Gerade Rehkitze wirken oft verlassen, dabei legen sind ihre Mütter meistens ganz in der Nähe. (Symbolfoto) Foto: Roessler

Nicht jedes allein gelassene Jungtier braucht Hilfe. Pflege von verletzten Tieren ist nichts für Laien.

Das Thema "Wildtiere" liegt dem BUND Mittleres Kinzigtal generell sehr am Herzen. Doch gerade jetzt im Frühling, wo Allerorts der Nachwuchs unterwegs ist, gilt dem Umgang mit aufgefundenen oder verletzten Wildtieren ein besonderes Augenmerk.

Wolfach - Bereits im April 2018 hatte der BUND Mittleres Kinzigtal anhand einer Experten-Diskussion auf das Thema aufmerksam gemacht. "Haustiere als Fundtiere und Verwahrsachen unterliegen anderen gesetzlichen Vorschriften als Wildtiere, die dem Jagd- und Wildtiergesetz unterliegen", führte Angelika Kalmbach-Ruf bei der Pressekonferenz ins Thema ein.

Zahl der Menschen im Wald erhöht sich gerade in Corona-Zeiten

Der Druck auf Wildtiere wachse durch den fortschreitenden Natur- und Landschaftsverbrauch ebenso wie durch die Scharen von Sport-Aktivisten, Wanderern und Mountainbikern, die im Wald Erholung suchen würden. Gerade seit der Corona-Krise habe sich die Zahl der Menschen im Wald extrem erhöht. Förster Ulrich Wiedmaier erklärte, dass wilde Tiere als herrenlos gelten würden, der Jäger aber aufgrund der Pacht das Recht habe, sich diese Tiere anzueignen. Wer nun ein Wildtier finde und es in bester Absicht der Fürsorge mitnehme, begehe gesetzlich streng genommen Wilderei. "Richtig ist es, beim Fund eines Wildtiers die Polizei oder den Jäger zu rufen, und den Fundort so genau wie möglich zu beschreiben", so Wiedmaier. Denn nicht immer sei ein Tier, das gerade alleine wäre, auch wirklich verlassen. So würden beispielsweise Rehe ihre Kitze im hohen Gras abgelegen, damit sie in der Deckung überleben könnten.

Polizei oder Jäger sollte sofort kontaktiert werden

"Man sollte gegenüber den Wildtieren sehr zurückhaltend sein, weil die Situation für Laien oft unklar ist", rät der Fachmann. Auch wären verletzte Wildtiere sehr wehrhaft, wenn man nur an Schwarzwild denke. Doch Angelika Kalmbach-Ruf weiß auch: "Die Menschen reagieren nach dem eigenen Empfinden und voll Tierliebe wird auch auf Wildtiere geschaut."

Trotzdem gilt es zu bedenken, dass die Pflege von verletzten Wildtieren in die Hände von geschultem Personal gehört. Denn selbst wenn zuhause das erste Überleben eines Tieres gelingen könnte, müsste es sich später in der natürlichen Umgebung zurecht finden können. Denn eine Auswilderung sei gesetzlich vorgeschrieben und alles andere als einfach. Manchmal wäre ein verletztes Wildtier auch nicht mehr zu retten, was allerdings nur der Fachmann entscheiden könnte.

"Ein Wildtier ist kein Haustier – deshalb Finger weg!", brachte es Kalmbach-Ruf auf den Punkt. Sie hatte in den vergangenen Wochen viel Recherchearbeit geleistet, um eine Liste mit Ansprechpartnern und Experten für den Ortenaukreis zusammenzutragen (siehe Info). Diese Liste wird zum einen auf der Internetseite des BUND Mittleres Kinzigtal unter www.bund-mittleres-kinzigtal.de sowie auf der Seite des Umweltzentrums für den Ortenaukreis unter www.bund-ortenau.de veröffentlicht.

Info: Die Liste

Als Service-Leistung des BUND hat Angelika Kalmbach-Ruf Ansprechpartner und Experten für Bienen (in erster Linie die heimischen Imker), für Wildbienen, Wespen, Hummeln und Hornissen – die allesamt kein Fall für die Feuerwehr wären –, für Fledermäuse und Vögel, Störche und Wasservögel, Greifvögel, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger zusammengetragen. Bei Großwildtieren und Rotwild gelte die Devise "Hände weg", auch nach einem Wildunfall. Es gelte die Polizei zu rufen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: