Kasper und Hund Bello traten bei den Wolfacher Puppenspieltagen auf. Im Hintergrund befand sich das liebevoll arrangierte Bühnenbild mit dem Freiburger Kornhaus und historischen Kaufhaus am Münsterplatz. Fotos: Jehle Foto: Jehle

Kleinkunst: David Minuth tritt mit sechs Rollen auf. Puppenspieltage kommen wieder.

Wolfach - Sein Profil ist markant, die rote Zipfelmütze sein Markenzeichen: Die Rede ist von Kasper, der mit der Freiburger Puppenbühne am Wochenende in Wolfach zu Gast gewesen ist.

Das aufgeregte Gekicher und Getuschel der Knirpse war schon vor der Schlosshalle zu hören. Doch als es hieß "Vorhang auf für Kasper und die gestohlene Kuckucksuhr" folgten die Kinder gebannt dem Geschehen in dem turbulenten Stück.

Von den liebevoll gestalteten Bühnenbildern, deren erste Szene das Freiburger Kornhaus und historische Kaufhaus am Münsterplatz abbildete, bis hin zur erstklassigen Dramaturgie ließ die Aufführung keine Wünsche offen.

Von Anfang an bezog Puppenspieler David Minuth, der als Solist den sechs Charakteren Leben einhauchte, das Publikum mit ein. Schon beim Auftritt des Theaterdirektors, der eigentlich dafür sorgen sollte, dass die Inszenierung klappt, kringelten sich die Kinder vor Lachen: Kasper hat seine eigenen Vorstellungen, wann er die Bühne betritt und kümmert sich nicht um Konventionen.

Die Handlung ist schnell erzählt: die Oma hat Geburtstag und Kasper hat ihr von seinem Ersparten eine Kuckucksuhr gekauft. Der böse Räuber Rodewald klaut das Geschenk und will es versilbern.

Allerdings ist ihm klar, dass er von dem mutigen weißen Hund Bello, Kaspers treuem Freund Seppl, und dem cleveren Held selbst verfolgt wird. Deshalb verbündet sich der Räuber mit dem listigen Zaubermeister Tagolf, der im finsteren Wald wohnt. Natürlich siegt bei Kasper immer das Gute und der Wachtmeister sorgt für Ordnung, indem der Räuber verhaftet wird.

Die Magie der Aufführung lag in der Interaktion mit dem Publikum. So sangen die Kinder freudestrahlend gemeinsam mit Kasper das Geburtstagslied für die Oma. Bello wurde lauthals mit "Pass auf, hinter dir..." gewarnt, wenn ihm Gefahr drohte. Auch das erwachsene Publikum sang inbrünstig beim Schlaflied für den Zauberer mit, denn dann verliert er seine Zauberkraft.

Die Jüngsten quietschten vor Vergnügen, als die Oma dem Kasper aufträgt, die Zutaten für den Geburtstagskuchen zu besorgen und der ihre Worte lustig verdreht. Einer der vielen Höhepunkte war der Wortwechsel zwischen Räuber Rodewald und Zaubermeister Tagolf. Letzterer fragt nämlich, ob er etwa wieder gestohlen hat und Rodewalds lakonische Antwort lautete: "Du weißt ja, wie das ist. Als Zaubermeister zaubert man und als Räuber räubert man halt."

Wie im Flug verging die knappe Stunde und als der Vorhang fiel, gab es noch eine Überraschung für die Kinder. Sie durften sich von Bello, der sich in ihre Herzen gespielt hatte, persönlich verabschieden.

Minuth mochte auf Nachfrage des Schwabo vor allem die gute Stimmung bei den Vorstellungen. Der Besuch der vier Aufführungen sei zufriedenstellend gewesen, wenn es auch in der Vormittagsvorstellung am Sonntag "einige Besucher mehr" hätten sein dürfen. Der Künstler will die früheren Wolfacher Puppenspieltage zu neuem Leben erwecken und kommendes Jahr wiederkommen.

INFO:

  Die Anfänge: Die Freiburger Puppenbühne wurde vor 30 Jahren von Johannes und Karin Minuth gegründet.

  Die Gegenwart: Seit September 2017 verstärkt ihr Sohn David als professioneller Puppenspieler das Team.

  Arbeitsweise: Die Minuths schreiben alle Stücke selbst. Von den Puppen über die Kostüme bis zum Bühnenbild entsteht alles in der kreativen Familien-Werkstatt.