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Wolfach Die Zollstelle im Gasthaus Löwen

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Sylvia und Thomas Harter vor dem Gasthaus Löwen dem historischen Schildrecht nachempfunden ist der stilisierte Löwe, der das Restaurant über dem Eingang ziert, rechts ist der verbliebene Teil der Pferdetränke mit einem Löwenkopf zu sehen.Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Viele Ortsbezeichnungen verweisen mit ihrem Namen auf historische Gegebenheiten. Auch die Benennung des Wolfacher Ortsteils Halbmeil rührt vermutlich von der "halben Meile" zwischen Wolfach und Schiltach her.

Wolfach-Halbmeil. Je nach Messmethode entlang des Wegs oder der Straße zwischen beiden Orten wurde in alten Zeiten die Meile zwischen sieben und elf Kilometern definiert, was bei großzügiger Auslegung in etwa der Entfernung zwischen Wolfach und Schiltach entspricht.

Der Hobby-Historiker Hermann Schneider Strittmatter hat Anfang der 1960er-Jahre das aufwendig recherchierte Buch "Die Stabsgemeinde Kinzigtal" verfasst. Herausgegeben wurde der 142 Seiten umfassende Band von der damals noch selbstständigen Gemeindeverwaltung Kinzigtal.

Das Kinzigtal war Handels- und Heerstraße für Kelten und Römer

Historisch genau ist das Büchlein nicht, weil Schneider Strittmatter zwar offensichtlich eingehend Schriften wie Kirchenbücher zu Rate zog, die Quellen jedoch zum größten Teil nicht angibt. Er betrachtete das Kinzigtal in seinen Ursprüngen hauptsächlich als Handels- und Heerstraße, die seiner Ansicht nach bereits von Kelten und Römern, Alemannen und Franken als Verbindung durch den Schwarzwald zwischen der Rheinebene und Schwaben genutzt wurde. Urkundlich belegt ist nichts davon, weil laut Autor abgesehen von dem Transit das damals unwegsame Gebiet äußerst spärlich besiedelt war.

Auch später hatten vor allem einfache Menschen ihren Lebensraum im Tal und deren Gepflogenheiten wurden kaum schriftlich festgehalten. Hauptsächlich Abgaben, Bußgelder oder andere Belege von Fehltritten der Bauern und Häusler fanden Eingang in historische Schriften, die Schneider Strittmatter offenbar studiert hat.

Die Gemeinde musste ihren Anteil für die gräfliche Küche liefern

Zitiert wird unter anderem der fürstenbergische Schreiber Andres Kötz, der um das Jahr 1500 bezeugt, dass die Stabsgemeinde neben den regelmäßigen Lasten zehn Schultern (Schäufele), 21 Vaßnachthennen (Hühner) und 132 ernhüenr (Erntehühner) für die gräfliche Küche in Wolfach zu liefern hatte – ungerechnet den "zoll käß" (Käse), der wohl ebenfalls als Naturalabgabe an der Zollstätte in Halbmeil erhoben wurde und im Schloss des Grafen abzuliefern wart.

Zollabgaben in jeder Hinsicht bildeten eine profitable Geldquelle für die Obrigkeit. Alle, die mit Waren aus Richtung Schiltach und aus dem Schramberger Bezirk die Grenze an der Kinzigtäler Zollstelle passierten, mussten diese Abgaben entrichten. Der Zoller saß laut Hobby-Historiker Schneider Strittmatter in einem Wirtshäusle, aus dem seiner Ansicht nach das heutige Gasthaus Löwen hervorgegangen ist.

Der jetzige Inhaber Thomas Harter berichtet auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten, dass noch heute ein Großteil der Pferdetränke erhalten ist. Auch kann er sich noch gut an den "Roßstall" hinterm Wirtshaus erinnern, der lange als Schuppen genutzt wurde und in den 1980er-Jahren abgebrochen wurde.

Das Gasthaus wurde vermutlich in den kriegerischen Zeiten, die das Tal erlebte, mehrfach zerstört. Der letzte Aufbau wird mit der Jahreszahl 1850 über dem Türsturz dokumentiert. Auch übernachtet werden konnte im "Würths-Hauß in den Halben Meyl", das später zum Gasthaus Engel wurde.

Die Lage an der viel frequentierten Straße ließ die Herberge vermutlich schon vor Jahrhunderten entstehen. Etwaige urkundliche Texte wurden beim Brand 1849 zerstört (siehe Info). Im Dreißigjährigen Krieg ist das Wirtshaus beim Durchzug der Schweden vollkommen ausgebrannt und wurde zwei Jahre später wieder aufgebaut.

Der Vogt oder Stabhalter, in Städten der Schultheiß, waren die Vertreter der Obrigkeit. Die Kinzigtäler Vögte residierten über Jahrhunderte im Wolfacher "Engelstörle" in der Vorstadt, das nach dem damaligen dortigen Gasthaus benannt war. Bei dem Brand 1849 wurde das Archiv der Stabsgemeinde zerstört und die Gemeindeverwaltung siedelte in das 1832 erbaute Halbmeiler Schulhaus um. Im Dezember 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Kinzigtal nach Wolfach eingemeindet.

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