmann Thomas Kipp und seinem Stellvertreter Hartmut Brückner ein Original Draufloß, das beherrschbar ist", heißt es in der Mitteilung weiter.

Auch in diesem Jahr begannen die Wolfacher und Schiltacher Flößer wieder einige Tage vor der Abfahrt im Drautal damit, das Draufloß mit dem entsprechenden Holz der Flößerkameraden aus Sachsenburg mittels Krampen und Wieden zusammenzubauen.

"Die Floßfahrt auf der Drau ist für uns Flößer immer wieder ein einmaliges Erlebnis", berichtet Flößerfreund Manfred Schafheutle. Besonders schön sei für alle die Landschaft: In drei Tagen fahren die Wolfacher mehr als 60 Kilometer den Fluss entlang und seien von Bergen mit bis zu 2000 Metern Höhe umgeben – und ohne eine Schleuse, eine Staustufe oder ein Wehr zu durchfahren. "Ein unbeschreibliches Glücksgefühl für jeden Flößer", so Schafheutle.

Die erste Etappe der Floßfahrt führte von Oberdrauburg nach Dellach. Da auf dem Floß keine Bremsvorrichtung vorhanden ist, komme auf den Seilwerfer und die am Ufer wartenden Floßfänger eine wichtige Aufgabe zu: Sie seien laut Schafheutle dafür verantwortlich, das Floß am Ufer zu verlangsamen und festzumachen.

Am zweiten Tag führte ihr Weg die Flößer nach Radlach, wo sie eine Pause einlegten. An allen Anlegestellen seien die fünf Floße immer wieder mit viel Beifall empfangen worden, bevor es zum Stammquartier nach Sachsenburg weiterging. Dort fand am Abend ein zünftiges Flößerfest mit Spaß und Musik statt.

Flößerei als Immaterielles Kulturerbe der Unesco

Der letzte Tag der gemeinsamen Fahrt führte von Sachsenburg nach Baldramsdorf, dem Endziel der Flößer. Diese Fahrt habe noch einmal deutlich gemacht, wie gefährlich und unberechenbar die Drau sei. Es erfordere einiges an Erfahrung und Geschick, den vielen Kies- und Sandbänken auszuweichen.

Die Sachsenburger Kollegen hätten dies am eigenen Leib erfahren müssen: Sie strandeten laut Mitteilung auf einer Insel mitten in der Drau konnten nicht mehr weiterfahren. Nach Ende der Floßfahrt in Baldramsdorf hätten die Schwarzwälder Kinzigflößer ihren Kameraden vom Drautal dann geholfen, das festgefahrene Floß wieder freizumachen.

Die Schwarzwälder Besucher bedankten sich bei ihren Sachsenburger Kameraden mit einem zünftigen Vesperkorb aus ihrer Heimat und einem Flößerbier für die großartige Gastfreundschaft.

Am Morgen haben die Kinzigtäler Kärnten "mit schönen und nachhaltigen Eindrücken" verlassen. Sie freuten sich nach ihrem freundschaftlichen Ausflug, der Flößerei als einem "Immateriellen Kulturerbe der Unesco" auch länderübergreifend gedient zu haben.

Zwischen Loßburg und Alpirsbach führt auf einer Strecke von zehn Kilometern der Flößerpfad entlang. Knecht Jakob und sein Sohn Michel laden auf dieser Strecke auf eine Entdeckungsreise ein. Flößer Johann und seinen Sohn Uli erzählen auf dem zweiten Abschnitt zwischen Alpirsbach und Wolfach auf 22 Kilometern von ihrer "Fahrt ins Land".

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