Mittlerweile gibt es zwei verbriefte Wölfe im Land. Die Kritik an dem Tier wächst auch im Kinzigtal. (Symbolfoto) Foto: dpa

Landwirte, Förster und Politiker fordern weniger Schutz. Kritik an Naturschutzpolitik.

Wolfach - Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Im Kinzigtal gibt es zumindest Sorgenfalten bei Landwirten und Förstern beim Gedanken an das Tier. Für eine Dabatte, auch zu anderen Themen, luden Landespolitiker nach Kirnbach ein.

"Von Wölfen, Schafen und Bienen – Naturschutzpolitik für das 21. Jahrhundert": Unter diesem Titel hatte Landtagsabgeordnete Marion Gentges (CDU) interessierte Bürger am Freitag in den Gasthof Sonne eingeladen. Als fachliche Unterstützung war Parteikollege Raimund Haser als Naturschutzpolitischer Sprecher der Fraktion mit angereist. Außerdem waren unter den 21 Gästen Professor Konstantin von Teuffel als Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Bezirksjägermeister Hans-Jürgen Schneider sowie zahlreiche Landwirte.

In seiner Eröffnungsrede bezog Haser sich ausdrücklich nicht nur auf das Thema Wolf. Er kritisierte das Gebot in der Naturschutzpolitik, dass besage, die Natur müsse so bleiben, wie sie zu dem bestimmten Zeitpunkt der fachlichen Bewertung gewesen sei.

Waldgesetz steht ebenfalls in der Kritik

Dies sei aber nicht möglich, da Veränderungen nötig seien, weil sich nicht alles in einer menschengeschaffenen Kulturlandschaft, die auch Nutzfläche ist, miteinander vereinbaren ließe. Rechtliche Veränderungen, wie das Gesetz zum Gewässerrandstreifen, hätten den Bauern einen "schweren Schlag" versetzt. Demnach dürfen landwirtschaftliche Flächen fünf Meter links und rechts neben einem Gewässer nicht mehr betrieben werden, um den Schutz des Gewässers zu gewährleisten.

Anschließend kam der Politiker auf das Thema Wolf zu sprechen. "In Brandenburg gibt es 2000 bis 3000 Wolfsrisse jedes Jahr bei ungefähr 300 Wölfen im Land. Ich meine, das Tier braucht keinen strengen Schutzstatus, da seine Population nicht gefährdet ist", stellte Haser klar. Das Totschlagargument im Kinzigtal (in dem es bislang einen verbrieften Wolfsriss gab) sei: "So ein Aufstand wegen einem Wolf." Dieses Argument möchte Haser aber nicht gelten lassen. "Machen Sie hier weiter mit dem Aufstand, bevor es 100 Wölfe sind", ermutigte er die Gäste. Abschließend sprach er sich, wie alle Redner an dem Abend, für eine Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht aus.

Auch von Teuffel hält den Wolf nicht für einer gefährdete Art. "Es gibt eine nicht gefährdete osteuropäische Population, die auch in Deutschland aktiv ist. Früher wurde diese zum Beispiel auch von der Mauer aufgehalten", so von Teuffel, der auch mit einem Vorwurf an die FVA aufräumen wollte. "Wir lieben den Wolf nicht. Es geht uns gar nicht um eine Meinung, sondern nur um Fakten", erklärte von Teuffel. Die FVA gehe jeder Wolfssichtung nach.

Nach den Reden der offiziellen Vertreter aus Politik sowie Forst- und Jagdwirtschaft eröffnete Gastgeberin Gentges die offene Diskussion.

Ein Landwirt, der auch als Jäger tätig ist, ergriff das Wort für Kritik an den "Wolfs-Befürwortern". "Die sind uns schon 20 Jahre voraus. Irgendwann werden sie auch den Bären schützen wollen, den wir als einzigen natürlichen Feind des Wolfs jedoch brauchen werden", sagte er. Aktuelle Schutzmaßnahmen gegen den Wolf, wie zum Beispiel ein 90 Zentimeter hoher Zaun, reichten nicht aus. "Ein Zaun von 1,50 Metern könnte reichen. Dann müssen wir den noch unter Strom setzen und wir bräuchten auch mehr Herdenschutzhunde", zählte Jürgen Schmid auf. Diese fielen aber häufig unter das Kampfhundegesetz und würden mehr Zwischenfälle mit Wanderern provozieren, als dies aktuell der Wolf täte. Zudem warf Schmid die Frage auf, wer bei den ersten Personenschäden haften würde.

Abseits des Wolfs bestimmte ein zweites Thema die Debatte. Es ging um das landesweite Waldgesetz. Dieses musste vor einigen Jahren geändert werden. Schmid sprach sich als Gegner der aktuellen Fassung und von staatlichen Einfluss im Wald aus. Haser verteidigte die Position seiner Partei. "Wir haben nur für die Änderungen plädiert, die uns das Kartellamt auferlegt hat. Damit konnten wir uns gegen die Grünen, die den Ministerpräsidenten stellen, nicht durchsetzen", erklärte Haser. Auch von Teuffel sprach sich zumindest für ein Waldgesetz aus.

Schlussendlich war an diesem Abend ebenfalls viel Kritik an der Ausrichtung der Naturschutzpolitik zu hören. Im Naturschutz werde nur bestraft und nicht belohnt. Dies müsse sich ändern.

Zum Wolf gebe es ein passendes Schild, das vom Landesbauernverband herausgegeben werde. "Wölfe fressen kein Gras" heißt es da. So ein Schild solle sich Jeder besorgen, forderte der engagierte Landwirt. Die Zustimmung im Gasthof Krone war ihm gewiss.

Ganz aktuelle Nachrichten hatte Bezirksjägermeister Schneider zur Debatte hinzuzufügen. "Wir haben inzwischen einen zweiten Wolf in Baden-Württemberg. Das wurde uns gestern bestätigt", so Schneider. Dieser sei in der Nähe vom Ostalbkreis unterwegs. Es seien Risse gefunden worden, die definitiv nicht von dem bisher bekannten Wolf stammten.

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