Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Wolfach Der Maler und der Gestapo-Beamte

Von
Robert Heitz schildert in seinem 1946 erschienenen Buch "A mort" seine Haftzeit in verschiedenen NS-Gefängnissen, darunter auch in WolfachRepro: Schrader Foto: Schwarzwälder Bote

Das Buch "A mort" ("Zum Tode") des Straßburger Malers Schriftsteller und Widerstandskämpfers Robert Heitz erschien im Jahr 1946. Darin hat er seine Haftzeit in verschiedenen NS-Gefängnissen, darunter auch in Wolfach, beschrieben.

Wolfach. Beschreiben werden in dem Buch auch die Verhöre durch Julius Gehrum, der als Sektionsleiter der Gestapo in Straßburg sowohl für die Verfolgung der elsässischen "Résistance" als auch für die NS-Endphaseverbrechen von Wolfach mitverantwortlich war.

Heitz stellte 1942 einen für die Vichy-Regierung bestimmten Bericht über die wahre Lage im von Deutschland besetzten Elsass zusammen. Er wurde deshalb von der Gestapo verhaftet und gelangte über die Gefängnisse in Kehl und Offenburg am 9. Juli 1942 zusammen mit 14 Mitgefangenen nach Wolfach.

Die älteren Gefangenen mussten dort Kartoffeln, Erbsen und Bohnen schälen sowie Bolzen, Schrauben und Kleinteile für Kriegsmunition montieren, wobei sie auch Sabotage betrieben.

Die anderen sägten und spalteten im Hof zwölf Stunden am Tag Brennholz, das sie unter anderem an die NS-Dienststellen im Schloss liefern mussten. Die "weitläufigen Innenhöfe, Korridore und Galerien" des Schlosses boten die "Gelegenheit für reizvolle Spaziergänge", wie Heitz es in seinem Buch formulierte.

Das Gefängnisessen, das sie bekamen, war schlecht und viel zu wenig für ihre harte Arbeit. Den Gefängniswärter Otto Reinmuth beschreibt Heitz als "schlechten Menschen", der seine Launen an den einfachen Gefangenen ausließ und in seiner Wut teilweise blutig schlug. Der Amtsgerichtsrat Max Güde hingegen erkundigte sich nach den Wünschen der Häftlinge und brachte ihnen sogar Bücher aus seiner eigenen Bibliothek.

Erst entlassen, kurze Zeit darauf wieder verhört

Drei Wochen nach ihrer Ankunft wurden die Gefangenen zum Amtsgericht im Schloss zu einem Verhör durch einen Kammerpräsidenten und Staatsanwalt des Berliner Volksgerichtshofs gebracht und ihre Aussagen zu Protokoll genommen.

Am 10. August 1943 wurde Heitz aus dem Gefängnis entlassen, kurze Zeit später jedoch wieder verhaftet und von Julius Gehrum im KZ Schirmeck verhört. Heitz beschreibt diesen als "athletisch in der Statur, fleischig, mit kantigen Schultern, eine brutale Figur" mit dem für seinen Beruf typischen Körperbau. Er habe als "einfacher Gendarm in Wolfach" begonnen und sei später dank des Naziregimes in Kehl zum "Spezialisten für politische Fragen im Elsass" geworden.

Er sei ein "Boxer", ein "Rohling" und ein "Idiot", der Heitz durch die Androhung von körperlicher Gewalt und der Verlegung ins KZ Dachau zu einem Geständnis zwingen wollte, was ihm jedoch nicht gelang.

Robert Heitz wurde 1895 in Saverne geboren und studierte in Straßburg Jura und Wirtschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er in der Zentrale der elsässisch-lothringischen Sozialversicherung. Nebenbei war er Mitglied mehrerer Künstlergruppen. Am 10. März 1943 wurde er in einem Prozess in Straßburg zum Tode verurteilt, jedoch später auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler zu lebenslanger Haft begnadigt. Nach der Befreiung aus dem Gefängnis bei Kriegsende übernahm er in Straßburg die Leitung der Altersversicherungskasse und widmete sich der Malerei und Literatur. Zahlreiche seiner Gemälde sind heute im "Musée d’Art moderne et contemporain" in Straßburg ausgestellt. Er starb 1984.

Artikel bewerten
2
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.