Zum Vortrag über Kryptowährungen luden Schulleiter Heinz Ulbrich (von links), Referent Jan Heinrich Meyer und Lehrer Patrick Müller ein. Foto: Beule Foto: Schwarzwälder Bote

Vortrag: Experte referiert an den Beruflichen Schulen über Kryptowährungen, Blockchain und Co.

Kryptowährungen, Blockchain und Bitcoin – für die einen Zukunftsthemen, für die anderen böhmische Dörfer. Mit diesem Thema haben sich am Donnerstag die Beruflichen Schulen beschäftigt. Jan Heinrich Meyer von der Dash-Embassy gab einen Überblick.

Wolfach. "Das Thema findet langsam seinen Weg in den Alltag", erklärte Lehrer Patrick Müller, der den Abend federführend mitgestaltet hat, nach der Begrüßung von Schulleiter Heinz Ulbrich. Kryptowährungen seien oft Thema in den Medien, doch die Wenigsten hätten eine genaue Vorstellung davon. Jan Heinrich Meyer, Geschäftsführer und Gründer der Dash Embassy gab einen Überblick.

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind digitale Währungen. Sie können gewechselt und gehandelt werden, wie jede herkömmliche Währungen, befinden sich jedoch außerhalb der Kontrolle finanzieller Institutionen und Regierungen. Momentan gebe es mehr als 2000 Kryptowährungen, so Meyer.

Warum gibt es sie?

Das momentane Geldsystem gilt als labil. Das liege unter anderem daran, dass die Zentralbanken durch den Leitzins die Möglichkeit haben, die Geldmenge im Umlauf beliebig zu erhöhen. "Das Geldsystem basiert auf Verschuldung", erläutert Meyer. Banken würden von Kreditvergaben profitieren, was langfristig zu Nachteilen von Nicht-Banken führe.

Was ist Bitcoin?

Bitcoins sind so etwas wie digitales Gold. Die Anzahl der Coins ist auf 21 Millionen begrenzt und der Wert resultiert aus Angebot und Nachfrage, erläutert Meyer. Bitcoins werden ihm zufolge auf einer Blockchain verwaltet. Überweisungen werden von einem Zusammenschluss von Rechnern über das Internet abgewickelt. "Die Achilles-Ferse ist also der Strom", erklärt Meyer. Eigentumsnachweise werden in einer digitalen Brieftasche (Wallet) gespeichert.

Wie sind sie entstanden?

Das Bitcoin-Zahlungssystem wurde 2008 in einem unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichen Dokument beschrieben. 2009 wurde eine frei zugängliche Referenzsoftware dazu veröffentlicht. Das Bitcoin-Netzwerk basiert auf einer von den Teilnehmern gemeinsam verwalteten dezentralen Datenbank (der Blockchain), in der alle Transaktionen verzeichnet sind.

Was ist eine Blockchain?

Blockchain ist ein dezentral geführtes Buchführungssystem. Alle Transaktionen landen in der Blockchain, eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, die miteinander verkettet sind. Die Transaktionen werden in Blöcken zusammengefasst und mit einer Prüfsumme (Hash-Wert) versehen. Die in der Blockchain aufgezeichneten Informationen werden von Millionen von Computern gehostet und sind für jeden zugänglich. Dies sorgt sowohl für Transparenz als auch Unempfindlichkeit gegenüber Änderungen, da sie so gut wie keinen Spielraum für menschliche oder Softwarefehler zulässt. Sobald die Daten verifiziert sind, können sie nicht rückwirkend ohne die Rechenleistung und den Willen der Netzwerkmehrheit bearbeitet werden.

Was bedeutet Mining?

Das Schürfen (Mining) ist der Prozess, mit dem die Kryptowährungen überprüft und neue Einheiten freigegeben werden. Ziel der Miner ist es, die Transaktionen in Blöcken zusammenzufassen. Immer ein Miner darf einen Block schreiben – dafür müssen sie zunächst ein komplexes mathematisches Rätsel lösen. Dafür gibt es eine Blockbelohnung. Sie bestehen aus neuen Coins und den Gebühren für Transaktionen. "Und weil das Ganze Open-Source (öffentlich zugänglich) ist, steht das nötige Wissen jedem kostenlos zur Verfügung", so Meyer. Nodes hingegen speichern die Blockchain. Prinzipiell wird jeder Computer, der die entsprechende Software einer Kryptowährung herunterlädt, als Node (Knotenpunkt) bezeichnet. Auch sie werden mit Coins entlohnt. Jeder Nutzer, der mit seinem Computer als Node fungiert, kann das Netzwerk und die Regeln, denen es folgt, aktiv mitgestalten.

Welche Vor- und Nachteile haben Kryptowährungen?

Der Vorteil dieses Systems ist, dass es kaum Fehler zulässt und somit fast unmöglich zu manipulieren ist. "Dafür bräuchte man mindestens 51 Prozent der Rechenleistung", erklärt Meyer. "Die Attacke wäre also teurer als der Ertrag." Ein weiterer Vorteil ist, dass Kryptowährungen unabhängig von Staaten und Institutionen sind. Ein Nachteil: Kryptowährungen sind nur so wertvoll, wie sie wahrgenommen werden. Darum gibt es immer noch Zweifel an ihrer langfristigen Zukunft.

Was ist Dash?

Dash ist eine Kryptowährung der zweiten Generation. Das Augenmerk liegt dabei auf Anonymität und Schnelligkeit. Das Netzwerk setzt sich aus Masternodes und Minern zusammen. Masternodes sichern das Netzwerk und bieten Serviceleistungen. Dafür erhalten sie Anteile am Mining-Ertrag (45 Prozent). Auch die Miner erhalten 45 Prozent. Die restlichen zehn Prozent sind für Entwicklungs- und Marketingmaßnahmen vorgesehen. Über diese wird jeden Monat von den Masternodes dezentral abgestimmt. Jeder kann einen Vorschlag einreichen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Dash Embassy, die als Ansprechpartner rund um Kryptowährungen fungiert, arbeite derzeit daran, die Nutzung von digitalem Geld so zu vereinfachen, das keine technischen Vorkenntnisse erforderlich sind. Nach Auffassung der Cybergeld-Experten sollen Dash und Bitcoin langfristig zu echten Alternativen zum herkömmlichen Geld werden.

 Im zweiten Teil der Veranstaltung referierte Klaus Himmer, Geschäftsführer von Cryptotax, über die Besteuerung von digitalen Währungen.

 Interessierte konnten sich ein Wallet installieren und im Rahmen der Veranstaltung erste Transaktionen tätigen – zum Beispiel für Getränke oder Häppchen in der Pause.