Zwei Weggefährten, die fortan beruflich getrennte Wege gehen: Obwohl Ulrich Kniep, dem scheidenden Vorstandsmitglied der Sparkasse Wolfach, Spenden statt Geschenke bei seiner Abschiedsfeier lieber gewesen wären, freute er sich sehr über die Kuckucksuhr, die er vom Vorstandsvorsitzenden Günter Rauber überreicht bekam und als Bild schon vorm Auspacken begutachten konnte. Foto: Steitz

Vorstandsmitglied Ulrich Kniep wechselt in den Ruhestand / Sparkasse würdigt Verdienste mit Medaille in Gold

Ein würdevolles Programm in stilvollem Ambiente hat die Abschiedsfeier von Ex-Vorstandsmitglied Ulrich Kniep (64) am Freitagabend umrahmt. Er erhielt dabei die Sparkassenmedaille in Gold. Doch für ihn ist der Ruhestand kein Abschied für immer.

Wolfach. Höhen und Tiefen habe er erlebt, unterstrich der scheidende Kniep im festlich dekorierten Saal des katholischen Gemeindehauses. Aber die Höhen hätten überwogen. Er dankte in diesem Zusammenhang auch seiner Frau Annette, die ihm stets den Rücken freigehalten hätte.

An zwei prägende Momente erinnerte der 64-Jährige, der die Sparkasse Wolfach nach 24 Jahren auf eigenen Wunsch verlässt und in den Ruhestand geht. Das eine Ereignis, das Kniep niemals vergessen wird, fand am 15. September 2008 statt: die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die so viele Auswirkungen auf die globale Branche hatte. "Damit war uns klar, dass unsere Zahlen, die wir in der Tasche hatten, Makulatur waren", so Kniep. Das worst-case-Szenario (schlimmster Fall) wurde zur worst-case-Realität.

Der zweite Moment sei so skurril, dass Kniep ihn ebenfalls nie vergessen wird. Es war am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999. Sturm Lothar fegte durch das Kinzigtal. Da erhielt Kniep einen Anruf der Polizei, dass in der Zentrale in Wolfach eingebrochen worden sei. Aus Hausach machte sich das Vorstandsmitglied auf den Weg und traf vor dem Gebäude die Polizisten mit Schäferhund und einer Pistole an. "Am besten gehen Sie voraus, Sie kennen sich am besten aus", hätten die beiden Beamten zu ihm gesagt, was er auch tat. Erst hinterher fiel ihm auf, in was für eine gefährliche Situation er geraten hätte können. Es stellte sich dann nämlich heraus, dass es nur ein Fehlalarm war, den ein beim Sturm umgekippter Baum ausgelöst hatte.

Rückblickend betrachtet ist Kniep mit seinem beruflichen Werdegang zufrieden (siehe Info). Er würde zwar vieles ändern, aber nicht, 1973 bei der Sparkasse angefangen zu haben. Und: Er habe es nie bereut, 1993 nach Wolfach gekommen zu sein. Er bedankte sich für die konstruktiven Gespräche und die ehrliche Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden Günter Rauber, dem Verwaltungsratsvorsitzenden und Bürgermeister Thomas Geppert sowie dem ehemaligen Stadtoberhaupt Gottfried Moser.

"Eins, zwei, drei im Sauseschritt, wir laufen mit", zitierte Kniep nachdenklich Wilhelm Busch. "Wo ist die Zeit nur hin?", fragte er rhetorisch. Seinen Ruhestand wolle er unverplant und selbstbestimmt verbringen. Er habe seine Aufgaben 44 Jahre lang beim Sparkassenverbund immer gern erledigt, aber er freue sich auch nun, mehr Zeit der Familie und seinen Hobbys widmen zu können. Außerdem betrachtet er die Finanzwelt mit einigem Bauchweh: Die Europäische Zentralbank mit ihrem Anleiheprogramm sowie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen machten keinen Spaß mehr. "Die Liste der Folterwerkzeuge und Grausamkeiten wird immer länger", urteilte er resignierend. Er werde die Weiterentwicklung aus dem Ruhestand betrachten.

Weiterhin verbunden

Auch der Abschied von der Sparkassen-Familie sei für Kniep keiner für immer. Er sage nur "Auf Wiedersehen", nicht "ade". Er werde sicher immer gern zu Sparkassen-Veranstaltungen kommen.

Für seine Dienste überreichte der Verwaltungsratsvorsitzende und Bürgermeister Thomas Geppert Kniep an dem Abend die Sparkassenmedaille in Gold. Außerdem wurde ihm, obwohl Kniep Spenden für einen wohltätigen Zweck lieber als Geschenke gewesen wären, ein hochwertiger Reisegutschein von Geppert ausgehändigt. Letzterer bedankte sich ausdrücklich bei Kniep und zollte ihm Anerkennung für dessen Karriere. Die Themen in den Verwaltungsratssitzungen habe Kniep "mit Sorgfalt und Eindringlichkeit" vorgetragen. Zielstrebig, mit persönlichem Einsatz habe er das Sparkassen-Schiff auf Kurs gehalten, auch wenn die "Seen" rauer wurden. Kniep sei "eine menschliche Größe im Haus" gewesen, dessen sorgfältige und fachlich versierte Art sehr geschätzt wurde.

Als besonnen, verlässlich, technikaffin und ruhig charakterisierte Rauber seinen langen Weggefährten. "Eine überaus erfolgreiche Lebensleistung, auch privat, liegt hinter dir", würdigte der Vorstandsvorsitzende (Info). Seit 30. Juni befände sich Kniep im Dauerurlaub und er habe bereits mehrfach betont, dass er sich auf den Ruhestand freue. Die Abschiedsfeier wurde nicht an selben Tag veranstaltet, weil das Ortenau-Klinikum Wolfach sein 100-Jähriges zelebrierte und einige Vertreter sonst nur zu einem Event hätten gehen können.

"Gut bestelltes Ressort"

"Ich hatte immer das Gefühl, dass das Ziel unser gemeinsamer Weg ist", hob Rauber etwas wehmütig hervor. Kniep hinterlasse seinem Nachfolger Alexander Thau (39) ein "gut bestelltes Ressort" ohne Baustellen. Er hoffe, dass Kniep trotzdem noch persönliche Beziehungen zur Sparkassen-Familie pflegen werde und überreichte dem Ruheständler eine "Kuckucksuhr mit allen Raffinessen".

Auch die Mitarbeiter, für die die Personalratsvorsitzende Katrin Dieterle stellvertretend sprach, hatten sich für Kniep etwas ausgedacht. Kniep sei intern ein "Vorbild und Mentor" gewesen. Ihm wurde ein persönliches Fotoalbum mit Bildern aus der Berufszeit geschenkt, das auch als Powerpoint-Präsentation im Saal über die Leinwand flimmerte. Außerdem würdigten sie ihn mit witzigen Fotoideen, die Innenrevision bescheinigte ihm im Prüfungsbericht zum Beispiel die Note eins. Damit er weiterhin auf der Überholspur bleibe, gab es auch einen Gutschein für ein Renntraining auf dem Nürburgring.

"Die Fußstapfen sind groß", bemerkte Knieps Nachfolger Thau. Er bedankte sich für das "gut bestellte Haus mit guter Unternehmenskultur", bevor er dem brillanten Trio "Arondo" aus Oberkirch, wieder die Bühne überließ, die "Those Were The Days My Friends" (Dies waren die Tage meine Freund) anstimmten – für Kniep geht es gerade erst los.

Kommentar von Melanie Steitz

"Die DNA stimmt"

Die Mitarbeiter der Sparkasse Wolfach sind wie eine Familie. Das wurde spätestens bei der rührenden Abschiedsfeier deutlich, die sie ihrem langjährigen und beliebten Vorstandsmitglied Ulrich Kniep am Freitagabend bereiteten. Insofern ist es ganz gut, dass sie einen Nachfolger, das Eigengewächs Alexander Thau, gefunden haben, der die passende DNA der Institution trägt. Das schweißt im rauen Marktumfeld auch weiterhin zusammen. Vita: Ulrich Kniep wurde 1953 in Niebelsbach (Enzkreis) geboren. Sein Abitur absoliverte er 1973 am Pforzheimer Fritz-Erler-Wirtschaftsgymnasium. Bis 1975 durchlief Kniep eine zweijährige Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadt- und Kreissparkasse Pforzheim, wo er bis 1978 als Sachbearbeiter arbeitete. Prüfungsassistent war er zwischen 1978 und 1980 bei der Prüfungsstelle des Badischen Sparkassen- und Giroverbands Mannheim. Als Verbandsprüfer fungierte er dort bis 1984. Der Sparkasse Haslach-Hornberg ernannte Kniep im April 1984 zum ordentlichen Mitglied des Vorstands. In der Sitzung vom 22. März 1993 wählte danach der Verwaltungsrat der Sparkasse Wolfach Kniep zum Vorstandsmitglied. Der heute 64-Jährige ist verheiratet, hat vier Kinder und sechs Enkel.

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