Trotz des Einsatzes von mehr als 80 Feuerwehrmännern: Für den historischen Benz der Wolfacher Wehr kam jeder Rettungsversuch zu spät. Fotos: Bea (2), Archiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Wolfacher Oldtimer von 1926 fällt Brand zum Opfer. Bei Paraden deutschlandweit bekannt.

Wolfach - Mehr als 80 Feuerwehrleute taten ihr Bestes – und verloren dennoch ein unersetzliches Museumsstück. Beim Brand am Sonntagmorgen im Wolfacher Gewerbegebiet "Untere Zinne" wurde das historische Feuerwehrfahrzeug "Benz Kraftfahrspritze" ein Raub der Flammen. Es war ein Anblick, der vielen Feuerwehrmännern die Tränen in die Augen trieb: Der Oldtimer von 1926, der im Garagenlager einer Produktionshalle parkte – nur noch ein Haufen Blech und Asche. Ein Dutzend Mitglieder der historischen Feuerwehrgruppe Wolfach hatte das Auto jahrelang in gut 5000 Arbeitsstunden restauriert, und bei Oldtimer-Paraden deutschlandweit war es Aushängeschild der Wolfacher Kameraden. Und nun das. Ausgerechnet bei einem Feuerwehrfahrzeug – so mag sich mancher gedacht haben. "Es ist ein Verlust, der schmerzt", gesteht auch Kommandant Christoph Mayer, um Fassung bemüht.

Kurz nach 9 Uhr hatte ein Anwohner den Brand gemeldet. Zunächst rauchte es im Garagenlager der Produktionshalle. Als die Feuerwehr Wolfach eintraf, stand das Garagengebäude bereits in Flammen. Die Wehren aus Hausach, Haslach und Gutach wurden ebenfalls alarmiert. Mehr als 80 Feuerwehrleute waren unter Kommandant Mayer im Einsatz. Bei den Arbeiten verletzte sich ein Kamerad am Fuß und kam ins Wolfacher Klinikum, ebenso eine Anwohnerin mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung.

Nach etwa einer Stunde war der Brand unter Kontrolle, sodass ein Übergriff auf die angrenzende Produktionshalle verhindert werden konnte. Nach Ende des Haupteinsatzes gegen 13.30 Uhr blieb bis in die Nachtstunden eine Brandwache vor Ort. Insgesamt waren 120 Rettungskräfte im Dienst, darunter neben Polizei und Feuerwehr auch das Rote Kreuz mit 25 und das THW mit sieben Helfern.

Der Polizeiposten Wolfach hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, der Brandplatz wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Polizei geht nach ersten Schätzungen von mehr als 200 000 Euro Schaden aus.

Der historische Benz parkte – soweit nicht gerade auf Tour – stets in der Lagergarage. Bis 1967 stand er im Dienst der Wolfacher Wehr, dann wurde er ausgemustert und 1970 abtransportiert. Mehr als zwei Jahrzehnte später spürten ihn Wolfacher nach langen Recherchen in Westfalen auf. 1994 kehrte er in die alte Heimat zurück und wurde auf Vordermann gebracht. "Die engagierten Kameraden haben das Fahrzeug damals bis auf die letzte Schraube zerlegt", erzählt Christoph Mayer. Seit 1997 lockte der Spritzenwagen große und kleine Oldtimer-Fans mit seiner feuerroten Karosserie und seiner Glocke an – so bei den "Kinzigtal Classics" in Hausach.

Der Benz zählte zu den ältesten Feuerwehrfahrzeugen in Baden-Württemberg und war für Feuerwehr und Stadt von unschätzbarem Wert. "Nur ein weiteres Exemplar gibt es davon noch weltweit", berichtet Mayer. Ersatz ist daher wohl ebenso ausgeschlossen wie eine Reparatur des völlig zerstörten Oldtimers. Zudem sind auch sämtliche Restaurationsunterlagen den Flammen zum Opfer gefallen.