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Wolfach "Hombre" verschlägt es bis nach Nepal

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Groß ist die Wiedersehensfreude mit Mutter Marita. Foto: Schwarzwälder Bote

Zimmermann und Rolandsbruder Johannes Hoppe ist nach mehr als vier Jahren Wanderschaft wieder daheim. Etwa zwei Dutzend Wanderbrüder begleiteten Hoppe am letzten Tag auf der Walz bis zum Ortsschild Oberwolfach/Wolfach.

Wolfach. Das Ortsschild hatte er zeremoniell zu übersteigen. Empfangen wurde der Heimkehrer von einer großen Gästeschar und viel Musik. Auch etliche Zaungäste hatten sich eingefunden, um die traditionelle Zeremonie zu verfolgen. Es brauchte allerdings schon einiges an Geduld, denn die zünftigen Gesellen bewegten sich in ihrem eigenen Tempo lindwurmartig von der Oberwolfacher Walke bis in Höhe des Ortsschildes, wo vor über vier Jahren alles begann.

Rechtschaffenes und ehrbares Verhalten

In traditioneller Zimmermannskluft mit Hut, kragenlosem weißem Hemd, einer Weste sowie Jacke und Hose aus Cord war er mit nicht mehr als fünf Euro in der Tasche in die Fremde aufgebrochen. Der schmale blaue Schlips verrät dem Kenner, dass Hoppe zum Rolandschacht gehört. Dessen Vorgaben für die Gesellen, die sich auf die Walz begeben, haben es in sich: Mindestens drei Jahre und einen Tag dürfen sie sich der Heimat nicht mehr als 60 Kilometer nähern. Für die jungen Handwerker heißt es, sich im Rahmen einer jahrhundertealten Tradition sowohl beruflich als auch persönlich weiterzuentwickeln. Die Walz finanziert sich durch die Arbeit unterwegs.

Während seiner Ausbildung zum Zimmermann bei Michael Schrempp in Oberwolfach lernte Hoppe an der Fasnacht einige Gesellen, die auf der Walz waren, kennen und war von da an seinen eigenen Worten nach "angefixt" von der Idee.

"Wir dachten anfangs, das ist halt eine seiner verrückten Ideen und das legt sich schon wieder", erinnert sich Hoppes Kumpel Julian Bonath. Dem war aber nicht so und 2016 brachte Rolandsbruder Henning Bruns von der Nordfriesischen Insel Amrum nach alter Tradition den Schwarzwälder "auf die Wanderschaft". Er führte Hoppe während der mehrwöchigen Probezeit in das Regelwerk der Rolandsbrüder ein.

"Rechtschaffenes und ehrbares Verhalten" wird von den Brüdern erwartet. Verstößt einer der Gesellen auf Wanderschaft gegen die Regeln oder bricht die Walz ab, wird ihm nach alter Sitte der Ohrring mit dem Handwerkswappen unsanft aus dem Ohr gerissen – daher der Begriff Schlitzohr.

Der Ohrring im linken Ohr gehört traditionell zur Kluft und bis er drin ist, ist auch so eine Geschichte. "Nagelschnack nennen wir das", erklärt Hoppe. Mit handgeschmiedetem Nagel und einem Hammer wird der Geselle während des rund zwanzigminütigen Versprechens zu unter anderem ehrbaren Verhalten "festgenagelt". Desinfektion von innen und außen sowie 50 Liter Bier lindern den Schmerz, wie Hoppe augenzwinkernd verrät.

Die Abenteuerlust hat den 29-Jährigen weit in der Welt herumgebracht. Vom deutschsprachigen Raum über das Baltikum bis nach Skandinavien. In Helsinki arbeitete er acht Wochen, um den speziellen finnischen Holzbau kennenzulernen. Auch Fotos von sich unter den Pyramiden von Gizeh in Ägypten hat "Hombre", wie sein Spitzname unter den Wanderbrüdern lautete, nach Hause geschickt.

Im Schweizer Chur hat Hoppe sich die Kosten für den Flug nach Nepal erarbeitet, denn fliegen auf einen anderen Kontinent ist mittlerweile in der Bruderschaft erlaubt.

Kosten für Flugticket in der Schweiz erarbeitet

Die Gastfreundschaft sei überall außerordentlich gewesen, erzählt der Wolfacher. "Ich habe das Gute im Menschen oft erfahren", so der Zimmermann. Er sei sehr froh über seine Entscheidung zur Wanderschaft und danke allen, die ihm auf seinem Weg zur Seite standen. Die kommenden zwei Monate will Hoppe daheim in St. Roman verbringen und sich auf den neuesten Stand bringen, was im Freundeskreis alles in seiner Abwesenheit passiert ist. So hat einer seiner Kumpels geheiratet und einer hat sich verlobt. Auch "Hombre" hat eine Freundin nach Hause mitgebracht, die er vor einem Jahr kennengelernt hat.

Hoppes Pläne für die Zukunft sehen vor, dass er in Kassel eine Arbeitsstelle antritt, bei der er während der Walz gearbeitet hat. Freundin Neele wohnt in der Nähe von Hannover und lernt ebenfalls das Handwerk der Zimmerin. Groß gefeiert wurde erst mal die Heimkehr, die nach der Zeremonie am Ortsschild eine lange Fortsetzung daheim auf dem Elmlisberg in St. Roman fand – natürlich unter Berücksichtigung der geltenden Coronaregeln.

Die Wanderschaft von Gesellen ist historisch vor allem in den Bauhandwerken vom Spätmittelalter bis zur Industrialisierung begründet. Früher war die Walz die Voraussetzung zur Zulassung zur Meisterprüfung. 2015 wurde die Walz Teil des immateriellen Kulturerbes der Unesco

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